23.10.2012

Die Wärme kommt ganz nah

Schriesheim. (cab) Die Stadt will im Quartier um das Schulzentrum ihre Wärmeversorgung umweltschonender gestalten. Immer noch sind 60 Prozent der Heizungen in den Schulen Nachtspeicheröfen, echte Energiefresser: "Sie verbrauchen im Jahr 1,3 Millionen Kilowattstunden Strom, so viel wie alle öffentlichen Einrichtungen Ladenburgs zusammen", rechnete Bürgermeister Hansjörg Höfer gestern vor. Auch in den Kindergärten "Wolkenschloss", "Kinderschachtel" und Mannheimer Straße wird mit Strom geheizt. So soll es nicht bleiben. Nicht nur wegen der Kosten, sondern auch aufgrund gesetzlicher Vorgaben. Bis 2019 müssen Nachtspeicheröfen vom Netz. Also hat die Stadt akuten Handlungsbedarf. Die Lösung soll ein Nahwärmekonzept für alle sein.

Doch mit welchen Energieträgern? Wie wirtschaftlich könnte so ein Konzept sein? Wer realisiert es? Und woher soll die Energie kommen? Offene Fragen, die eine Untersuchung beantworten soll, die der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) bereits im Juli für 27 500 Euro in Auftrag gegeben hat. 65 Prozent davon trägt die KfW über ihr Förderprogramm "Energetische Städtebausanierung". Ende kommenden Jahres soll die Studie fertig sein. Bis dahin möchte die Stadt auch klären, wie viele Bürger sich beteiligen würden, denn: "Wir wollen hier keinen Alleingang der Kommune, sondern ein integratives Konzept", sagte Stadtbaumeisterin Astrid Fath. Will heißen: Wenn die Stadt rund um die Schule schon eine neue Wärmeversorgung plant, dann sollen auch die Bürger in diesem Bereich davon profitieren - wenn sie wollen und die Heizungssanierung ansteht.

Es geht hierbei grob um das Gebiet, das von der Ladenburger, der Conrad-, der Max-Planck-Straße und der Straße Am Sportzentrum mit der Mehrzweckhalle, dem "KSV Fitness Treff", dem DRK-Heim und den KSV-Hallen eingefasst wird. Im Quartier sind 71 Ein- und Zweifamilienhäuser sowie 19 Mehrfamilienhäuser. Auch Höfer wohnt innerhalb dieser Grenzen und heizt hier seit 20 Jahren mit Gas, wie er verriet.

"Je mehr Bürger sich beteiligen, desto besser ist es", meinte der Verwaltungschef. Zumal sich eine Verlegung der nötigen Infrastruktur erst dann lohnt, wenn möglichst viele mitmachen. Auf Nachfrage ging es ihm dabei aber auch um Energie- und CO2-Einsparungen. Im Moment würden im Quartier pro Jahr insgesamt 4,9 Millionen kWh Strom verbraucht und 2,05 Millionen Tonnen CO2 produziert. Ein Nachtspeicherofen alleine sorgt für 3,7-mal mehr Kohlendioxidausstoß als Gaswärme.

Jetzt geht es der Stadt zunächst darum, die Bürger im Quartier am Schulzentrum von der Nahwärmeidee zu überzeugen. Im Januar soll es eine Info-Veranstaltung zur Sache geben, später eine Fragebogenaktion. Dann möchte die Verwaltung auch wissen, ob in den Privathäusern überhaupt Heizungssanierungen anstehen und welche Energien die Bürger momentan zum Heizen nutzen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung