13.08.2012

"Wo ein Wille ist, da ist eine Unterführung"

Von Carsten Blaue

Schriesheim. In der Diskussion um die Verkehrsverhältnisse rund um das Gewerbegebiet melden sich jetzt auch die Anwohner der St.-Wolfgang-Straße zu Wort. In einem Schreiben an die RNZ fordern sie Stadt und Gemeinderat dazu auf, sich für eine Unterführung als Zu- und Ausfahrt des Gewerbegebiets einzusetzen. Die Beseitigung der Pfosten an der Carl-Benz-Straße würde die Verkehrsprobleme nicht lösen. Unterzeichnet wurde der Brief von Friedrich Ewald, Hans Wenk, Heide Schwöbel, Hans Grüber, Rainer Müller und Klaus Grüber. Ewald sagte auf RNZ-Anfrage, es gebe noch weit mehr Unterstützer dieser Stellungnahme.

Das Gewerbegebiet, merken die Anwohner an, liege nicht erst jetzt an einer verkehrstechnisch ungünstigen Stelle: "Direkt angrenzend an ein bereits vorher bestehendes Wohngebiet und weit entfernt von der Autobahn ist es geradezu dafür prädestiniert, Verkehrsprobleme hervorzurufen. Gewerbegebiete moderner Prägung findet man überwiegend an Autobahnen oder Autobahnzubringern." Als Beispiele werden Hirschberg und Heddesheim angeführt. Auch die heutige RNV-Linie an der Bergstraße habe es schon lange gegeben, bevor das Schriesheimer Gewerbegebiet erschlossen worden sei, so die Unterzeichner. Sie schreiben, dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) zu recht immer mehr an Bedeutung gewinne, sei er doch auch für den Individualverkehr von Vorteil: "Weil der ÖPNV die Straßen entlastet und aus verkehrstechnischer und ökologischer Sicht richtig, wichtig und zukunftsorientiert ist", heißt es in dem Brief. Daher sei der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke zwischen Heidelberg und Weinheim auch nicht "schuld" an den Verkehrsproblemen. Zudem seien Rotphasen an den Ampeln zum Gewerbegebiet oft "gefühlt" mit langen Wartezeiten verbunden: "Tatsächlich jedoch sind diese kürzer", beziehen sich die Bürger aus der St.-Wolfgang-Straße auf einen Leserbrief von Fritz Köhler (RNZ, 8. August).

Deshalb könne nur eine Unterführung die Zu- und Abfahrtsprobleme lösen oder zumindest verbessern. Dabei lassen die Unterzeichner offen, ob es dafür wirklich einer zweiten Anbindung des Gewerbegebiets an die B 3 bedürfte. Verwaltung und Kommunalpolitik seien an dieser Stelle gefragt: "Wo ein Wille ist, da ist auch eine Unterführung." Dass sich Beharrlichkeit für eine gute Sache auszahle, sehe man am Branichtunnel.

Eine Aufhebung der Sperrung zwischen St.-Wolfgang- und Carl-Benz-Straße würde ein zusätzliches, enormes Verkehrsaufkommen von morgens bis spätabends bedeuten, heißt es weiter im Brief der Anwohner. Sie würden dann einer "zusätzlichen und unerträglichen Belastung" ausgesetzt. Zumal der Verkehr aus Schriesheim, zumindest von oberhalb der B 3, aber auch aus dem Vorderen Odenwald die innerörtliche Zufahrt zum Gewerbegebiet über die Bismarck- und die St.-Wolfgang-Straße nehmen würde. Die Bürger sehen dadurch neue Gefahren für Kinder, ältere Menschen, Fußgänger und Radfahrer: "Verschärfend wirken sich inzwischen die ans Wohngebiet herangerückten Märkte von Aldi und Rewe aus. Öffnungszeiten bis 24 Uhr an sechs Tagen bedeuten für die Anwohner Lärm und Verkehrsbelästigungen bis in die späten Abendstunden." Schon in der Zeitung habe gestanden, welche Absicht die Geschäftsleute verfolgten: "Da ist zu lesen, dass Baufahrzeuge nicht an der Ampel warten können, weil das zu viel Arbeitszeit kostet. Deshalb sollen die Baufahrzeuge durch die St.-Wolfgang-Straße fahren?" Weiter heißt es, für "einen Autohändler" - BMW-Vertragshändler Dieter Knopf ist gemeint, wird aber nicht namentlich genannt - seien Wartezeiten auch unzumutbar: "Deshalb sollen Probefahrten, Kurierfahrten und andere durch das Wohngebiet erfolgen?", fragen die Anwohner kritisch, um zu ergänzen: "Wenn einige nach Dossenheim zum Einkaufen fahren, wo liegt dann das Problem? Aldi, Rewe und Lidl gibt es dort nicht. Also wird der, der in einen dieser Märkte möchte, auch die Ampelschaltung akzeptieren können." In den Augen der Unterzeichner gibt es keine guten Gründe, die Pfosten zu entfernen: "Die derzeitige Regelung hat sich bewährt." Sie sei auch kein "riesengroßer Fehler" gewesen. So hatte sie BDS-Chef Rolf W. Edelmann in der RNZ genannt (3. August). "Der innerörtliche Verkehr", schließen die Anwohner, "wurde auf mehrere Schultern verteilt und lastet nicht nur auf der St.-Wolfgang-Straße. Bürgermeister und Gemeinderat haben damals diese Verkehrsregelungen richtig und gerecht mehrheitlich beschlossen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung