20.07.2012

Große Lösung für kleine Kinder

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Der Gemeinderat entschied sich nun doch für die große Lösung. Sah es lange so aus, als würde die Mehrheit des Gremiums nur eine Erweiterung der AWO-"Rasselbande" an der Mehrzweckhalle befürworten, stimmten die Räte gestern Abend darüber hinaus auch für den Krippenneubau am OEG-Areal, den der Verein "Postillion" betreiben wird. So entstehen insgesamt 60 neue Betreuungsplätze - vorrangig für Schriesheimer Kinder. Die Deckungsquote liegt dann bei knapp 50 Prozent. Den Ausschlag für die Entscheidung gaben die Bedarfszahlen, die die Verwaltung anhand der Wartelisten ermittelte. Lediglich GL-Sprecher Christian Wolf votierte dagegen. Er sah den Bedarf nur für den Neubau an der Schillerstraße, "der Rest ist Glaube, Hoffnung und Spekulation".

Bürgermeister Hansjörg Höfer war dagegen sicher, dass das erweiterte Angebot die Nachfrage wecke: "Wir wollen dem Bedarf zudem nicht länger hinterher hecheln, sondern vorsorgen." Im Laufe des nächsten Jahres würden die neuen Plätze zur Verfügung stehen.

Die CDU schwenkte um. Hatte sie sich zuletzt gegen den Neubau am OEG-Areal ausgesprochen, würdigte Daniel Schneegaß (CDU) nun die Vielfalt der Träger und der pädagogischen Konzepte in der Stadt. Die kontroversen Diskussionen seien doch sinnvoll gewesen, offene Punkte nun geklärt. Doch ganz so harmonisch sollte die Aussprache nicht weitergehen.

Dr. Barbara Schenk-Zitsch (GL) sagte, es sei durch den Streit in der letzten Sitzung viel Porzellan zerschlagen worden. CDU, FW und SPD hätten allen Beteiligten viel Zeit und Nerven gespart, hätten sie im Vorfeld ihre Präferenzen für die AWO-Erweiterung kommuniziert hätten. Das habe auch mit Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit zu tun. Dagegen verwahrte sich Anselm Löweneck (CDU). Es sei schon bezeichnend, wenn drei Fraktionen ihre Probleme mit der Sache gehabt hätten.

Die Priorität der GL lag immer beim Krippenneubau östlich der B 3. Auch weitere Plätze hätte sie gerne innenstadtnah gesehen, nicht an der Mehrzweckhalle: "Aber wir müssen schnell reagieren", so Schenk-Zitsch mit Blick auf die Zuschüsse. "Der Streit sollte heute vorbei sein", mahnte Dr. Herbert Kraus (FW). Zwar könne keiner die Bedarfsentwicklung voraussehen, "aber wir sind nun gewappnet." Das erweiterte Angebot sei zudem wesentlicher als die Frage, ob die Plätze ober- oder unterhalb der B 3 geschaffen würden. Kraus gab aber auch zu bedenken: "Wo man Krippenplätze schafft, werden auch neue Kindergarten- und Hortplätze gebraucht."

Dass es "Missverständnisse" gegeben habe, räumte Gabriele Mohr-Nassauer (SPD) ein. Die Entscheidung zugunsten von AWO und "Postillion" begrüßte sie: "Beide Träger sind schon jetzt zuverlässige Partner". Für Wolfgang Renkenberger (FDP) war das Risiko einer zu geringen Auslastung der neuen Gruppen "minimal". Die unterschiedlichen Gebührensätze, die die Eltern bei AWO und "Postillion" zu zahlen hätten, würden den Marktgesetzen unterliegen. In der Differenz sah Renkenberger also kein Problem.

Wolf wunderte sich über die neue Einmütigkeit. Die Fakten würden anders aussehen: Die AWO-"Rasselbande" sei nicht da, wo die Kinder wohnen und erzeuge beim Bringen und Abholen unnötigen Verkehr in der Ladenburger Straße. Zudem würden die AWO-Räume, anders als beim "Postillion" am OEG-Areal, nicht nach 25 Jahren in das Eigentum der Stadt übergehen, die dagegen "lange viel Geld zu bezahlen" habe. Mehr als eine neue Krippe sei Verschwendung von Steuergeld. Man baue nun auf Vorrat mit der Gefahr des Leerstands. Die AWO-Erweiterung bringe nur denen etwas, die sie planen, bauen und betreiben.

Das brachte Heinz Kimmel (FW) und Karl-Heinz Schulz (SPD) auf. Schulz sagte, dass sein Fraktionssprecher Rainer Dellbrügge als Kreisvorsitzender der AWO "nichts daran verdient". Sowohl Dellbrügge, als auch FW-Stadtrat Alfred Burkhardt als Planer der AWO-"Rasselbande" galten als befangen und hörten die Diskussion von den Besucherplätzen aus. Auch Hauptamtsleiter Edwin Schmitt, der im Beirat des Vereins "Postillion" sitzt, äußerte sich dieses Mal nicht zur Sache. Für die Verwaltung sprach Schmitts Mitarbeiter Robert Eszterle. > Hintergrund

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung