28.10.2013

Schriesheim: Sieger-Entwurf für Altarraum der Evangelischen Kirche vorgestellt

Schriesheim: Sieger-Entwurf für Altarraum der Evangelischen Kirche vorgestelltVon Silvia Rothenburger

Schriesheim. Der freischaffende Künstler Achim Däschner aus Karlsruhe wird die Prinzipalien für die evangelische Stadtkirche gestalten. Dazu gehören Altar, Ambo (Rednerpult), Taufstein mit den Materialien Beton, Holz, Filz, Wachs und jede Menge Einfallsreichtum, wie sich gestern bei der Vorstellung in der Evangelischen Stadtkirche zeigte.

Däschners Entwurf hatte am meisten den Vorstellungen aller am Projekt Beteiligten entsprochen. Im Sommer fand die Ausschreibung statt, am 16. Oktober entschied sich die Jury dann einstimmig für den Karlsruher Künstler. Auch die Landeskirche habe viele Vorgaben gemacht, sagte eingangs Franziska Mersi für den Kirchengemeinderat.

Der Künstler stellte dann selbst seinen Entwurf vor. Das Gebäude habe seine eigene Ausstrahlung, und es habe sehr viele Vorgaben gegeben, was erhalten bleiben müsse. Dazu gehörten auch die historischen Bezüge. So muss das Kruzifix mit dem Auferstehungsfenster bleiben. Die evangelische Kirche in Schriesheim sei eine lebendige, die beweglich sein müsse. "Das ist für einen Künstler, der mit Beton arbeitet, keine leichte Vorgabe", fand Däschner und sorgte für den ersten Lacher. "Und trotz der vielen Vorgaben wollte ich in meinem Werk als Künstler auch zur Geltung kommen - normalerweise bin ich freischaffend." Die Kirchenmitglieder konnten sich davon überzeugen, das ihm das gelungen ist.

Der Bildhauer Däschner sorgt mit Beton, Filz, Wachs und Holz für künstlerische Spannung zwischen den Materialien. Der Altarstein ist unten als Hohlkörper konzipiert und "nimmt die Heizung auf". Mit Leinöl bearbeitet, erhält der Altar, der bis fast in die Mitte der Gläubigen rückt, eine besondere Farbgebung. Vier am Ambo zusammengesetzte Platten ergeben ein Kruzifix, die Filzplatten dazwischen sind austauschbar. Auf den Steinplatten steht der von der Kirche gewünschte Satz "Wer den Sohn Gottes hat, hat das Leben".

Beweglichkeit soll auch hier gegeben sein: Sowohl der Altar als auch das Rednerpult stehen auf Rädern, die aber unsichtbar seien, erläuterte der Künstler seine weiteren Ideen. Das Podest ist aus Beton, der Boden aus Eichenholz, der Ambo erhält durch austauschbare Filzstreifen in den Farben des Kirchenjahres "verbindende Ästhetik".

Das zentrale Kruzifix an der ursprünglichen Stelle ist farblich abgesetzt, der Sockel heller geölt und der Mittelteil braun-rot gefärbt wie rostendes Metall. Bleibt noch ein Meditationsbereich als zentraler Ort der inneren Einkehr im Sinne der offenen Kirche.

Auch die anderen Gegenstände gestaltet der Künstler in den Farben des Kirchenjahres mit austauschbaren Filzplatten. Der Osterkerzenständer wird höher und soll aus Beton mit Wachsintarsien bestehn, die sich vertikal von oben nach unten herunterziehen auf den Altar. Ebenso gestaltet sind die kleinen Varianten der großen Osterkerze. Alle verwendeten Farben orientieren sich am Auferstehungsfenster.

Auch der Taufort ist nicht mehr räumlich gebunden, sondern als Taufschale aus dem Altarblock herausgearbeitet, dessen Inneres so sichtbar wird. Das Tauffenster wird erneuert und erhält eine je nach Kirchenjahr-Farbe austauschbare "stabile Folie in Kruzifixform".

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung