24.10.2012

Steinachstraße vor dem Aus?

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Der private Kindergarten Steinachstraße steht offenbar vor dem Aus. Nachdem am Montag der Vorstand des Trägervereins "Verein zur Förderung der Vorschulerziehung" seine Ämter niederlegte, herrscht in der Verwaltung derzeit Unsicherheit über den Fortbestand der Einrichtung. "Der Verein wird kommissarisch weitergeführt, es wurde ein Rechtsanwalt beauftragt", informierte Hauptamtsleiter Edwin Schmitt gestern auf Nachfrage der RNZ. Beim ehemaligen Vorstand hält man sich derweil bedeckt. "Ich bin nicht mehr zuständig, und ich gebe auch keine Informationen", ließ die zurückgetretene Erste Vorsitzende Brigitte Illing verlauten.

Eine Entwicklung, die überrascht. War doch im Sommer an ein Ende der Einrichtung noch nicht zu denken. Im Juni wurde Gabriele Groß-Thoma Nachfolgerin der langjährigen Leiterin Maria Croissier, die in Rente ging. Während der Sommerferien wurde in den Räumen in der Steinachstraße renoviert. Der große Gruppenraum erhielt einen neuen Bodenbelag, die Küche eine Schwingtür, ein Personalraum wurde abgeteilt. Zum neuen Kindergartenjahr wurde schließlich sogar eine Köchin eingestellt.

In der Folgezeit wurde der neuen Leiterin indes gekündigt und per Stellenausschreibungen eine Nachfolgerin gesucht. Während dieser Zeit habe es zwar Anfragen von Eltern gegeben, die ihre Kinder in der Einrichtung anmelden wollten. "Es wurden aber keine Kinder mehr aufgenommen", informiert eine Beteiligte, die nicht namentlich genannt werden will und erklärt, dass der Kindergarten seit der Kündigung von Groß-Thoma ohne Leitung da stehe. Weshalb einige Eltern "mit den Füßen abstimmten" und ihre Kinder abmeldeten. Nach Informationen Schmitts werden derzeit noch neun Kinder betreut, zwei von ihnen sind jünger als drei Jahre. Dass die Stadt in die Bresche springen und die Einrichtung übernehmen könnte, hält er für wenig praktikabel: "Eine eingruppige Einrichtung sollte wenn möglich nicht weiter betrieben werden", sagt Schmitt, der mit dem personellen Aufwand, Mehrkosten bei Fortbildungen und pädagogischen Problemen argumentiert. Was die dort beschäftigten Erzieherinnen betrifft, könne ihnen die Stadt Angebote auf Weiterbeschäftigung machen. Allerdings hätten zwei der drei Erzieherinnen bereits eine Alternative. "Ich würde sie aber lieber heute als morgen nehmen, wir haben momentan vier Stellen zu besetzen."

Eine Fortführung des Kindergartens als Kinderkrippe kommt für den Hauptamtsleiter nicht in Frage: "Wir haben da keinen Bedarf mehr." Seien doch schon die Krippen von AWO, Postillion und Christina Stockhausen in die Bedarfsplanung aufgenommen. "Und die Räume sind für Kinder von null bis drei Jahren nicht geeignet, denn sie erfüllen nicht die Auflagen", ergänzt Schmitt. Die Stadt habe aber bereits mit den Eltern der Steinachstraßen-Kinder gesprochen. Sie können ihre Kinder im neuen Kindergarten "Wolkenschloss" in der Conradstraße anmelden.

Ob und wie es für den Kindergarten Steinachstraße trotzdem weitergehen kann, ist derzeit noch unklar. "Wir warten ab, schließlich können wir ehrenamtlichen Vorständen da keine Vorschriften machen", sagt Schmitt. Weshalb das Thema heute auch nicht auf der Tagesordnung der nicht-öffentlichen Gemeinderatssitzung steht. "Wir haben es schon in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses beraten. Wenn aber jemand Fragen hat, werden sie natürlich beantwortet."

Persönlich bedauert der Hauptamtsleiter den Vorgang: "Es wäre traurig, wenn es mit einer Einrichtung zu Ende gehen würde, die eine so lange Tradition hat und mit einem Verein, der so gute Arbeit geleistet hat."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung