16.08.2012

Und geerntet wird auch noch...

Von Carsten Blaue

Schriesheim. "Das Jahr 2012 geht bei uns in die Geschichte ein", lächelt Peter Jäck. Er sitzt auf der Bank vor dem Aussiedlerhof im Grünen und hat eine Neuigkeit nach der anderen zu bieten. Am Freitag wird der eigene Wein der Jäcks erstmals auf dem Hof abgefüllt. Vielleicht kann er schon bei der Weinwanderung zum Ausschank kommen. Im neuen Hofladen hier draußen dürfte er aber auf jeden Fall zu haben sein. Diesen will die Familie Jäck noch dieses Jahr eröffnen, verzichtet dafür aber auf eine Traditionsveranstaltung, das "Äppelwoifescht". Doch der Reihe nach.

Dass Jäcks Sohn Maximilian auf dem Obsthof sein eigenes Weingut vorantreibt, ist schon lange bekannt. Das "i"-Tüpfelchen fehlte dem Studenten des Weinbaus und der Önologie bislang noch: die Abfüllung der Weine daheim. Morgen ist es soweit. Dann fährt die mobile Abfüllanlage vor. Maximilian Jäck wird 200 Liter Cabernet Dorio, geerntet mit 100 Grad Öchsle, sowie 400 Liter Spätburgunder, die 93 Grad Öchsle hatten, auf die Flaschen ziehen.

Halfpipe steht im Weg

Dann fehlen nur noch die Nummern der amtlichen Qualitätsweinprüfung des Staatlichen Weinbauinstituts in Freiburg und die Etiketten. Und dann solle der Wein so schnell wie möglich in den Verkauf, sagt der Nachwuchswinzer, der sich am Wochenende erst mal für drei Monate Pflichtpraktikum bei der Weinkellerei St. Michael-Eppan in Südtirol verabschiedet. Nächstes Jahr wird er fertig mit dem Studium, und dann wird er sich voll und ganz seinem Weingut widmen. Spätestens dann muss auch die Halfpipe aus dem Keller raus, auf der die Jäck-Söhne mit ihren Freunden Skateboard und BMX-Rad fuhren: "Die ist jetzt langsam im Weg", lacht Maximilian Jäck.

Derweil hat sein Vater Peter noch ganz anderes vor. Nach dem Verkauf des Jäck'schen Traditionsanwesens mit dem Laden in der Ladenburger Straße will die Familie noch dieses Jahr ihren neuen, 100 Quadratmeter großen Hofladen auf dem Aussiedlerhof eröffnen. Geplant hat ihn Rainer Beisel. Die Entwürfe liegen bei der Stadt, der Bauausschuss muss nach der Sommerpause noch zustimmen. Im Anbau an den Hofladen könnte die Brennerei untergebracht werden. Das Ganze soll im Spätjahr fertig sein: "Vielleicht machen wir zur Eröffnung einen kleinen Weihnachtsmarkt", sagt Peter Jäck. Auf jeden Fall wird es das "Äppelwoifescht" nicht geben. Der Neubau des Ladens bindet die Kräfte der Familie. Dieser soll zudem Impuls sein für eine neue Art von Hoffest, das das Äppelwoi-Wochenende ablösen könnte. Dass die Jäcks in Sachen Bewirtung kreativ sind, haben sie dieses Jahr nicht zuletzt mit der Premiere ihres Weinstands im Gewerbezelt des Mathaisemarkts bewiesen. Und auch für ein Hoffest hat Peter Jäck schon hat ein paar Ideen, doch alles zu seiner Zeit.

Zumal er und sein Sohn Johannes, Maximilians jüngerer Bruder, zurzeit alle Hände voll zu tun haben. Denn geerntet wird ja auch noch: Pfirsiche, Mirabellen, Nektarinen, Äpfel, Birnen, Zwetschgen, das ganze Programm. Aber: "Gerade bei Birnen und Zwetschgen sind manche Sorten fast ein Totalausfall", so Peter Jäck. Sie sind in der Blütezeit in kalten Nächten erfroren. Bei den Äpfeln ist er mit Reife und Größe zufrieden. Der Behang der Bäume sei ordentlich. Jedoch merkt Jäck hier kritisch an, dass es in den vergangenen Wochen einfach zu trocken war. Und die starken Temperaturanstiege im Juli führten zu Sonnenbrand auf den früheren Sorten. Irgendwann werden das alleine Johannes Jäcks Sorgen sein. Er wird mal die Obstbausparte im Familienbetrieb übernehmen. Jetzt wartet er aber zunächst auf die Zusage der Meisterschule in Ahrweiler.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung