01.10.2012

Bei den Kosten wohl nicht zurückhaltend

Schriesheim. (nip) Einige Bachforellen und andere Fischarten, die bislang ungestört im Rückhaltebecken der Stadt Schriesheim lebten, haben vorübergehend eine Bleibe in einem Weiher in der Pfalz gefunden: Im Vorfeld zur anstehenden "vertieften Sicherheitsüberprüfung" fischte der Anglerverein das Becken leer. Das ist einige Wochen her; seitdem sind dort die Bagger des Schriesheimer Tiefbauunternehmens von Thomas Rath aktiv und fahren Ladung um Ladung an Schlamm auf den kleinen Parkplatz am Waldrand.

Dort wird er gelagert, getrocknet, auf Schadstoffe untersucht und dann entsorgt. Die Kosten fürs Ausbaggern bis zur Entsorgung beziffert Stadtbaumeisterin Astrid Fath gestern Nachmittag vor Ort auf 60.000 bis 80.000 Euro. Das Hauptbecken, erklärt sie weiter, sei zuletzt vor rund 13 Jahren richtig vom Schlamm gereinigt worden. "Wir hatten das bereits fürs letzte Jahr geplant, haben die Maßnahme aber geschoben, weil wir wussten, dass die Sicherheitsüberprüfung anstand."

Daher habe man beides kombiniert. Das heißt, während die Laster Schlamm abtransportierten, liefen parallel Untersuchungen am Damm, am Betoneinlauf, an der Statik, an Rohrleitungen und Drainagen. Bis auf das Gutachten zu den Betonteilen liegen alle Ergebnisse vor. Mitte Oktober findet dazu ein abschließendes Gespräch mit dem beauftragten Ingenieurbüro Willaredt aus Sinsheim statt. "Man kann heute aber bereits sagen, dass wir Investitionen in den Bereich Sicherungstechnik tätigen müssen", teilt die Stadtbaumeisterin mit. Dabei handelt es sich um die Klappenöffnung zur Entlastung des Beckens. Wie teuer diese Investitionen werden, könne man jetzt noch nicht sagen.

Nach Auswertung aller Gutachten werde man das Ganze bis Jahresende dem Gemeinderat vorstellen, meint Bürgermeister Hansjörg Höfer. Das sei allein schon mit Blick auf den Haushalt 2013 wichtig. Gewässer- und Hochwasserschutz verursache einige Kosten und beanspruche jede Menge Zeit, fügt Fath an.

Das Hauptbecken des Bauwerks müsse bislang nach Bedarf ausgebaggert werden, die Vorbecken seien jedoch jährlich dran. Mit einer Fläche von 4000 Quadratmetern ab einer Wasserstandshöhe von 2,70 Metern wirkt das Konstrukt beachtlich groß. Bei Höchststand beträgt die Wassertiefe zehn Meter. Zurzeit laufen Regen- und Kanzelbachwasser durch eine Trockenrinne in den Vorsee, den sogenannten "Kolksee".

In zwei Wochen sollen die Mitarbeiter von Thomas Rath die Baggerarbeiten am Regenrückhaltebecken abgeschlossen haben; dann wird die Trockenrinne wieder dichtgemacht und das Becken füllt sich automatisch und stetig wieder an.

Im Januar 2011 kam das Bauwerk an seine Kapazitätsgrenzen: In Ladenburg herrschte am Rosenhof bereits "Land unter", und in Schriesheim hätte man gerne noch den Schieber am Ablauf geöffnet. Aber: "Der Kollege Rainer Ziegler rief mich an und sagte: 'Lasst bloß zu!'", erinnert sich Höfer.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung