01.01.2014

FW-Fraktionsvorsitzender Kimmel: "Wir sind bestrebt, unsere Sitze zu halten"

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Heinz Kimmel, der Fraktionschef der Freien Wähler, fürchtet für seine Wählervereinigung keine negativen Auswirkungen der Bürgermeisterwahl auf die Kommunalwahl.

> Herr Kimmel, haben die Freien Wähler die Bürgermeisterwahl und das Desaster mit dem Kandidaten Becker schon aufgearbeitet?

Ja, in Fraktion und Vorstand. Anfang Februar werden wir das noch mit den Mitgliedern im Rahmen des Wintertreffs besprechen. Ein Schreiben haben unsere Mitglieder schon unmittelbar nach dem Fiasko bekommen.

> Man hat auch den Freien Wählern vorgeworfen, sie hätten Becker besser unter die Lupe nehmen müssen.

Er wurde doch nach seiner politischen Vergangenheit von uns im Vorfeld gefragt! Und da kam von ihm eben nur seine Vergangenheit in der CDU und nicht mehr. Ich dachte, er sei ehrlich, da er das Amt des Bürgermeisters anstrebt. Was er getan hat, war nicht fair.

"Wir sind getäuscht worden"

> Von großem Unmut in den Reihen Ihrer Wählervereinigung ist wegen der Becker-Affäre zu hören.

Mir hat davon noch niemand etwas gesagt. Wir sind nicht schuld an Beckers Unehrlichkeit. Außerdem haben wir in einer Mitgliederversammlung über die Unterstützung für ihn abgestimmt. Hier hätte jedes Mitglied etwas sagen können. Aber es bleibt dabei: Beckers Unehrlichkeit war eine Enttäuschung. Auch für mich.

> Fürchten Sie negative Auswirkungen auf die Kommunalwahl?

Wir sind getäuscht worden von Becker. Wenn wir den Bürgern das vermitteln können, sehe ich keine negativen Folgen.

> Treten alle Stadträte Ihrer Fraktion wieder zur Wahl an?

Nein, aber ich nenne jetzt keine Namen. Die Namen für die Liste haben wir, die Reihenfolge noch nicht. Mitte Januar werden wir diese intern festlegen und dann am 18. Februar in einer Mitgliederversammlung vorstellen.

> Und welches Wahlziel geben Sie aus?

Wir sind bestrebt, unsere Sitze zu halten, die wir haben. Aber wir wissen, dass es schwer werden könnte.

> Bürgermeister Höfer hat die Kritik des bürgerlichen Lagers im Bürgermeisterwahlkampf so aufgefasst, als würde ihm vorgeworfen, zu wenig zu arbeiten. Haben die Freien Wähler das so gemeint?

Nein. Gemeint war, dass er zu lange braucht für einzelne Themen. Bei ihm bleibt vieles zu lange liegen. Und damit ist Herr Höfer gemeint, nicht seine Verwaltung.

> Ihr Fraktionsmitglied Dr. Wolfgang Metzger hat Höfer in der letzten Gemeinderatssitzung demonstrativ die Hand gereicht. War das in Ihrem Sinne?

Ja. Ich habe Herrn Höfer schon am Wahlabend gratuliert und eine gute Zusammenarbeit zugesagt. Dabei geht es nicht um den Bürgermeister, sondern das Wohl der Bürger und der Stadt.

> Die Sanierung des Schulzentrums war ein Thema des Jahres und wird ein Thema bleiben. Wie stellen Sie sich die bauliche Zukunft hier vor?

Da wird es Diskussionsbedarf geben. Die Beträge, die wir im Rahmen der Vorstellung der Machbarkeitsstudie gehört haben, kann man nicht in einer Woche verarbeiten und sich auf einen Lösungsansatz festlegen. 40 bis 70 Millionen Euro! Selbst wenn wir Zuschüsse bekommen, bleibt da noch viel an der Stadt hängen. Und ich gehe jetzt schon davon aus, dass wir mit vier Bauphasen in acht Jahren nicht auskommen. Das dauert zehn Jahre oder länger. Auch aus finanziellen Gründen. Vielleicht müsste man auch erst mal nur das Notwendige machen, aber eben in größerem Rahmen und nicht im Kleinklein wie bisher.

> Und wie stehen Sie zur Schulsozialarbeit? Höfer will zwei Stellen dafür.

Wir sind eher für einen Schul- und einen Jugendsozialarbeiter, weil wir auch das offene, außerschulische Angebot für Jugendliche brauchen. Und wir brauchen dafür erfahrene Leute. Mit Nicola Klamer haben wir nicht umsonst die besten Erfahrungen gemacht. Übrigens muss es auch mit dem Push-Gelände weitergehen, weil wir da viel Geld investiert haben.

> Dass es in Sachen Grünflächen dieses Jahr weiterging, muss Sie als Gärtnermeister doch freuen, oder?

Sicher, es ist ein Fortschritt. Aber es muss auch weitergehen. Wenn ich sehe, dass der von der Stadt als "Grünflächenmanager" eingestellte Tobias Frei gerade mal drei Tage geblieben ist, dann ist das kein gutes Zeichen. Einen Koordinator im Rathaus brauchen wir, und das mit einer angemessenen Bezahlung.

> Finden Sie die Rohbauten auf dem OEG-Areal zu massiv?

Man muss sich schon daran gewöhnen. Aber wenn wir Freien Wähler nicht die gestaffelte Bauweise im Bouwfonds-Quartier durchgesetzt hätten, wäre jetzt alles noch massiver.

"Es ist nicht zu spät"

> Noch ist nicht viel passiert, um die Stadt auf ein Leben mit dem Branichtunnel vorzubereiten. Wie bewerten Sie das?

Es ist nicht zu spät, wir sind ja an der Sache dran. Außerdem weiß ich von einem Kollegen aus Birkenau, dass er durch den Saukopftunnel seine Kunden nicht verloren hat. Sie kommen und bleiben, wenn die Qualität stimmt. Das hoffe ich auch für Schriesheims Geschäfte. Zumindest für die wenigen, die wir noch haben. Vielleicht ist unser Betrieb auch ein ganz gutes Beispiel. Wir liegen nicht besonders zentral. Trotzdem kommen die Kunden. Auch aus Dossenheim, Ladenburg oder Leutershausen.

> Tut es nicht weh, wenn man sieht, wie die Zehntkellerfassade saniert wird, die Gewölbe selbst aber unrenoviert bleiben?

Wir haben uns ja im Vorfeld schon Gedanken gemacht über eine große Lösung, haben diese aber aus finanziellen Gründen verworfen. Man kann hier nicht 200.000 Euro mehr ausgeben, während unten die Schule kaputt geht.

> Kommen wir schließlich zur Kinderbetreuung. Wie bewerten Sie das Angebot in Bezug auf die Krippenplätze?

Wir waren immer für eine große Lösung. Mit der AWO-Erweiterung, der Krippe von Frau Stockhausen und der Postillionkrippe, die am OEG-Areal ihre Arbeit aufnimmt, sind wir sehr gut aufgestellt. Das freut uns.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung