08.08.2012

Zweite Zufahrt wäre der "Königsweg"

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Die Stadt wollte Flagge zeigen: "Wir nehmen die Sorgen der Gewerbetreibenden ernst", sagte Erster Bürgermeisterstellvertreter Anselm Löweneck. Daher lud er zum Ortstermin ein, um mit Unternehmern und Anwohnern die Verkehrsproblematik rund um das Gewerbegebiet zu erörtern. Hansjörg Höfers Vertreter hatte dafür einen guten Platz gewählt, nämlich die Kreuzung von Robert-Bosch- und Carl-Benz-Straße. Von hier aus hat man sowohl die von Schranken und Ampeln gesicherte Zufahrt ins Gewerbegebiet im Blick als auch die Poller, die eine Durchfahrt von der St.-Wolfgang- in die Carl-Benz-Straße verhindern. Das Problem war Löweneck bewusst: "Die Geschäftsleute des Gewerbegebiets fühlen sich abgehängt." Doch Lösungsansätze gab es beim Gespräch an der Kreuzung nicht. Aber immerhin ein Lob von Löweneck.

"Erst mal herzlichen Glückwunsch an alle Gewerbetreibenden in der Stadt", so der Vize-Bürgermeister. Sie hätten der Stadt im vergangenen Jahr knapp über drei Millionen Euro Gewerbesteuer beschert: "Das alleine zeigt, wie wichtig die Geschäftsleute für Schriesheim sind", so Löweneck. Schon daher müsse es ein Anliegen sein, ihnen auch beim zurzeit wieder mal heiß diskutierten Thema zur Seite zu stehen. Das Ganze ist nicht neu: "Wir wissen um die Verkehrsprobleme am Gewerbegebiet ja nicht erst jetzt." Und die Kritik an den beiden "neuralgischen Punkten" reiße nicht ab, wusste Höfers Stellvertreter im Beisein von Ordnungsamtschef Willy Philipp, Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger und BDS-Chef Rolf W. Edelmann. Löweneck hatte sich um Zahlen bemüht, um der oft von Emotionen geleiteten Diskussion wenigstens etwas statistische Unterfütterung zu geben.

So beobachtete man, wie lange die Schranken an der B 3 in einem Zeitraum von zehn Minuten zu sind: "Es ist 11 Uhr, es ist keine Stoßzeit", relativierte Löweneck den Versuchsansatz. Aber immerhin: Zweieinhalb Minuten lang waren die Schranken unten.

Dann wurde gezählt, wie viele Autos in einer Stunde die Robert-Bosch-Straße befahren, weil es an den Pollern kein Durchkommen gibt: 42 fuhren rauf Richtung Dossenheimer Weg, 68 kamen von dort herunter: "Das ist eine Belastung für die Anwohner", so Löweneck. BMW-Vertragshändler Dieter Knopf nickte: "Das Verkehrsproblem wurde durch die Pfosten doch nur verlagert." Geht es nach Knopf, dann kommen sie wieder weg. Und geht es nach ihm, dann wird über eine zweite Zufahrt zum Gewerbegebiet zumindest nachgedacht: "Das wäre sicher der Königsweg", sagte Löweneck. Er wies aber auch darauf hin, wie schwierig die Verwirklichung wäre. Dennoch: "Es muss unser großes Interesse sein, das Gewerbegebiet zu halten. Es steht in Konkurrenz zu den Gewerbegebieten in der Nachbarschaft."

Auf die Frage, ob der Standort östlich von Bundesstraße und Bahntrasse mit all' seinen Verkehrsproblemen überhaupt jemals sinnvoll gewesen sei für Gewerbeansiedlungen, ließ sich Löweneck nicht ein: "Aus damaliger Sicht vor über 30 Jahren war das Gewerbegebiet an einem guten Standort." Zumal es bei Duscholux ja bis in die Achtziger noch eine zweite Zufahrt gegeben habe, erinnerte Philipp: "Aber sie war zu gefährlich".

So wie es im Moment sei, könne es jedenfalls nicht bleiben, so Löweneck mit Blick auf die Kreuzung am Eingang zum Gewerbegebiet. Die Schranken der Linie 5 der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) seien auch für die Feuerwehr ein Problem: "Über rote Ampeln kann sie fahren, aber wenn die Schranken unten sind, geht nichts mehr." Ein spezielles Treffen zwischen Stadt und RNV müsse es zur Sache jedoch nicht geben: "Wir sind mit der RNV immer im Gespräch", so Löweneck.


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Er wusste, dass die Bahnen aus Heidelberg schon in "Schriesheim Süd" die Schranken per Gleiskontakt auslösen. An der Einfahrt zur Passein könnten sich die Schrankenanforderungen von "Schriesheim Süd" und vom OEG-Bahnhof sogar überschneiden. Zudem falle die RNV-Linie 5 unter das Eisenbahnrecht, und da würden längere Schließzeiten der Schranken verlangt: "Aber wenn die Bahn durch ist, gehen die Schranken innerhalb von acht Sekunden wieder ganz auf", wusste der ehemalige RNV-Baustellenbeauftragte für den zweigleisigen Ausbau, Reinhold Höpfer.

Er meinte, an den Ampelschaltungen hätte sich die vergangenen 15 Jahre nichts geändert. Auch jetzt nicht. Ob die Linie 5 aber nicht doch durch längere Ampelphasen bevorzugt werde, damit die Bahn schneller nach Heidelberg kommt, wusste Höpfer nicht, der betonen wollte, als Anwohner gekommen zu sein: "Wenn man heute die Fragen zur Ampelschaltung hätte klären wollen, dann hätte man einen Signaltechniker der RNV einladen müssen", monierte er.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung