20.09.2012

Lieber einen Brunnen als einen offenen Bachlauf?

Schriesheim-Altenbach. (sk) In groben Zügen war der Vorentwurf für das Projekt "Ortsmittelpunkt, zweiter Bauabschnitt" seit Sommer bekannt: ein einheitliches Pflaster, breite Treppen zur evangelischen Kirche, acht Parkplätze, etwas Grün zu beiden Seiten der Straße und ein kleiner Bachlauf dort, wo heute das Buswartehäuschen steht soll er enthalten. Als Stadtbaumeisterin Astrid Fath vor dem Ortschaftsrat die Pläne präsentierte, kam das "dicke Ende" am Schluss: die Maßnahme soll 1,05 Millionen Euro kosten, "eher 1,1 Millionen".

In das betretene Schweigen gab Fath weitere Zahlen: Etwa 2800 Quadratmeter Pflaster sollen verlegt werden, zusätzlich 1700 Quadratmeter Asphalt für die Straßendecke. Da die Straße in die Maßnahme einbezogen wird, ist die Stadt für ihre Wiederherstellung zuständig.

Enthalten wäre der angedeutete Bachlauf, der auf dem Platz verlaufen soll. Er würde etwa 75 000 Euro kosten, "und das auch nur, weil wir ohne Pumpen auskommen", so Fath. Das natürliche Gefälle des Geländes nutzend, könnte das Bächlein aus dem in der Nähe verlaufenden Bach gespeist werden. Es solle "zwischen 20 und 30 Zentimetern breit" werden, erklärte Fath auf Nachfrage der RNZ, die Länge schätzte sie auf etwa 50 Meter. Die Gefahr, in das Rinnsal zu stürzen, halte sie für gering. Nicht alle Räte konnten sich mit dem Bächlein anfreunden, weshalb Fath auf Antrag einen Vorschlag für einen Dorfbrunnen mitbrachte.

Ausgeführt in rotem Sandstein ähnlich dem Mäuerchen um den Schulhof, ähnelte das sechseckige, traditionelle Modell dem Brunnen vor dem Historischen Rathaus in der Kernstadt. Allerdings sorgte auch hier die Nennung des Preises für Unbehagen. Bis zu 150 000 Euro müsse man dafür veranschlagen, teuer komme die aufwändige Herstellung und die Pumpe, so Fath. "Sie haben uns da den Mercedes präsentiert", kritisierte CDU-Ortschaftsrat Karl Reidinger und plädierte für ein kostengünstigeres Modell. Schützenhilfe bekam er von Christian Wolf (GL), der sich einen Brunnen als Treffpunkt an diesem Platz wünschen würde. Reidingers Fraktionskollege Ralph Schwarz argumentierte mit der Wirkung: "Einen Bachlauf sieht man nicht, wenn man vorbei fährt." Dr. Herbert Kraus (AL) führte die Tradition ins Feld: "In den fünfziger Jahren gab es auch mal einen Brunnen in Altenbach, etwa vor dem heutigen Kiosk." Das wusste auch Ortsvorsteher Alfred Burkhardt, der mit Augenzwinkern noch ein wenig "Ortsgeschichte" beisteuerte: "Der Reidingers Karl hat da drin mal gebadet." Während Dieter Lucke (SPD) den neuen Standort der Fußgängerampel lobte, weil sie den Schulweg sicherer mache, stieß bei der CDU die Idee, die Bushaltestelle auf die Straße zu verlegen, auf Widerstand. Reidinger befürchtete Rückstaus. Weswegen die CDU der Vorplanung ihre Zustimmung verweigerte. Mit den übrigen Stimmen wurde beschlossen, das Planwerk in der Sitzung am 26. September dem Gemeinderat vorzustellen und weitere ELR-Förderung zu beantragen. Bis Oktober soll der Antrag eingereicht werden, um weiter in den Genuss des Landesprogramms "Entwicklung des ländlichen Raums" (ELR) zu kommen. Wie hoch die Zuschuss-Summe sein könnte, wusste Fath auf RNZ-Nachfrage noch nicht zu sagen.

Für Bürgermeister Hansjörg Höfer stand jedoch fest: "Wenn wir die Planung umsetzen, wird das ein Meilenstein in der Entwicklung von Altenbach sein." Wegen der hohen Kosten sprach er sich dafür aus, zunächst mit dem Kirchen-Vorplatz zu beginnen, einer Teil-Maßnahme für 500 000 Euro: "Schon allein das ist eine große finanzielle Belastung."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung