31.07.2012

Bei der Hygiene hört der Spaß für die Behörden auf

Bei der Hygiene hört der Spaß für die Behörden auf

Yvonne Splettstößer vom Landratsamt informierte. Foto: Dorn
Von Philipp Weber

Schriesheim. Obwohl das nächste Schriesheimer Straßenfest erst Anfang September über die Bühne geht, sind die Lebensmittelkontrollen des Landratsamtes in den Vereinen schon jetzt wieder ein Reizthema. Rund 15 Jahre lang hatte das Amt die Themen Hygiene und Lebensmittelkennzeichnung eher lax gehandhabt. Dann folgte der Schnitt.

Und das machte sich auch in Schriesheim bemerkbar: So erlebten die Standbetreiber während der letzten Feste einige unangenehme Überraschungen, als plötzlich die Kontrolleure von Landratsamt und Stadt vor ihnen standen. Auch während des Straßenfestes im vergangenen Jahr musste ein Waffelverkäufer seinen Stand schließen, daneben kam es zu einer "Teilschließung" sowie einigen Geldstrafen. Glaubt man Ordnungsamtsleiter Willy Philipp und Yvonne Splettstößer vom Amt für Lebensmittelüberwachung des Rhein-Neckar-Kreises, dürften die meisten Standbetreiber dieses Jahr aber nichts zu befürchten haben: "Straßenfeste gehören zu Schriesheim, wir begrüßen das Engagement der Vereine", so der Ordnungsamtsleiter im Vorfeld einer "Hygieneschulung" im proppenvollen Saal des Feuerwehrhauses.

Er greife allerdings konsequent ein, wenn selbst einfache Grundregeln nicht eingehalten werden (siehe "Hintergrund"): "Bei unsachgemäßer Zubereitung von Lebensmitteln und warmen Temperaturen kann sich die Anzahl an Bakterien und Keimen alle 20 Minuten verdoppeln", erklärte Splettstößer. Dies sei besonders für Kinder, Ältere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem eine ernst zu nehmende Gefahr. "Die Haftung muss am Ende der Standbetreiber übernehmen." Wer an den Schulungen teilnehme - diese sind laut Infektionsschutzgesetz sogar verpflichtend - und die wichtigsten Regeln einhalte, bekomme meist keine Probleme.

Bereits 2011 waren die Ehrenamtlichen ausführlich vorbereitet worden. "Ich verstehe ja, dass ich auf Hygiene achten muss. Aber wem nützt es denn, wenn ich bei jeder Soße und jedem Kuchen auf potenzielle Schadstoffe hinweisen muss", ärgerte sich ein Standbetreiber. Auch andere Aktive grummelten hörbar, als die Beamtin sie darüber aufklärte, wie viele Zusatzstoffe auf Verkaufsschildern und Speisekarten erwähnt werden müssen.

"Ich finde es gut, wenn auf Hygiene geachtet wird", meinte eine Vereinsaktive nach der Schulung, "aber man sollte das Engagement der Vereine auf keinen Fall abwürgen".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung