13.09.2012

Es sollte Ruhe einkehren

Schriesheim. "Die Eltern haben einfach keine Lust, wegen des ganzen blöden Gebabbels ihre Kinder hier in die Schule zu schicken", sagt Beate Hirth-Pferdekämper. Ganz und gar nicht feierlich klingt das zum Schuljahresbeginn. Die Leiterin der Kurpfalz-Grund- und Werkrealschule ist frustriert wegen der Diskussionen in der letzten Zeit, die in ihren Augen dem Ansehen der Werkrealschule geschadet haben. Sie heißt gerade einmal acht Kinder bei der gestrigen Fünftklässler-Einschulung willkommen.
Bei der Begrüßung ist einiges anders als sonst: nicht in der Aula, sondern in ihrem künftigen Klassenzimmer werden die Neuen von den Schülern der Sechsten mit Schultüten, selbst gemalten Herzchen und guten Wünschen willkommen geheißen.
"Zusammenhalt, Glück und Erfolg" wünscht ein Junge und gibt einem seiner neuen Schulkameraden ein rotes Herzchen. Er ist der Pate des Neulings, ebenso wie sieben seiner Mitschüler für dessen Klassenkameraden, die sich darum kümmern sollen, dass die Kleinsten sich besser in der neuen Schule zurechtfinden. Nicht nur das: die fünfte und sechste Klasse werden in den meisten Fächern zusammen unterrichtet. Die "Kombiklasse" wird deshalb nötig, weil beide Klassen zusammen noch nicht den Klassenteiler von 28 erreichen. "Nur in den Fächern Mathematik und Englisch haben sie getrennt Unterricht", erklärt Hirth-Pferdekämper. Auch eine eigene Klassenlehrerin haben die Acht, bis zu den Weihnachtsferien ist das Erika Schwellinger-Reinhard.
Den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung, der in diesem Schuljahr erstmals in Kraft tritt, will sie nicht für die Schülerzahlen verantwortlich machen: "Die Eltern wissen sehr wohl, wo ihre Kinder hin passen." Durch die Diskussionen um eine künftige Gemeinschaftsschule und die Unkenrufe vom Ende der Werkrealschulen sieht sie allerdings eine Verunsicherung bei den Eltern. "Sie schicken ihre Kinder lieber nach Hirschberg", ist ihre Erfahrung. Keiner ihrer neuen Schützlinge kommt zudem aus Altenbach oder von der Strahlenberger Grundschule. "Es sollte mal Ruhe einkehren, und die Leute sollten nicht noch mehr verunsichert werden", wünscht sie sich.
Die jetzigen Fünftklässler sind übrigens keineswegs der kleinste Jahrgang der Schule. Vor einigen Jahren waren es gerade einmal fünf Kinder. Mittlerweile sind sie in der achten Klasse und bereits zwölf Schüler stark. Die aktuelle neunte Klasse besuchen sogar 26 Jugendliche.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung