12.08.2013

Doping war damals offiziell kein Thema

Von Stefan Zeeh

Schriesheim. Ein bisschen ist es wie beim Einmarsch der Gladiatoren: Zu den Klängen der Boxkampf-Hymne "The Final Countdown" marschieren die CDU-Bundestagsabgeordneten Karl A. Lamers und Eberhard Gienger, letzterer ehemaliger Turnweltmeister am Reck, gemeinsam in den Saal des Schriesheimer Gasthauses "Zum Goldenen Hirsch". Kämpfen wollen beide in den kommenden Wochen auch tatsächlich: Aber "nur" um Wählerstimmen.

"Sport und Ehrenamt" ist das Thema zu dem Eberhard Gienger auf Einladung von Lamers und dem Schriesheimer CDU-Ortsverband sprechen soll. 30 Minuten Zeit wurden ihm dafür eingeräumt. Gienger zieht die Armbanduhr vom Handgelenk und legt sie vor sich. Tatsächlich gelingt es ihm, die vorgegebene Redezeit einzuhalten. Vielleicht ist das der Grund, warum er zu dem aktuellen Thema Doping im Leistungssport in der Bundesrepublik (zunächst) kein Wort verliert.

Dafür unterstreicht er vor gut 80 Zuhörern zwischen Zitaten und Gedichten von Wilhelm Busch oder Joachim Ringelnatz zunächst die Leistungen der in Vereinen ehrenamtlich tätigen Bürger. Dies sei angesichts gesellschaftlicher Probleme wie etwa der Zunahme übergewichtiger Kinder besonders wichtig. "Hier gilt es, frühzeitig entgegenzuwirken", geht Gienger besonders auf den Bewegungsmangel bei Jugendlichen ein. Den Kindern müsse vermittelt werden, dass sportliche Aktivitäten zum Leben gehörten wie Zähneputzen oder Essen. Und auch die Senioren sollen sportlich mobilisiert werden. Das von älteren Menschen oft geäußerte "Das lohnt sich bei mir nicht mehr" will Gienger nicht gelten lassen. "Jeder Muskel ist trainierbar, egal in welchen Alter", sagt er. Dabei hat man den Eindruck, er weiß, wovon er spricht: Der 62-jährige Bundestagsabgeordnete wirkt in seinem dunklen Anzug durchaus so fit, als ob er gleich noch einmal ans Reck wolle.

Gienger weiß ebenso um die Probleme vieler Vereine, Vorstandposten zu besetzen. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen heute nicht mehr ein Ehrenamt über lange Jahre hinweg, sondern nur noch für kürzere Zeit ausüben, um sich dann anderen Aufgaben zu widmen, mutmaßt der ehemalige Leistungssportler. Jedenfalls habe die Politik in den letzten Jahren viel getan, um das Ehrenamt zu unterstützen. So wurden etwa die Übungsleiter- und die Ehrenamtspauschale erhöht; zudem wurden die Vorstände rechtlich besser abgesichert.

In der Diskussion wird schnell deutlich, dass Vereine heutzutage noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen haben. Ganztagsschule und G8 sorgten dafür, dass Kinder keine Zeit mehr für sportliche Aktivitäten in den Vereinen hätten, ist mehrfach zu hören. "Die Ganztagsschule mag richtig sein, aber das Ehrenamt und das Vereinswesen werden darunter leiden", macht sich auch Schriesheims Altbürgermeister Peter Riehl Sorgen um die Zukunft der Vereine.

Auf das Thema Doping in seiner aktiven Zeit als Leistungssportler wird Gienger dann auch noch angesprochen. "Das Thema Doping war zu unserer Zeit nicht existent", sagt er - gibt aber zu, immerhin, einmal nach einer Operation Anabolika zum Muskelaufbau bekommen zu haben.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung