25.07.2012

Die Fans hatten sich "StereoLove" geangelt

Die Fans hatten sich "StereoLove" geangelt

Überraschung! "StereoLove" spielte nur für die Fans. Foto: Dorn

Schriesheim. (sk) Eine kleine Melodie auf dem Keyboard, in die verhalten die Stimme des Sängers einfällt und kurz darauf auch ein zurückhaltendes Schlagzeug. Ein paar Takte lang geht das so weiter bis zum nachdrücklich positiven Refrain "This is it". Den "Huu-Huuu"-Chorus hat man schnell drauf und singt ihn mit, ohne es richtig zu merken. Die Bässe sind voll aufgedreht und bringen das Zwerchfell zum Vibrieren. Wenig später fällt man in den Refrain ein, als ob man das Stück schon ewig kennen würde. Gäbe es dieses Jahr einen Sommer, dann wäre "This is it" ein aussichtsreicher Kandidat für den Titel "Sommerhit".

Das Stück stammt von der Gruppe StereoLove und ist Teil ihres ersten Albums. In Schriesheim war es am Samstagabend live zu hören, unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt vor einer handverlesenen Fan-Gemeinde im Vereinsheim der Sportangler. Davor parken Autos mit den unterschiedlichsten Kennzeichen: Fans kommen aus Stuttgart, Erfurt oder Nordrhein-Westfalen. Der Abend ist nicht einfach nur ein Konzert, sondern erste Präsentation der CD und eine Zusammenstellung von Stücken, wie sie in dieser Form noch nie zu hören war.

Dass die Wahl für dieses Ereignis auf Schriesheim fiel, war eine Entscheidung des Fanclubs, der sich mit einer Stimme Mehrheit für das Sportangler-Heim aussprach.

Die Idee dafür hatte Susanne Müller, Frau des Sportangler-Vorsitzenden Rainer Müller und StereoLove-Fan. Die Band ist vor dem Gig fast so nervös wie ihr Publikum: "Das Album ist unser erstes richtiges Komplett-Baby", sagt Keyboarder Sebbi Padotzke. Alles wurde selbst komponiert, produziert und abgemischt, erst vor wenigen Tagen hat die Band das Studio verlassen, wo das Video für "What if" aufgenommen wurde. Nach dem ersten Titel dürfen die Fans auch mal an die Instrumente: nach Gitarristin Monika kommt Drummerin Conny, die zusammen mit der Band "Highway to hell" und "Sweet Home Alabama" rauslässt. Sie wird mit Applaus verabschiedet, und Sebbi lässt die ersten Töne von "Falling like stars" in die Stille fallen. Ruckzuck brennen die ersten Wunderkerzen, das Stück gerät zur Rock-Hymne. Thom holt das Publikum wieder auf die Erde zurück. "Wisst ihr, was Philipp gesagt hat, als mal ein Auto über seinen Bass gefahren ist?", fragt er und gibt die Antwort: "Och, Menno!"

Als Sebbi bei "Love of my life" sein Instrument zur Hand nimmt, hat man den Verdacht, das Auto sei in Wahrheit über das Saxofon gefahren. Der Klang des ramponierten Blechs hat aber nicht gelitten, Sebbi entlockt ihm so wunderbar geschmeidige Töne, dass man beinahe den untergründigen Sarkasmus des Textes überhört. In dem Lied wird nicht etwa eine schöne Frau besungen: "I became the love of my live" spielt auf die Selbstverliebtheit manches Zeitgenossen an. Eine Spezialität von StereoLove, bei deren Texten man zweimal hinhören muss. Übrigens ist auch die Band bereits zum zweiten Mal in Schriesheim. Das erste Mal war vor zwölf Jahren, als Reamonn im "Berg"-Probenraum ihren Hit "Supergirl" spielten. Danach zog es sie aufs Straßenfest, wo sie sich die Instrumente der verblüfften "Rock Express"-Mitglieder liehen. Ein spontanes Konzert, bei dem, nebenbei bemerkt, aus Susanne und Rainer Müller ein Paar wurde.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung