23.08.2012

"Die Findungsphase dauert an"

Von Silvia Rothenburger

Schriesheim-Altenbach. Die Neugier und Spannung war vor zwei Jahren groß. Wer wird auf Reinhard Losch, der 25 Jahre lang die Geschicke der Evangelischen Kirchengemeinde Altenbach bestimmte, folgen? Im Oktober 2010 war es amtlich: Klaus Nagel wurde Gemeindediakon. Heute nach bald zwei Jahren sieht Nagel manches entspannter als bei seiner Ankunft. Mit seiner Antrittspredigt fiel er gleich zu Anfang wortstark mit der Tür ins Haus. Auch wenn in der Perikopenordnung die Verlesung bestimmter Bibeltexte vorgesehen war, glich Nagels Predigt doch eher einem Paukenschlag als einer "Einführung und Vorstellung des Neuen". Danach begann die etwas leisere Findungsphase für den Gemeindediakon.

"Die Findungsphase dauert an", erklärt Nagel im RNZ-Gespräch - und bezieht dies vor allem auf den Aufgabenbereich. "Ich bin in eine Situation eingetreten, in der es klar war, es muss anders werden, denn der Diakon aus Altenbach wird in Altenbach und Schriesheim tätig sein." Eine Lösung fanden alle Beteiligten im Reihengottesdienst an einem Sonntag mit einem Seelsorger. Den Vorteil sieht Nagel darin, dass nun nicht einer, sondern drei Seelsorger auf der Kanzel zu hören sind.

Die neue Regelung sieht vor: Alle Sondergottesdienste macht Nagel allein in Altenbach, die zweite Predigt muss aber in Schriesheim sein. Lothar Mößner (Schriesheim Ost) ist Pfarrer auch in Altenbach und teilt sich hier den Reihengottesdienst mit Pfarrerin Suse Best (West). Für den neuen Gemeindediakon wie die Gemeinde war das gewöhnungsbedürftig, inzwischen ist es normaler Sonntag. In Altenbach deckt Klaus Nagel alle Kasualien ab.

Zur Erinnerung: Den gebürtigen Bremer verschlug es aus der Hansestadt erst einmal ins unbekannte Schwabenland auf die "Evangelische Missionsschule der Bahnauer Bruderschaft" bei Backnang und nach vier Jahren theologischer Ausbildung auf seine erste Arbeitsstelle in Württemberg . Von dort wechselte er nach fünf Jahren per Berufung in den CVJM-Landesverband Baden als Regionalsekretär für Südbaden und ab Oktober 1997 als Gemeindediakon ins Kinzigtal nach Schiltach. "Für mich war es klar, dass nach 13 Jahren Dienst vornehmlich in der Kinder- und Jugendarbeit jetzt mit 54 Jahren die Zeit gekommen ist, verstärkt in anderen Arbeitsgebieten zu wirken."

Diese fand er dann in Altenbach und beobachtete erst einmal die Strukturen in seiner neuen Gemeinde, die von seinem Vorgänger geprägt waren "und sich von denen in Schiltach doch sehr unterschieden". Schon bald sei ihm klar geworden, dass sich hier auch im Inneren strukturell einiges ändern müsse, erinnert er sich. Die neue Herausforderung als Gemeindediakon, die er sich gewünscht hatte, ließ auch nicht lange auf sich warten, denn die Altenbacher verordneten zuerst einmal sich und "dem Bremer" eine Eingewöhnungszeit... "Über die Kasualien und die Konfirmanden sind die Kontakte zu den Menschen dann aber doch stetig gewachsen", resümiert Nagel heute zufrieden. Für ihn ist es ein großes Anliegen, das Evangelium zu verkünden. Das gelang ihm schwerpunktmäßig erst einmal im Konfirmandenunterricht, den er im ersten Jahr schon übernahm. Das Echo aus Schriesheim kam postwendend: Wenn der neue Diakon schon mal da ist, dann wollen wir auch Entlastung."

Die Konsequenz: Die Altenbacher Konfirmanden müssen nach Schriesheim. Die Altenbacher Eltern hätten das ganz gut aufgenommen, staunte Nagel. Auch der neue Jahrgang 2012/2013 wird mit neun Jugendlichen in Blöcken in Ost und West auf die Konfirmation vorbereitet.

"Manche Altenbacher fragen sich da, warum predigt der nicht, der ist ja nie da", weiß Nagel. "Ich mache hier nicht nur, aber eben auch Jugendarbeit und trotzdem brennt mein Herz an dieser Stelle. Wir entlassen die Jugendlichen nach der Konfirmation und haben keinen Ort, wo sie sich treffen und sich einbringen können", bedauert er. Andererseits gibt es aus Sicht von Nagel auch Erfreuliches. "Doch jetzt endlich hat Altenbach wieder eine Jungschar, wo sich die Jugendlichen auch etwas für sich holen können - Geben und Nehmen eben." Die Kinderbibeltage werden weiter mit Erfolg fortgesetzt.

Der Gemeindediakon ist also inzwischen "in Altenbach angekommen" und hat sein Feld zum Bestellen gefunden. Nun treibt ihn das große Vorhaben um: der Umbau der Kirche. "Wir haben danach eine wunderbare Visitenkarte nach außen, aber wenn wir in die Kirche hineingehen, ist nichts da mit Ausnahme der wunderschönen Decke."

Die Prinzipalstützen wie Altar, Lesepult und Taufbecken sind für ihn Diskussionsstoff genug, um Impulse zu setzen. Sein Ziel: "Wir wollen eine Kirche, in der man sich nach dem Umbau auch drinnen gern aufhält, angefangen bei der persönlichen Andacht." Dabei denkt er auch an die Kirchenfenster links und rechts, die zurzeit durchsichtig sind. "Auf die Frage, wie dies auch noch finanziell zu bewerkstelligen ist, muss eine Antwort gefunden werden, das weiß ich und treibt mich um."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung