01.02.2014

Fundtiere kommen nur noch nach Weinheim

Der Gemeinderat beschloss Kündigung des Vertrags mit dem Heidelberger Tierheim, da man sich bei den Kosten einfach nicht näher kam

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Was ist eigentlich ein Fundtier? "Ein Tier, das besitz-, aber nicht herrenlos ist", gibt das Internet lapidar Auskunft. Tiere, die zugelaufen sind oder gefunden wurden, werden entweder direkt beim Tierheim abgegeben oder vom Gemeindevollzugsdienst gebracht. Zuständig für Schriesheim sind die Tierheime in Weinheim und Heidelberg. Die Kosten für die Versorgung werden vertraglich geregelt. Bislang bekam nach Auskunft der Verwaltung das Heidelberger Tierheim an der "Speyrer Schnauz" rund 200 Euro pro Katze, rund 370 Euro pro Hund und rund 100 Euro für jedes "sonstige Tier": rund 1500 Euro im Jahr.

Im letzten November schlug das Heim der Stadt eine Pauschale von 50 Cent pro Einwohner vor, also 7500 Euro pro Jahr. "Das war nicht tragbar für uns, wir wollten einen Kompromiss", sagte dazu Bürgermeister Hansjörg Höfer in der Gemeinderatssitzung. Auf Nachfragen aus dem Gremium betonte Höfer, dass die Stadt verschiedene Alternativen unterbreitet habe, "doch das Tierheim hat sich auf keine Diskussion eingelassen."

"Schade, dass das Tierheim so kompromisslos ist", bedauerte SPD-Stadträtin Gabriele Mohr-Nassauer, und Jutta Becker (FW) pflichtete ihr bei: "Dann haben wir aber wenigstens klare Verhältnisse." Die sehen nach einstimmigem Ratsbeschluss so aus: Der Vertrag mit Heidelberg wird gekündigt, ab jetzt ist alleine das Weinheimer Tierheim für die Aufnahme der Schriesheimer Fundtiere zuständig.

Die Verwaltung machte in der Beschlussvorlage eine Rechnung auf: Hätte man den Vertrag angenommen und 7500 Euro an Heidelberg entrichtet, hätte man dasselbe auch Weinheim anbieten müssen, so dass das Heim 9000 Euro erhalten hätte. Hätte bedeutet: eine "Explosion der zu entrichtenden Entgelte" mit insgesamt 16.500 Euro. Bei der alleinigen Zuständigkeit Weinheims verdopple sich der Pauschalbetrag für das Heim, so dass die Stadt 9000 Euro zu zahlen habe. Der Grund sei, erklärte Höfer: "Weinheim ist unser Haupt-Tierheim, die meisten Tiere werden dorthin gebracht." Künftig müssten alle Tiere nach Weinheim gebracht werden: "kein bedeutendes logistisches Problem."

Während CDU-Stadtrat Adrian Ahlers in der Sitzung fragte, ob eine artgerechte Haltung der Tiere in Weinheim gesichert werden könne - eine eindeutige Antwort erhielt er nicht -, wurde Dr. Barbara Schenk-Zitsch (Grüne) grundsätzlich. Zwar sah auch sie eine Erhöhung der Kosten um 500 Prozent kritisch. Für das Tierheim könnte die Pauschale aber auch mehr Planungssicherheit bedeuten: "Viele Tierheime krebsen am Existenzminimum."

"Ja, das tun wir", bestätigte Heidelbergs Tierheim-Leiterin Annegret Oelenheinz der RNZ. Kosten für Strom und Wasser belasten das Heim wie jeden Haushalt, dazu kommen Medikamente, Personal- und Arzthonorare. Viele der dort abgegebenen Tiere sind alt und krank, manche leben bis zu vier Jahre in der "Speyrer Schnauz", wenn sie nicht vermittelt werden können. Die vorgeschlagene Pauschale, erklärte sie weiter, liege deutlich unter der Empfehlung des Deutschen Tierschutzbunds Bonn, der pro Einwohner 1,50 Euro veranschlagte: "Die Stadt Walldorf etwa zahlt einen Euro pro Einwohner." Neben Heidelberg betreut das Heim noch 25 Umlandgemeinden. Zwischen 1200 und 1500 Tiere leben übers Jahr dort. Auch wenn die Städte für Hund und Katz' bezahlen, bleibt das Heim auf den Kosten für die vielen Wildtiere sitzen, die dort abgeliefert werden. Und auch die "sonstigen Tiere" bringen dem Heim kein Geld. "Nur Hunde und Katzen", sagte Oelenheinz, "alles andere lief so mit."




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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung