11.09.2012

Von Kindern, die nicht kamen

Von Stephanie Kuntermann
Schriesheim. Die Sommerferien sind vorbei und damit die Angebote des diesjährigen Ferienprogramms der Stadt. Zeit für eine Bilanz.
Genau 28 Angebote waren auf der Liste, die die Stadt im Juli im Amtsblatt veröffentlichte, ein-, halb- und mehrtägig, von Vereinen, der Verwaltung oder privaten Organisationen veranstaltet. Theoretisch könnte man mit diesen 28 Angeboten die insgesamt 32 Werktage - so lang sind die Sommerferien - gut abdecken. Theoretisch. Mehrmals gab es allerdings Termin-Kollisionen, die Überschneidungen durch Termine nicht mitgerechnet, die mehrere Tage dauerten. Am 27. Juli waren es drei Termine, die zum Teil zur selben Uhrzeit stattfanden. In der Woche vom 6. bis 10. August gab es dagegen nur einen einzigen "Gratis-Termin", das Boulen mit dem Partnerschaftsverein. Zwei Veranstaltungen fanden an Samstagen statt, wobei das Ferienquiz der Stadtbibliothek kein "Termin" im engeren Sinne war und die "Lagerfeuerküche" von Umweltberaterin Hannah Eberhardt gar nicht stattfand. Die enttäuschten Besucher wurden durch einen am Eingang aufgehängten Zettel darüber aufgeklärt, dass das gemeinsame Kochen überm offenen Feuer auf einen anderen Termin verlegt werden soll.
Insgesamt sieben der verbleibenden 27 Termine kosteten Geld, angefangen vom kleinen Unkostenbeitrag von vier Euro bis zu 120 Euro für den fünftägigen "Naturkunst-Ferienkurs" mit Kunsthistorikerin Priska Scherer. Manche Anbieter organisierten gleich mehrere Ferienspiel-Tage. Sechs Angebote kamen von Katja Merck und ihrem "Mortimer English Club": Hier gab es sowohl kostenlose Veranstaltungen als auch kostenpflichtige Englisch-Intensivkurse.
Der weitaus größte Teil der Veranstaltungen kostete nichts. Da gab es Klassiker wie das heimatkundliche Suchspiel des Gesangvereins Liederkranz, das schon viele Jahre vom Team um Klaus Urban organisiert wird, die Wanderung zur Schriesheimer Hütte mit den Naturfreunden, deren Motto dieses Jahr "Olympiade der Tiere" hieß, oder die Einladung auf den Minigolfplatz von der Siedlergemeinschaft. Für die Organisatoren bedeutete das viel Aufwand: Teilnehmerlisten mussten geführt und Vereinsmitglieder als Betreuer gefunden werden. Vom Angebot an Essen und Trinken ganz zu schweigen: kalte Getränke, heiße Würste und Sitzgelegenheiten waren schon fast "Standardprogramm", für die Obstteller der Grünen Liste wurde jede Menge Frisches geschnippelt, für das Waldpicknick bei den Freien Wählern oder der Branich-Interessengemeinschaft wurden Biergarnituren und Gulaschkanonen in den Wald geschleppt.
Umso unverständlicher war das Verhalten mancher Väter und Mütter: Fast überall klagten Vereine über Eltern, die zwar ihre Kinder zu Ferienspieltagen anmeldeten, dann aber einfach nicht erschienen. Bei den Vereinen sorgte diese Unzuverlässigkeit für Frustration, auch wegen der Kosten, die mit manchen Angeboten verbunden waren. "Wären die Leute im Urlaub, müssten sie für solche Ausflüge teuer bezahlen. Hier bekommen sie sie umsonst und wissen es nicht mal zu schätzen", sagte ein Vereinsvorsitzender. Teuer kann etwa eine Kutschfahrt werden, wie sie der Reit- und Fahrverein anbot, ebenso wie ein Ausflug in den Luisenpark, den der Odenwaldklub veranstaltete. Fraglich ist auch, ob jedem Animateur im Urlaub ein so spannendes Detektivspiel gelungen wäre wie dem "Spürhund", den die Stadtbibliothek einlud. Bei Waldspaziergängen gab es eine Menge zu sehen, bei der Orgelführung in der evangelischen Kirche oder der Bestimmung von Bachwasser auf dem Mühlenhof eine Menge zu lernen. Blieben noch die Veranstaltungen in der letzten Ferienwoche: eine Fahrt zur Sommerrodelbahn mit der SPD und, ein Angebot für die Älteren, das Bogenschießen mit den Altenbacher Schützen. Den Abschluss machte traditionell die Stadt mit ihrem großen Kinderfest im Sportzentrum (siehe weiteren Bericht).

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung