03.08.2012

Die Ampeln sind eine Katastrophe

Die Ampeln sind eine Katastrophe

Ein vertrautes Bild: Auf der B 3 geht ins Gewerbegebiet nichts mehr, wenn die Bahn kommt. Fotos: Dorn

Von Carsten Blaue
Schriesheim. "So kann es nicht bleiben", sagt Dieter Knopf. Der BMW-Vertragshändler aus dem Gewerbegebiet und Stadtrat der Freien Wähler (FW) ist sauer. Und es ist immer das gleiche Thema, das ihn erzürnt: Die Warterei an den Ampeln an der Einfahrt von der B 3 in die Robert-Bosch-Straße. An der Stelle quert auch die "OEG". Mit dem neuen Zehn-Minuten-Takt der RNV-Linie 5 zwischen Weinheim und Schriesheim soll sich am Gewerbegebiet laut Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) zwar nichts an der Schaltung der Ampeln verändert haben. Verbessert hat sich aber auch nichts, und das zehrt an den Nerven der Geschäftsleute und Handwerker. Und das seit vielen Jahren. Knopf sagt, er sei sich da einig mit Schreiner Matthias Meffert und Kanal-Spezialist Stefan Pfeifer sowie mit anderen Unternehmern, die ihre Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchten.
Das Stehen an den Ampeln sei geschäftsschädigend, so Knopf. Wenn dann noch die Bahn kommt, sei es umso schlimmer. Er spricht von bis zu 20 Minuten, die RNV von "gefühlten Wartezeiten": "Da kann ich nur lachen", erwidert Knopf. Aber auch Bürgermeister Hansjörg Höfer habe ihm nicht glauben wollen, dass es so lange dauert. Fakt sei, so Knopf, dass nicht wenige an den geschlossenen Schranken vorbeifahren.
Dem BMW-Händler geht es nicht alleine um diese Kreuzung: "Man schneidet uns ja doppelt von der Außenwelt ab. Manche Kunden sagen mir, wir seien ja nur noch mit dem Hubschrauber zu erreichen." Knopf spricht hier die Poller zwischen St.-Wolfgang- und Carl-Benz-Straße an, die die Zufahrt zum Gewerbegebiet unmöglich machen: "Als Unternehmer sage ich: Die müssen weg." Zudem bringt Knopf einmal mehr eine zweite Zufahrt zum Gewerbegebiet ins Spiel, als Unterführung auf Höhe des Kelterhauses der Winzergenossenschaft. Dafür seien auch die FW schon lange, zumindest für eine Machbarkeitsstudie. Der Antrag liege im Rathaus irgendwo in der Schublade: "Ich meine, da gibt es keine Denkverbote. Da sollte man drüber reden können", so Knopf.
Unterstützung bekommt er von BDS-Chef Rolf W. Edelmann: "Die Ampeln sind eine Katastrophe. Das lange Stehen ist lästig und kostet die Handwerker Geld. Und auch die Sperrung an der St.-Wolfgang-Straße war ein riesengroßer Fehler. Der Verkehr hat sich nur auf Ausweichstrecken verlagert, die enger sind." Nur in Sachen Unterführung ist Edelmann skeptisch: "Sie würde extrem viel Geld kosten."
Was die Aufhebung der Barriere an der Carl-Benz-Straße angeht, ist Ordnungsamtsleiter Willy Philipp ganz pragmatisch: "Wenn der Gemeinderat das will, dann kann man bei der Verkehrsbehörde den Antrag stellen, dass die Pfosten wieder weg kommen." Und wie sehen es die Fraktionen?
"Da gibt es bei uns unterschiedliche Meinungen", sagt Paul Stang (CDU). Er selbst war mal für die Pfosten, inzwischen gefällt ihm der Zustand nicht mehr. Eine Unterführung als zweite Zufahrt zum Gewerbegebiet ist für Stang "keine Utopie, aber eine Vision". Für Zeiten, in denen die Stadt Geld im Überfluss habe. Abgesehen davon sei das Industriegebiet so groß nun auch wieder nicht - zumal seit Duscholux weg sei.
Rainer Dellbrügge will gar nichts wissen von einem Ende der Sperrpfosten an der St.-Wolfgang-Straße: "Es gibt keinen Grund, sie zu entfernen. Es ist gut so wie es ist." Auch für ihn hängt die Frage der zweiten Zufahrt zunächst am Geld: "Man müsste zudem sehen, wie sich die Gewerbetreibenden selbst beteiligen." Ein erster Schritt müsse aber ganz klar eine Optimierung der Ampelschaltungen sein, so der SPD-Fraktionssprecher. Da kann ihm Gisela Reinhard (GL) nur beipflichten. Und sie dehnt ihre Kritik auf die gesamte Strecke zwischen Weinheim und Schriesheim aus: "Da wird man ja verrückt an den Ampeln. Diese Schaltungen sind überhaupt nicht nachzuvollziehen." Auch für sie scheitert eine weitere Einfahrt ins Gewerbegebiet an den Finanzen. Und über die Frage der Pfosten will sie erst selbst mit den Betroffenen sprechen.
Derweil gibt man sich bei der RNV nicht beunruhigt. Die Situation an den Ampeln werde man "in nächster Zeit beobachten", so RNV-Pressesprecher Frank Feuchtgruber. Nach einer Woche Zehn-Minuten-Takt zu den Stoßzeiten zieht er Bilanz: Morgens und tagsüber laufe alles stabil nach Fahrplan, am späten Nachmittag, "wenn sich Berufs- und Freizeitverkehr überlagern", komme es zu Verspätungen einzelner Züge. Auch den Betriebsablauf werde die RNV in den nächsten Wochen vor Ort beobachten und bei Bedarf "Anpassungen" vornehmen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung