04.02.2013

Mit dem "Spürhund" zum Raclette gefunden

Mit dem "Spürhund" zum Raclette gefunden Image 1 / 2 Mit Kind und Kegel und dem einen oder anderen Glas Rebsaft bestiegen die Teilnehmer der Schriesheimer Rotweinwanderung die Hänge um die Strahlenburg. Fotos: Dorn
Schriesheim. (sk)"Er schmeckt mir rot, er schmeckt mir weiß, allein, zu zweit, im Freundeskreis. Und wann ich ihn besonders mag? Wie töricht: Wein schmeckt mir jeden Tag." Damit gaben Weinkönigin Melanie und ihre Prinzessinnen Alexandra und Yvonne am Sonntag nach einer Eröffnungsfanfare der Jagdhornbläser den Startschuss zur Rotweinwanderung.

Bürgermeister-Stellvertreter Heinz Kimmel dankte dem Verkehrsverein für die Vorbereitung des Ereignisses. "Heute bleibt es trocken, erst ab 19 Uhr schneit es", versicherte Vorsitzender Karl-Heinz Schulz den Besuchern, die sich beim Historischen Rathaus und am Glühweinstand des Verkehrsvereins drängten - und sich eine Stärkung für die erste Etappe holten. Im Weinberg oberhalb der Edelsteinstraße servierten Sana und Reza Mashti ein cremiges Hühnchen-Curry oder Chili in selbst gebackenen, essbaren Schalen. Kürbis-Ingwer-Suppe und ein 2011er Schwarzriesling aus der Weinstube Müller wärmten von innen für die weitere Strecke.

Die konnte lang werden, verliefen sich doch weniger ortskundige Wanderer, die statt beim Weingut Jäck am Ende eines schlammigen Feldwegs landeten. Lag es an einem Fehler auf der Karte oder an einem falsch gestellten Wegweiser? Die Meinungen gingen auseinander, bis man mit etwas Glück doch noch in den Genuss einer dicken Erbsensuppe oder eines polnischen Eintopfs namens "Bigos" kam. "Die langsame Zubereitung macht das gewisse Etwas", verriet Peter Jäck das Geheimnis des Sauerkraut-Gerichts, während seine Söhne einen trockenen, im Glühweintopf temperierten Cabernet Dorio ausschenkten.

"So eine Veranstaltung steht und fällt mit dem Wetter", kommentierte auch Winzergenossenschafts-Geschäftsführer Harald Weiss den zwar verhangenen, aber bis zum Nachmittag trockenen Himmel. Auch er war optimistisch, hielt doch die WG 300 Portionen Winzereintopf vor. Das nach Rotwein duftende Fleischgericht wurde zur Mittagszeit im Akkord über den Tresen gereicht, dazu gab es einen süffigen Pinot Noir Rosé und einen Spätburgunder vom Rittersberg. Wer danach den Stand der Weinscheuer Majer suchte, brauchte einen guten Orientierungssinn. Nicht so eine Wandergruppe, die von einem eifrig schnuppernden Havaneser angeführt wurde. "Der ist unser Navi", bemerkte Frauchen stolz, und tatsächlich führte der Spürhund zum duftenden, dottergelben Raclette, das Christiane Majer und ihr Team zu einem alkoholfreien Secco oder einem Sekt-Aperol anboten.

Einfacher war das Weingut Wehweck am Dossenheimer Weg zu finden, wo es Schnitzel-, Fleischkäse-, oder Rindswurstbrötchen gab und dazu einen halbtrockenen Dornfelder oder einen prämierten Spätburgunder Weißherbst. Auf gerader Strecke ging's zum Weingut Bielig, wo man die 2012er "Red Cow" probieren konnte, die ihren Namen einer Umbenennung der Lage Kuhberg durch "Cowboy" Georg Bielig verdankt. Er wartete mit mehr als 40 selbst gebackenen Linzertorten sowie Wildschweinbratwurst auf. Zwei Säue hätten dafür ihr Leben gelassen, "mindestens eine aus Schriesheim", so die Bilanz des Jägers.

Schwarzkittel, die in die Weinberge einfielen, sorgten schon länger bei Schriesheims Jägern für Unmut. Wildsäue hatten auch für die 400 Portionen des würzigen Gulaschs ihr Leben lassen müssen, das man an der letzten Station, dem Restaurant "Zur Pfalz" zu einer Rotweincuvée des Weinguts Bielig bekam. Das Fazit von Wirt Jürgen Opfermann war in jedem Fall positiv: "Ohne die Arbeit des Verkehrsvereins hätte man nie so viele Besucher in der Stadt gehabt."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung