03.04.2014

25 Jahre Museum Théo Kerg: In illustrer Gesellschaft

Jubiläumsausstellung zum 25-jährigen Bestehen des Museums Théo Kerg in Schriesheim

Von Julia Behrens

Ganz selbstverständlich hängt sie da zwischen Arbeiten von Kandinsky, Mondrian und Calder: Die Serigraphie "Graphisme" von Théo Kerg aus dem Jahr 1934. Sie ist Teil der Jubiläumsausstellung "abstraction création", die das Museum Kerg in Schriesheim anlässlich seines 25-jährigen Bestehens zeigt.

"Abstraction - Création" war eine Künstlervereinigung in Paris, die von 1931 bis 1936 existierte. Die Liste der Mitglieder liest sich wie ein Who is Who der Abstraktion, denn Größen wie Arp, Bill, Moholy-Nagy, van Doesburg, Sophie Taeuber-Arp oder Sonia Delaunay waren hier organisiert. Auch der renommierte Luxemburger Künstler Théo Kerg (1909-1993) wurde 1934 zu "Abstraction - Création" eingeladen.

Wie Hans Gercke bei der Vernissage betonte, war es Ziel der Gruppe, die Natur in der künstlerischen Umsetzung weder als Kopie noch als Interpretation zu erfassen. Stattdessen wollte sie in Malerei und Plastik eine eigene Wirklichkeit formulieren. Dafür wählten einige Künstler streng geometrische, andere expressiv-organische Lösungen.

Ihre Ansätze veröffentlichte die Vereinigung ab 1932 in fünf Jahrbüchern. Als die Hefte 1973 neu aufgelegt wurden, entschied man sich auch für den Nachdruck bedeutender Werke aus der Zeit von "Abstraction - Création". Es entstand eine Mappe mit 30 Prägedrucken, die die (noch lebenden) Künstler signierten. Aus diesem Grund besitzen die Blätter nicht nur einen dokumentarischen, ästhetischen und didaktischen Wert, sondern auch einen gewissen Grad an Authentizität.

Die gezeigten großformatigen Serigraphien und Lithographien sind beeindruckend. Die geschwungenen Formen in Taro Okamotos Bild "Espace" (1933) kontrastieren mit dem strengen Gerüst aus schwarzen Horizontalen und Vertikalen auf Mondrians "Composition" von 1932. In Sophie Taeuber-Arps "Forme bleue" (1935) fließt ausgedehntes Blau über eine graue Fläche, während Hans Ernis "Spirale" (1936) ein plastisches, dynamisches Spiel vollführt.

Théo Kergs Bild "Graphisme" (1934) besticht durch brillante rote Farbtöne und ein vibrierendes Liniengeflecht, das sich mal in den Bildvordergrund, mal in die Tiefe des Bildes auszudehnen scheint. Es nimmt viel vorweg von Kergs späteren, "taktilistischen" Arbeiten, die sich durch eine ins Dreidimensionale reichende Gitterstruktur auszeichnen und die im 2. Obergeschoss zu sehen sind.

Das Museum Théo Kerg wurde 1989 ins Leben gerufen, als der Künstler seinen Nachlass der Stadt Schriesheim vermachte. Die Stadt, auf die der Luxemburger durch das Sammlerehepaar Neumann aufmerksam gemacht wurde, ließ einen alten Tabakspeicher renovieren, und Kerg konnte sein Museum darin einrichten. Seine abstrakten Werke passen auffallend gut in das urige Fachwerkhaus. Genauso wie die sehenswerte Kunst seiner berühmten Kollegen.

Fi Info: "abstraction création" - art non figuratif 1932-1936. Bis 11. Mai 2014. Museum Théo Kerg, Talstr. 52, 69198 Schriesheim. Tel. 06203 / 95 28 19. www.kk-schriesheim.de. Sa, So 14-17 Uhr, Mi 17-19 Uhr. Führung mit Hans Gercke am 3. Mai 2014 um 15 Uhr.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung