11.09.2012

Es könnten Reste der alten Stadtmauer sein

Von Nicoline Pilz
Schriesheim. Mit "ziemlicher Sicherheit", erklärte Stadtarchivar Dr. Dirk Hecht, handele es sich bei dem Mauerstück, das kürzlich während der Umbau- und Sanierungsarbeiten am katholischen Pfarrzentrum entdeckt worden war, um Überreste der mittelalterlichen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert.
Das ist umso bemerkenswerter, weil der Heidelberger Kurfürst im Jahr 1470 Schriesheims Stadtmauer schleifen ließ. Vermutlich seien in Hinterhöfen oder Gärten noch hie und da Überbleibsel zu finden, meinte Hecht. "Doch da kann ich ja nicht reinschauen." Als ehrenamtlich Beauftragter des Landesdenkmalamtes erhielt er freie Hand zur Freilegung und Dokumentation des Mauerwerks. Alwin Mohr und Peter Bickel standen als erfahrene Helfer zur Seite: In 1,80 Meter Tiefe stießen sie auf die Sohle der Fundamente.
Eine Ausgrabung in Schriesheims altem Ortskern habe es in dieser Form zum ersten Mal gegeben, meinte Hecht. Was man wisse, stamme aus Akten, Überlieferungen und Mutmaßungen. Auch seine Interpretation sei noch "mit Vorsicht" zu behandeln, so Hecht weiter. Doch von den Dimensionen und Gegebenheiten her passe das alles gut zusammen. Zumal wenige Meter weiter Richtung Strahlenburg der einstige Stadtgraben auf rund 2,50 Meter tieferem Niveau lag.
Dass der Mauerrest überhaupt mit wachen Augen als historisch bedeutsam zugeordnet wurde, ist dem Planer der Pfarrhaus-Sanierung, Werner Kranz, zu verdanken. Er informierte vor wenigen Wochen den Stadtarchivar, der sich in der vergangenen Woche nach Rückkehr aus dem Urlaub an die Arbeit machte. Einige mittelalterliche und neuzeitliche Scherben habe man auch gefunden, sagte Hecht. Doch diese Scherben datieren noch nicht die Mauer, weshalb Vergleichsmaterial fehlt.
90 Zentimeter breit sei das Fundament, die Wand selbst aber nur 60 Zentimeter stark. Das scheint nicht viel für eine trutzige Stadtmauer, könnte aber damit zu erklären sein, dass Conrad I. von Strahlenberg ab 1235 innerhalb von zehn Jahren nicht nur die Strahlenburg, sondern auch Stadtbefestigung, Stadtkirche und Stadtsitz erbauen ließ, und möglicherweise in der Eile auf stabileres Mauerwerk verzichtete.
Wie geht es nun weiter mit Schriesheims Mauerstück, das circa sieben Meter lang vom Gemeindehaus zum angrenzenden Garten ragt? Das Ganze werde wieder zugeschüttet, doch im Pflaster markiert, sagte Werner Kranz. Kosten oder Verzögerungen entstanden durch das Auftauchen der alten Stadtmauer nicht. Im Spätjahr soll das Außengelände des Gemeindehauses fertig und im kommenden März die Innensanierung abgeschlossen sein.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung