10.12.2012

Amnesty International geht die Arbeit nicht aus

Von Nicoline Pilz

Ladenburg/Schriesheim. Als der burmesische Physik-Student bessere Bedingungen für seine Universität forderte, kam er ins Gefängnis. Das Urteil: 25 Jahre Haft, schließlich waren es 47. Das Gefängnis lag irgendwo tief in der Pampa, sodass die Familie den jungen Mann nicht besuchen konnte.

Das war 1999, inzwischen ist er frei. "Amnesty International hat sich immer wieder für ihn eingesetzt", berichtet Bärbel Luppe, die Sprecherin der "ai"-Gruppe Ladenburg-Schriesheim. Der in den 80er Jahren vom damaligen Gymnasiallehrer Reinhard Christmann gegründeten Initiative geht die Arbeit nicht aus. "Die Zahl der Unrechtsstaaten ist nicht kleiner geworden", berichtet Luppes Stellvertreterin Lilo Frenkel aus Schriesheim im RNZ-Gespräch.

Und die Zahl der Menschenrechtsverletzungen lasse nicht nach. "Auch nicht in straffen Demokratien", ergänzt Wolfgang Luppe, ebenfalls bei Amnesty International engagiert. Und er nennt hier als Beispiel die USA, wo Rassenungleichheit, Todesstrafe und das Gefangenenlager Guantanamo die Menschenrechtsorganisation beschäftigen.

Viele Fälle gibt es in China, in Russland und immer wieder in Afrika. Mit Verfehlungen in Deutschland gegen den Paragrafen eins unseres Grundgesetzes - "Die Würde des Menschen ist unantastbar" - befassen sich andere "Amnesty"- Gruppierungen aus Holland oder Frankreich. Die Ladenburger und Schriesheimer schlossen sich Ende der 1990er-Jahre zusammen. Ungefähr zehn Mitstreiter sind noch an Bord: "Wir sind alle etwas älter und eine kleine, aber sehr aktive Gruppe", schildert Bärbel Luppe.

Bei Straßenfesten in den beiden Städten sind sie mit Infoständen und Flohmarkt vertreten. Sie organisieren Ausstellungen wie jene über Bootsflüchtlinge und Kindersoldaten, veranstalten Konzerte und Kabarettabende. "Wir kooperieren mit anderen, die ähnliche Ziele haben und gehen in Schulen, um über unsere Themen zu berichten", sagt die "ai"-Sprecherin weiter. Aufklärung über Menschenrechte sei ganz wichtig, sagt ihr Mann. Auch darüber, wo und wie sie verletzt werden. An der Bergstraße ist die "ai"-Gruppe Ladenburg-Schriesheim die einzige noch existierende. Wenn sich ihre Sprecherinnen etwas wünschen dürften, wäre das vor allem der Zulauf von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Lilo Frenkel ergänzt: "Es wäre auch schön, wenn wir in den Medien präsent bleiben."

Die Gebühren für die Gema sind etwas, das sie ärgert: "Die schöpfen einen dicken Batzen von unseren Benefizveranstaltungen", moniert Frenkel. Amnesty International finanziere sich rein aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Für die anstehenden Aufgaben sei man aber auch auf die Einnahmen aus den Veranstaltungen angewiesen. Briefe gegen das Vergessen von politischen Häftlingen, mit denen Amnesty International vor 51 Jahren seine Hilferufe startete, werden immer noch geschrieben.

Man brauche einen langen Atem und Geduld, um für Inhaftierte Verbesserungen zu erzielen. Ein freigekommener Syrer habe berichtet, so Lilo Frenkel, dass er ab dem Zeitpunkt, als sein Leben im Gefängnis etwas leichter wurde, wusste, "da draußen ist jemand, der sich um mich kümmert". Das seien die Höhepunkte, die die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns bestätigen würden. > s. Hintergrund

Info: Nächstes "ai"-Treffen am 21. Januar 2013 um 19 Uhr im Büro in der Hauptstraße 4, Ladenburg. Interessierte sind willkommen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung