11.12.2012

Auch die Stadt will Schulsozialarbeiter

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Der Gemeinderat diskutiert am Mittwoch in seiner letzten Sitzung des Jahres (ab 19 Uhr im Rathaus) über die Einstellung eines Schulsozialarbeiters. Dem Gremium werden zwei Anträge zur Sache vorliegen. FDP-Stadtrat Wolfgang Renkenberger fordert, die Stelle des Jugendsozialarbeiters für die Arbeit in den Schulen umzuwandeln. Die Grüne Liste beantragt dagegen eine zusätzliche Stelle für Schulsozialarbeit. Das tat sie schon im Frühjahr, scheiterte in der April-Sitzung jedoch an der Mehrheit von CDU, Freien Wählern und Renkenberger. Jetzt also ein neuer Anlauf. Unterstützung kommt für die Grünen nicht nur von den Akteuren aus der Praxis, sondern auch aus der Verwaltung.

Bürgermeister Hansjörg Höfer betonte am Montag im RNZ-Gespräch: "Wenn wir nicht alles aufgeben wollen, was wir über Jahre aufgebaut haben, dann brauchen wir neben dem Jugendsozialarbeiter eine zweite Person für die Schulsozialarbeit." Höfer unterstrich, dass das Rathaus dieses Thema auch ohne die vorliegenden Anträge auf die Tagesordnung gebracht hätte: "Denn von den Aufgaben her war die Stelle des Jugendsozialarbeiters bisher überfrachtet." In der Verwaltungsvorlage klingt das so: "Die Schulsozialarbeit in einem Schulzentrum mit circa 1700 Schülerinnen und Schülern und die offene Jugendsozialarbeit in einer Stadt mit circa 15 000 Einwohnerinnen und Einwohnern und zwei Stadtteilen kann verantwortlich nicht von einer Person bedient werden."

Ob offene Jugendarbeit oder die Sozialarbeit in den Schulen: Es sei immer von den jeweiligen Stelleninhabern abhängig gewesen, was mehr zur Geltung kommt, ergänzte Höfer. Doch die Stadt will beides, und so heißt es in der Vorlage: "Einen reinen Stellenwechsel von Jugendsozialarbeit hin zur Schulsozialarbeit hält die Verwaltung für nicht möglich." Ein Nein also zu Renkenbergers Idee.

Die Stadt verweist in diesem Zusammenhang auch auf die große personelle Fluktuation: Kathrin Michelmann, Jana Burwitz, Nicola Klamer und Joachim Lautenschläger haben sich in den vergangenen zehn Jahren an der Schriesheimer Jugend- und Schulsozialarbeit die Zähne mehr oder weniger erfolgreich ausgebissen - und letztlich das Handtuch geworfen. Zuletzt auch Lautenschläger. Für Höfer sei diese Kündigung nicht absehbar gewesen, wie er sagte. Doch auch Lautenschläger wies auf die nicht zu stemmende Doppelbelastung hin.

Arbeit mit Schulklassen, Beratung, Konflikt- und Suchtprävention, Coaching im Kinder- und Jugendschutz: Die Aufgabenfelder der Schulsozialarbeit sind nicht nur nach Ansicht der Verwaltung groß. Dazu kommt aufseiten der Jugendsozialarbeit die Begleitung des Jugendgemeinderats, Angebote im Jugendzentrum "Push" und in den Ortsteilen, die Arbeit an "Brennpunkten", und mit "Problemjugendlichen" sowie vorbeugender Jugendschutz. Daher wirbt die Verwaltung im inhaltlichen Schulterschluss mit den Grünen dafür, dem Jugendsozialarbeiter einen Schulsozialarbeiter an die Seite zu stellen - zumal dessen Stelle von Land und Rhein-Neckar-Kreis bezuschusst wird.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung