07.01.2014

Beim Schriesheimer Neujahrsempfang feierte die Stadt sich selbst

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. "Wir Schriesheimer feiern uns gern selbst", war eine zwar programmatische, aber nicht ganz aus der Luft gegriffene Behauptung Bürgermeister Hansjörg Höfers. Immerhin steht 2014 nicht nur das Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 764 an, sondern auch 435 Jahre Mathaisemarkt, 50 Jahre Stadtrechte, 30 Jahre Partnerschaft mit Uzès und die seit 25 Jahren bestehende Partnerschaft der Feuerwehren von Schriesheim und St. Margarethen.

Was alles in allem den ersten Neujahrsempfang in der Geschichte der Stadt rechtfertigte, der am Sonntag mit Musik, Rahmenprogramm, einem Trinkspruch von Weinkönigin Alexandra Quick, Grußworten und einer beeindruckenden Zahl von Gästen, darunter Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner, die Landtagsabgeordneten Gerhard Kleinböck und Georg Wacker sowie die Ehrenbürger Peter Riehl und Peter Hartmann in der Mehrzweckhalle im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne ging.

Die war von Floristin Marlies Edelmann mit weißen Rosen, Mooskugeln und Palmen als Anspielung auf die südfranzösische Partnerstadt Uzès geschmückt, zudem gab es für die Gäste am Ende die bunte Tischdekoration aus Primeltöpfchen zum Mitnehmen. Hinterm Rednerpult hingen Fahnen in den Farben des Landes, der Stadt und der EU, für Höfer sprechendes Symbol der Vergangenheit, die oft kriegerisch war. Vor 100 Jahren habe Wohlstand geherrscht, der Glaube an Fortschritt im Zeitalter der Moderne, das 1911 mit elektrischem Strom im Dorf Einzug hielt. Wegen des Wettrüstens habe 1914 nicht im Zeichen des damals 1150. Jubiläums gestanden, sondern des Kriegs.

Mittlerweile werde der europäische Gedanke gelebt: "Für unsere Kinder ist das friedliche und freundliche Miteinander nicht nur natürlich, sondern auch eine Selbstverständlichkeit. Sie kennen keine Grenzen zwischen Deutschland und Frankreich mehr."

Auch Landrat Stefan Dallinger blickte auf die Stadtgeschichte zurück, erinnerte an Kriege, Zerstörungen und Wiederaufbau seit dem 30-jährigen Krieg, aber auch an die seit 1803 bestehenden Bezüge zwischen Stadt und Kreis: "Schriesheim liegt heute in einer der wirtschaftlich stärksten, dynamischsten Regionen Europas." Als Weinort, vom Klima verwöhnt, Wohnstadt mit guter Infrastruktur und vielfältigen Bildungsangeboten, stehe die Stadt vor den Herausforderungen nach dem Bau des Branichtunnels und im Jubiläumsjahr.

Dass die Bürger hier tatkräftig anpackten, sei ein Grund, stolz zu sein, bemerkte Dallinger und erinnerte an das stärker werdende Heimatgefühl, das kein Gegensatz zu Weltoffenheit sein müsse. Immer wieder in seiner langen Geschichte sei Schriesheim zur Heimat von Menschen geworden, der Einsatz seiner Bürger sei "eine echte Liebeserklärung an Schriesheim und an unsere Heimat."

Es sei eine Ehre für ihn, am Tag des Neujahrsempfangs in Schriesheim sein zu dürfen, bemerkte Jean-Luc Chapon. Eigens aus der Partnerstadt angereist, erinnerte der Bürgermeister von Uzès an die Anfänge der Städtepartnerschaft, aber auch an geschichtliche Gemeinsamkeiten wie die römische Besiedlung. Emotional und auf Deutsch beendete Chapon seine Ansprache mit einem enthusiastischen Ausruf: "Es lebe unsere Partnerschaft, es leben Schriesheim und Uzès!"

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung