18.01.2014

Der Kulturkreis Schriesheim bringt die Künste in die Stadt

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. In den 1960er Jahren war der luxemburgische Künstler Théo Kerg (1909-1993) in der hiesigen Region längst kein Unbekannter mehr: Arbeiten des in Paris lebenden Malers, Grafikers, Bildhauers und Glasgestalters setzten herausragende Akzente auf dem Hauptfriedhof in Mannheim oder in Kirchen in Ludwigshafen und Wiesloch. Einzigartig auch die Gestaltung des Kreuzwegs in der Kuppelkirche St. Andreas in Neckarhausen.

Dass die Aufmerksamkeit Kergs sich gen Schriesheim richtete, ist wiederum der engen Freundschaft zu dem dort lebenden Arzt-Ehepaar Doktoren Ingrid und Franz Neumann zu verdanken. Die Sammler von Kergs Kunstwerken vermochten den damaligen Bürgermeister Peter Riehl und den Direktor des Heidelberger Kunstvereins, Professor Hans Gercke, für ein mutiges Projekt gewinnen: Im Jahr 1989 wurde das Museum Théo Kerg unter der Leitung von Ingrid Neumann im Beisein von Théo Kerg eröffnet. Das Museum beherbergt seine Schenkung, die auf drei Stockwerken nach den Vorgaben des Künstlers chronologisch und permanent präsentiert wird. Das Haus bietet aber zugleich auch Plattform für Ausstellungen und Aktionen anderer, weltweit namhafter Künstler. Riehls Wunsch zufolge wurde 1990 der Kulturkreis Schriesheim e.V. (KKS) ins Leben gerufen, zunächst eigens zu dem Zweck, die ehrenamtliche Betreuung des städtischen Museums zu übernehmen.

Der KKS ist seitdem Pächter und Veranstalter im Auftrag der Stadt Schriesheim. So ist es auch in diesem Fall ehrenamtliches Vereinsengagement, das für Stadtmarketing im besten Sinne sorgt - mit Werkschauen, die oft weit über die Region hinaus wirken. Doch der KKS steht längst nicht nur für das Kerg-Museum, sondern organisiert auch "Schriesheim jazZt", das jährliche Musikevent in der Altstadt, oder die Kunstausstellungen anlässlich des Mathaisemarkts, um nur zwei Beispiele zu nennen.

In diesem Jahr wird das Kerg-Museum 25 Jahre alt, und Lynn Schoene, 1997 zur wiederum ehrenamtlichen Nachfolgerin von Ingrid Neumann als Museumsleiterin benannt, findet es an der Zeit, einen Geburtstagswunsch zu äußern: "Es wäre ein wunderschönes Geschenk, endlich, endlich die lang ersehnte ausreichende Beschilderung zu bekommen, um den Besuchern das lange und verzweifelte Suchen nach dem Museum zu ersparen." Dies sei die häufigste Beschwerde der Museumsbesucher überhaupt.

Obwohl die Stadt für die Instandhaltung des Museums, also Kunstwerke und Gebäude, zuständig ist, bringen sich die Ehrenamtlichen des Vereins auch hier ein, legen bei kleineren Reparaturen selbst Hand an und übernehmen Reinigungsarbeiten. "Wir tun unser Möglichstes, um für einen reibungslosen und professionellen Betrieb zu sorgen", sagt Schoene, die selbst freiberufliche Künstlerin und Dozentin ist. Ansonsten weise der KKS auf Missstände hin und beantrage, wo nötig, die notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen: "Mit mal mehr und in der jüngeren Vergangenheit leider sehr wenig Erfolg", bedauert die gebürtige Britin Schoene. Das Abstimmungsverhalten im Gemeinderat habe zu einiger Frustration bei den Ehrenamtlichen des Museums und im Vorstand des KKS geführt.

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des städtischen Museums im Fachwerkhaus mitten in Schriesheims Altstadt (Talstraße 52), werden etliche Leckerbissen geboten: Unter anderem 28 Grafiken aus einer der Kunstmappen-Reprints der Künstlergruppe "Abstraction-Création" vom 30. März bis zum 11. Mai. Die Sonderausstellung zeigt Werke unter anderem von Hans Arp, Alexander Calder, Sonja Delauny, Wassily Kandinsky, Piet Mondrian und eben auch von Théo Kerg.

Info: www.kk-schriesheim.de.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung