31.07.2012

"Wollen uns nicht wieder blutige Nase holen"

"Wollen uns nicht wieder blutige Nase holen"

Petra Nußbaum, Hans Wenk, Sebastian Cuny, Gabriele Mohr-Nassauer und Manfred Göbel (v. l.) im Pressegespräch. Foto: Dorn

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Die SPD wird bei der Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr keinen eigenen Kandidaten ins Rennen gegen Bürgermeister Hansjörg Höfer schicken. "Wir wollen uns nicht wieder eine blutige Nase holen", sagte Ortsvereinschef Sebastian Cuny im Pressegespräch.

Auch bei der letzten Wahl habe man mit Erwin Leuthe "ein Angebot gemacht, das nicht angenommen wurde", so Cuny. Also sei die SPD dieses Mal nicht am Zug: "Wir müssen das pragmatisch sehen". Die SPD werde sich die Kandidaten anschauen und dann gegebenenfalls über eine Unterstützung oder Wahlempfehlung in einer Mitgliederversammlung entscheiden. Gleichwohl hielt sich die SPD mit Kritik an der Verwaltung nicht zurück: "Da ist keine Linie, keine Strategie mehr zu sehen. Die Verwaltung handelt ohne Konzeption", so Cuny. Und die ehrenamtlich tätigen Stadträte könnten nicht auffangen, was das Rathaus versäume, ergänzte Vorstandsmitglied Petra Nußbaum. "Wir hecheln den Themen im Gemeinderat hinterher; da ist eine Rückkopplung mit der Basis schwer", sprach Cuny die Zusammenarbeit von Gemeinderatsfraktion und Ortsverein an.

Dieser müsse wieder mehr gestalten und seine inhaltlichen Vorgaben gegenüber der Fraktion formulieren als nur über die Arbeit der Stadträte informiert zu werden. Zwei kommunalpolitische Themenfelder will der Ortsverein daher nach der Sommerpause verstärkt angehen: die Stadt- und die Schulentwicklung.

Vorstandsmitglied Manfred Göbel forderte, die Stadtentwicklung wieder als Ganzes zu sehen, gerade vor dem Hintergrund des Tunnelbaus. Der Branichtunnel sei eine Chance für die Stadt. Diese werde durch die Talstraße momentan "zerschnitten". Für die Frage, wie die Stadt attraktiver werden könne, bedürfe es unbedingt der Bürgerbeteiligung. Göbels Vorstandskollege Hans Wenk hatte konkrete Vorschläge: Am Festplatz müsse der Kanzelbach "freigelegt" werden, zudem brauche die Heidelberger Straße eine neue, einheitliche Gestaltung. Auch über Veränderungen beim Mathaisemarkt müsse man nachdenken, schob Göbel nach. Die offene, breite Diskussion sei wichtig für die künftige Gestaltung Schriesheims, sagte er. Bei den Ideen für ein Ärztehaus am Festplatz habe man gesehen, wie es nicht gehen darf. Stadträtin Gabriele Mohr-Nassauer unterstrich, dass die SPD immer für das Ärztehaus am OEG-Areal gewesen sei: "Die Verwaltung muss darauf einwirken, dass es dort doch noch entstehen kann."

Nußbaum vermisste eine umfassende Diskussion über die Gemeinschaftsschule als Alternative zur Werkrealschule: "Das muss man noch einmal strukturierter angehen, um die möglichen Wege auszuloten." Ein weiteres Ziel der SPD ist die Einrichtung von "Notinseln" für Kinder in der Stadt. Mohr-Nassauer stellte die Initiative der Stiftung "Hänsel+Gretel" vor, die Kindern in Notsituationen Fluchtpunkte bietet - oft in Geschäften. Entsprechend will die SPD auch den Kontakt zum BDS suchen. Die "Notinseln" sind deutschlandweit in vielen Städten etabliert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung