13.06.2013

Schriesheimer "Schauinsland" soll einem Neubau weichen

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. "Es fällt mir ein großer Stein vom Herzen, wenn die Ruine dort endlich abgerissen wird", sagte Bürgermeister Hansjörg Höfer am Montag im Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU). Bereits früher habe es Baugesuche zum Umbau oder Abriss des früheren Landgasthofs "Schauinsland" auf dem Branich gegeben, erläuterte Höfer.

In keinem Fall kam es zur Umsetzung, seit Jahren müssen die Nachbarn mit Ungeziefer, lautstarken Partys oder ungebetenen Übernachtungsgästen auf dem Grundstück leben (die RNZ berichtete). Das einstmals schöne Gebäude verfällt. Jetzt soll es ganz verschwinden und an seiner Stelle ein modernes Wohnhaus entstehen. Das zumindest ist die Idee, die dem ATU zur ersten Beratung vorlag. Ein Bauantrag stand noch nicht zur Abstimmung.

Die Abmessungen wären jedenfalls gewaltig: 25 Meter lang und 14,9 Meter tief soll der Neubau sein. Der Bauherr bräuchte gleich fünf Befreiungen vom Bebauungsplan. Überschreitung von Grund- und Geschossfläche, Gebäudelänge und nördlicher Baugrenze um vier Meter sowie zwei Vollgeschosse, wo der Bebauungsplan nur ein Hauptgeschoss mit talseits freiem Untergeschoss vorsieht. Damit hatte der ATU allerdings kein Problem. Denn das neue Haus soll deutlich kleiner werden als die bisherige Bebauung.

"Es ist weit zurückgesetzt, hat einen unterirdischen Keller und eine Garage bis zur Grenze", erläuterte Höfer, der das Gebäude für "grundstücksverträglich" hielt. Zudem sei es um fünf Meter niedriger als das "Schauinsland", was Rebecca Scheuermann vom Bauamt mit einem Größenvergleich dokumentierte. In den Plänen war der Altbau jeweils durch gelbe Linien gekennzeichnet, die den Neubau deutlich überragten.

"Städtebaulich gesehen ist es eine Verbesserung, der Neubau geht von der massiven Bebauung ein Stück runter", fand auch Gisela Reinhard (Grüne), die die Gebäudelänge zwar zunächst "erschreckend" fand, was durch eine gute Gliederung aber abgemildert werde. Gegliedert in eine breite Garage mit Holztor, eine Sandsteinmauer und große Fensteröffnungen, erinnerte der Plan Sebastian Cuny (SPD) an einen früheren Entwurf, der dem Ausschuss vorlag und dessen Befreiungen vom Bebauungsplan damals ebenfalls gebilligt worden seien. "Wir können zustimmen", erklärte Cuny deshalb. Er werde allerdings oft von Bürgern auf die vielen Befreiungen vom Bebauungsplan angesprochen, die das Gremium den Branich-Bewohnern erteile, ließ der SPD-Stadtrat Kritik anklingen.

Bis auf die Sandsteinmauer, die bewusst keine Fenster erhalten soll, um eine Wohnnutzung auszuschließen, wird am neuen Haus wenig an seinen geschichtsträchtigen Vorgänger erinnern. Das Untergeschoss soll 194, der erste Stock 195 Quadratmeter groß werden, was an einem kleinen schachtelähnlichen Vorbau liegt, der an der Straßenseite aus der Fassade ragt. Der geradlinige Flachdachbau ist modern gehalten, in Winkelform geplant und hat einen 5,2 Meter langen Anbau. Karl Reidinger (CDU) fand, dass sich die Länge durch die Aufgliederung auflockere und gab wie der Rest des Gremiums grünes Licht für das Vorhaben: "Es ist eine Aufwertung."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung