16.06.2014

Wo auch Rheinländer und Schwaben in Schriesheim einkehren

Naturfreundehütte hat wieder geöffnet - Stimmungsvolle Einkehr für Wanderer - Der "Hüttendienst" ist heiß begehrt

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Der Wanderweg zur Naturfreundehütte ist am Wochenende das reinste Idyll. Meterhoch steht der Fingerhut am Wegrand, vereinzelt entdeckt man noch Holunderblüten im Gestrüpp. Am frühen Nachmittag ist auf der sonst viel begangenen Strecke kein einziger Wanderer unterwegs. Stattdessen steht ein zartbraunes Reh etwas unschlüssig am Weg. Es mustert den entgegenkommenden Menschen, dann setzt es so zielstrebig über den Weg, als müsste es auf der anderen Seite noch schnell den Bus erwischen.

Wenige hundert Meter vor der Hütte quält sich ein älterer Herr, ausstaffiert wie ein Tour-de-France-Teilnehmer, auf seinem Rad den Berg hoch, angetrieben vom Zorn auf das Auto, das ihn überholt und auf dem knochentrockenen Weg in eine Staubwolke hüllt. Andere Besucher kommen aus Richtung Rippenweier. Ein aus Leutershausen kommender Wanderer hat bis zum Naturfreundehaus eine Stunde gebraucht.

"Wir haben viele Gruppen hier, aber so richtig voll wird es an Samstagen eigentlich nie", sagt Hilde Keller. Man kennt sie als Bedienung im Restaurant "Zur Pfalz", jetzt schenkt sie zusammen mit ihrem Mann und Hilde Frenz Kaffee aus und schneidet die Kuchen an, die auf der Theke hinter ihr stehen. Der Hüttendienst, erzählt sie, sei bereits im Februar für das ganze Jahr vereinbart worden und heiß begehrt: "Man musste sich schon beeilen, die Termine waren ganz schnell vergeben." Zwölf Besucher haben sich für diesen Nachmittag angemeldet, sie kommen aus Stuttgart und aus Köln - und sind übers "Köpfel" zur Hütte gewandert. Eine andere Gruppe stammt von der Tromm, die Wanderer lassen sich Käsebrot und Weinschorle schmecken. Anmelden kann man sich, muss es aber nicht, steht die Hütte doch jedem offen, der kommt. Geöffnet ist sie nach Vereinbarung sowie Samstags von 14 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr. Aber: An Fronleichnam hat das Haus geschlossen.

Später kehren alte Bekannte ein und werden freudig begrüßt: Minnie und Werner Hamann lassen es sich nicht nehmen, jede Woche bei "ihrer" Hütte vorbeizuschauen. Lange Jahre waren die beiden Naturfreunde-Mitglieder das Hüttenwarts-Ehepaar, ein Schwarz-Weiß-Foto neben der Theke zeigt Werner Hamann beim Zieharmonika-Spielen im Kreis der Wanderer.

Früher sei viel gesungen worden, sagt Minnie Hamann und stimmt das "Hüttenlied" an. Viele können den Text, auch an den Nachbartischen wird gesungen. Um diese Jahreszeit, sagt Werner Hamann, habe er früher oft an einer sumpfigen Stelle Bärlauch geerntet, später im Jahr wurden Pilze gesammelt: "Es gab sehr viele hier, Steinpilze, Pfifferlinge oder Parasol-Pilze." Heute gebe es viel weniger.

Geschichten machen die Runde übers Maibaumstellen, Lagerfeuer und Hüttenübernachtungen: Nicht alles gibt es heute noch. Dafür kann man auf der Terrasse sitzen, Kaffee trinken und den Blick ins Grüne genießen, bis es Zeit wird aufzubrechen. Die nächste Veranstaltung der Schriesheimer Naturfreunde findet übrigens nicht in der Hütte statt, sondern auf dem Sportplatz: Der Verein beteiligt sich am 28. Juni an der Veranstaltung "Schriesheim bewegt sich". Mit einem Kletterturm.



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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung