02.07.2014

Sperrung der Talstraße: "Die Betroffenen wurden nicht mitgenommen"

Bei der Bürgerinfo am Dienstagabend erläuterte Branichtunnel-Bauleiter Ralph Eckerle die geplante Vollsperrung der Talstraße und musste sich Kritik anhören

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Ralph Eckerle vom Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) begann die Bürgerinfo zur Talstraßensperrung in den Sommerferien mit einer Entschuldigung. Dafür, dass seit Wochen die heikle Maßnahme im Ort die Runde macht, ohne dass es bislang fundierte Informationen darüber gab: "Das war so nicht geplant", sagte der Bauleiter des Branichtunnels. Bürgermeister Hansjörg Höfer hatte die Vollsperrung Mitte April in einem Pressegespräch zu anstehenden Baumaßnahmen dieses Jahres öffentlich gemacht. Gestern erklärte Eckerle im gut gefüllten Großen Sitzungssaal des Rathauses, was er zum jetzigen Zeitpunkt erklären konnte. Warum seine Behörde die Talstraße voraussichtlich (und mindestens) vom 22. August, 20 Uhr, bis 7. September, 24 Uhr, zwischen der Einfahrt zum Campingplatz und etwas östlich von Kling-Malz komplett zumacht, um den neuen Verkehrsknoten am Ostportal des Branichtunnels mit dem künftig durch Ampeln geregelten Abzweig in Richtung Kernstadt zu bauen. Erläuterungen waren auch nötig.

Denn es gab auch gestern kritische Stimmen. Gegen die Vollsperrung. Wegen der mangelhaften Kommunikation. Gerade die, die durch die Baustelle für gut zwei Wochen von der Kernstadt abgeschnitten sind, hätten sich früher mehr Infos erhofft anstatt Nebulöses. Und dass einfach mal jemand auf sie zukommt wegen dieser Sache. IEWS-Chef Bernd Doll formulierte unter Applaus in diese Richtung. Und auch Jürgen Opfermann, Betreiber des Restaurants "Das Wirtshaus", hieb in diese Kerbe, sprach von vollendeten Tatsachen und führte die Konsequenzen für sein Unternehmen vor Augen. Reagieren könne man jetzt nicht mehr.

Gestern nun erklärte Eckerle, warum es zum Beispiel nicht einspurig an der Baustelle vorbeigehen kann: "Wir haben einfach zu wenig Platz". Zwischen 10,50 Metern am Campingplatz und 11,50 Metern am Hotel Scheid ist die Talstraße im fraglichen Abschnitt breit: "Für eine auch lastwagentaugliche Fahrspur brauche ich 3,25 Meter, für die Warnbarken 85 Zentimeter, dazu 1,50 Meter für einen Bürgersteig und bis zu 2,60 Meter je nach Höhendifferenz für eine Böschung, um die Fahrspur zu stabilisieren." Blieben rund drei Meter fürs Bauen, wovon noch zwei Meter neuer Bürgersteig werden sollen. Auch eine senkrechte Stabilisierung der einen Fahrspur durch einen Verbau würde es nicht bringen. Dazu Eckerle: "Das kostet viel Zeit und macht jede Menge Lärm." Zudem queren die Versorgungsleitungen unter dem Asphalt. Diese würden von einem Verbau zerstört.

Die Talstraße wird vom Campingplatz aus Richtung Ostportal Stück für Stück tiefergelegt, damit das Gefälle der Tunnelzufahrt sanfter wird. Bis zu zwei Meter macht der Niveauunterschied zum jetzigen Zustand aus. Und je "tiefer" die Baustelle kommt, umso mehr Platz bräuchte Eckerle für eine einspurige Verkehrsführung. Also die Vollsperrung als "Hauruck-Aktion". Dafür werde auch samstags und sonntags gearbeitet, aber nicht nachts. Immerhin sollen Fußgänger und Radfahrer die Baustelle passieren können.

Einem "Bypass" für Autos durch den Wald erteilte Bürgermeister Hansjörg Höfer schon gegenüber der RNZ eine Absage: "Die Böschungen sind hier steil und bräuchten Leitplanken, die Waldwege sind außerdem unbeleuchtet." Zudem sind Waldwege nun mal keine gewidmeten Straßen.

Feuerwehrkommandant Oliver Scherer informierte darüber, dass für die Feuerwehr während der Baustellenzeit eine zweite Drehleiter angemietet wird, um diese östlich der Vollsperrung in Richtung vorderen Odenwald zu platzieren. Ansonsten stehen die Kameraden aus Altenbach und Ursenbach zur Verfügung.

Der Rettungsdienst - gerade auch für das Alten- und Pflegeheim "Stammberg" ein Thema - kommt wie stets aus Weinheim und muss über die übliche Umleitung via Großsachsen und Ursenbach anfahren. Scherer sah hier keine Probleme.

Auch die AVR sei informiert und werde ihre Dienstpläne umstellen. Der Müll werde also auch während des Straßenbaus zu jeder Zeit abgeholt, so Eckerle gegenüber der RNZ.

In Sachen Busverkehr auf der Linie 628 hakte "Mühlenhof"-Leiter Heinz Waegner nach. Eine Lösung dafür sei doch auch Sache der Stadt, "oder sehe ich das falsch?". Der Busverkehr Rhein-Neckar (BRN) sei hier zuständig, sagte Bürgermeister Hansjörg Höfer. Eine Aussage des BRN zur Sache wird wohl noch erwartet. Von Seiten der Zuhörer wurde ein Bus-Shuttle angeregt, der bis zu beiden Seiten der Vollsperrung führt. Hier heißt es Abwarten.

Dass man in den Sommerferien und dann auch noch über drei Wochenenden hinweg die Talstraße schließe, sei dem geringeren Verkehrsaufkommen geschuldet, so Eckerle: "In den Ferien fährt zum Beispiel nie der Schulbus, und es gibt grundsätzlich weniger Verkehr. Und am Wochenende ist das Verkehrsaufkommen noch mal geringer." Da widersprach Doll und sagte sicher etwas überspitzt: "Eigentlich könnten wir das Waldschwimmbad am 22. August zu machen."

Es ist aber nicht sicher, dass die Talstraße am 22. August wirklich gesperrt wird. Dazu Eckerle im RNZ-Gespräch: "Wir können die Talstraße erst sperren, wenn wir den neuen Anschluss des Griethwegs an die Talstraße fertig haben." Dieser wäre ansonsten von allem abgeschnitten. Der Griethweg wird künftig über die Tunneldecke außerhalb des Berges, über die sogenannte "Einhausung", zur Talstraße hingeführt. Außerdem hängt die Vollsperrung am Wetter. Bei Regen könne nicht asphaltiert werden, so Eckerle. Daher diene die letzte Ferienwoche noch als zeitlicher Puffer. Sollten nach dem Straßenbau weitere Arbeiten nötig sein, so könne der Verkehr zumindest einspurig durch die Baustelle geführt werden. Auf Nachfrage von Ursenbachs Ortsvorsteherin Rosemarie Edelmann sagte Eckerle, dass die Baufahrzeuge nicht über die Ursenbacher Umleitung fahren müssen, sondern den Tunnel nutzen können.

Nach knapp einer Stunde hatten Eckerle und die Bürger die Infoveranstaltung hinter sich. Gut hatte der Bauleiter die Dinge erklärt. Dennoch sah man Kopfschütteln in den Grüppchen, die danach noch zusammenstanden. Wie hatte es Doll formuliert? "Die Betroffenen wurden nicht mitgenommen." Dafür war es gestern zu spät.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung