24.10.2012

Befürworter und Gegner unversöhnlich

Schriesheim. (sk) Kaum ein kommunalpolitisches Thema wird in Schriesheim heißer diskutiert als der Straßenverkehr. Entsprechend laut und emotional ging es bei den Freien Wählern (FW) zu, die zur "offenen Fraktionssitzung" eingeladen hatten. Die Resonanz war beeindruckend, der Nebenraum des Gasthauses Frank fast bis zum letzten Platz gefüllt.

Erörtert werden sollte das Für und Wider einer Verkehrsregelung, die lange als "erledigt" galt: die Sperrung der St.-Wolfgang-Straße. "Wiederbelebt" wurde die Diskussion im Sommer, als FW-Stadtrat und Autohändler Dieter Knopf die langen Rotphasen an der Ampel im Gewerbegebiet kritisierte. "Ich wurde gefragt, ob man mich nur noch mit dem Hubschrauber erreichen könne", klagte Knopf. Auch wenn die Wartezeiten an der Ampel mittlerweile verkürzt wurden, forderte er doch eine zweite Zufahrt ins Gewerbegebiet. Entweder in Form einer Unterführung unter der B 3 - oder durch ein Entfernen der Pfosten in der St.-Wolfgang-Straße.

Es war der Auftakt zu einer emotionalen Diskussion, bei der sich Gegner und Befürworter der Sperrung unversöhnlich gegenüber standen. Fraktionssprecher Heinz Kimmel hatte Mühe, die Wogen zu glätten. Zu den Befürwortern zählten Nadja Lamprecht, Karl Röhrig sowie der ehemalige FW-Fraktionssprecher und Alt-Stadtrat Friedrich Ewald. "Es kann nicht sein, dass ein Gewerbegebiet über ein Wohngebiet angefahren wird", argumentierte etwa Heidi Schwöbel. "Damit müssen wir leider leben", bemerkte Ewald. In Zukunft werde es noch mehr Verkehr geben, etwa durch ein neues Baugebiet westlich der B 3 oder durch den Umbau eines Supermarkts in ein Fitnessstudio. Der Weg dorthin solle nicht über die bewohnten Straßen, sondern über die B 3 erfolgen, was mit einer Erschwerung des Durchgangsverkehrs erreicht werden könne. "Etwa eine Sperrung der Heidelberger Straße zwischen Kirchstraße und Entengasse."

Ewalds Forderung, auf keinen Fall die St.-Wolfgang-Straße und den Dossenheimer Weg "gegeneinander auszuspielen", pflichtete Elisabeth Breitenreicher bei. Die Anwohnerin des Dossenheimer Weges ärgerte sich über eine "Rennstrecke" vor ihrer Tür und hohe Verkehrsbelastung. Diesen Problemen könne man durch ein Einbahnstraßensystem begegnen. Eine Idee, der auch Rainer Müller etwas abgewinnen konnte. Das würde den Verkehr höchstens schneller machen, hielt Norbert Morast dagegen. Grundsätzlich wurde dagegen Karl Balmert: Poller hätten nichts auf der Straße zu suchen, ebenso wie andere Verkehrshindernisse: "Blumentöpfe gehören auf den Balkon, Bäume in den Wald." Andreas Runge bemerkte: "Wenn man den Verkehr aus einer Straße heraus nimmt, wird eine andere mehr belastet." Wie die Robert-Bosch-Straße, in der Rita Brodbeck wohnt, die Lärm, Dreck und erhöhte Unfallgefahr beklagte. Hans-Henning Holzhauer aus der Schönauer Straße machte bei der "Wolfgangstraßen-Sperrung" vor allem einen Nutznießer aus: "Das ist der Betrieb von Georg Grüber. Er parkt seine Fahrzeuge auf der Straße, wo sie auch be- und entladen werden." Bereits 2008 habe er an alle Fraktionen und Bürgermeister Hansjörg Höfer geschrieben und nur von der CDU eine Antwort erhalten: "Hier wird Politik nach Gutsherrenart gemacht."

Dass der Abend eigentlich der Vorbereitung der nächsten Gemeinderatssitzung gewidmet war, konnte man bei dieser Diskussion schon fast vergessen. Jetzt, so kündigte Kimmel an, müsse die Fraktion überlegen, ob sie zum Thema einen Antrag im Gemeinderat stellt. "Und wenn ja, welchen." Etwas ratlos wirkte zum Schluss auch sein Ratskollege, Ortsvorsitzender Matthias Meffert, der dem Ganzen noch etwas Positives abgewinnen konnte: "Wir werden heute auf keinen grünen Zweig kommen. Aber wir haben etwas angestoßen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung