29.10.2003

Rauchschwaden vom Wiesenweg ins Weite Tal

Wohnungsbrand in Schriesheim sorgte wegen extremer Qualmentwicklung für Aufsehen in der ganzen Gegend - 78-jährige Bewohnerin verletzt.

Schriesheim. Ein Wohnungsbrand im Wiesenweg hat Schriesheim gestern Abend für zwei Stunden ins Chaos getaucht. Weil die B 3 in der Stoßzeit teilweise gesperrt war, stauten sich die Autos rund um die Stadt Kilometer weit. Ein Haus im Wiesenweg war nicht mehr zu retten, eine alte Frau wurde verletzt.

Als bei den Schriesheimer Feuerwehleuten kurz vor fünf Uhr am Nachmittag die Piepser einsetzten, stieg schon eine beachtliche Rauchwolke über dem Wiesenweg auf, der am Kanzelbach entlang von der B 3 zum Sportzentrum führt. Zwei Anwohner des Branichs waren auch die ersten, die den Brand im Schriesheimer Feuerwehrhaus meldeten.

Wie gewohnt, reagierten die Schriesheimer Feuerwehrleute in Minutenschnelle und setzten ihre Löschzüge in Bewegung. Weil die Lage zunächst undurchschaubar war, rief Feuerwehrkommandant Georg Weber auch vorsorglich die Kameraden aus Ursenbach und Altenbach mit an die Einsatzstelle. Beim Anfahren stellte sich bald das erste Hindernis dar, obwohl das Feuerwehrhaus nur wenige hundert Meter vom Wiesenweg entfernt ist: weil der Weg eigentlich für Autos verboten ist, versperrt ein Pfosten den Weg. Weil Einsatzleiter Oliver Scherer aber geschickterweise von zwei Seiten an das Feuer heranfahren ließ, mussten die Brandschützer erst den Pfosten abreißen, um zum Brandherd zu gelangen. Dann trafen aber doch beide Löschfahrzeuge gleichzeitig an dem Häuschen ein. Weil es sich um ein Fertighaus mit vielen Kunststoffteilen handelte, erzeugten die Flammen einen gewaltigen Qualm, der Kilometer weit sichtbar war. Wegen der Schaulustigen geriet der Verkehrs deshalb nicht nur auf der B 3, sondern auch auf der Autobahn ins Stocken. Der Rauch verteilte sich gleichmäßig über das Gelände rund ums Sportzentrum und sorgte vorübergehend für ein gespenstisches Straßenbild. Es war ein Einsatz, der Aufsehen erregte: nicht nur Bürgermeister Peter Riehl stürzte sofort an den Brandherd, sondern auch Kreisbrandmeister Peter Michels aus Leimen.

Als die Feuerwehr anraste, hatte sich die 78-jährige alleinstehende Bewohnerin des Häuschens bereits in Freie retten können. Wie die Brandermittler später erfuhren, hat die Frau das Feuer, das in ihrem Schlafzimmer ausbrach, selbst entdeckt. Bis gestern am späten Abend waren die Ermittlungen noch nicht ganz abgeschlossen. Nach ersten Erkenntnissen, könnte der Brand im Schlafzimmer von einer Heizdecke ausgelöst worden sein. Die Frau roch Brandgeruch aus dem Zimmer und öffnete die Tür. Durch die Sauerstoffzufuhr angefacht, breiteten sich die Flammen dadurch schlagartig aus. Die Frau stürzte aus dem Haus und wurde sofort von hilfsbereiten Nachbarn versorgt. Mit einer Rauchvergiftung wurde die 78-Jährige ins Krankenhaus gebracht. Einsatzkräfte und Passanten lobten die gute Nachbarschaftshilfe, die es am Wiesenweg gibt.

Die Brandbekämpfung war für die rund 60 Feuerwehrleute dennoch kein leichtes Unterfangen, weil sich die Flammen immer wieder verborgene Nester unterm Dach suchten. Scherer rief daraufhin die Kameraden aus Ladenburg zu Hilfe, die mit einer Infrarot-Kamera ausgestattet sind. Somit konnten die verborgenen Flammen geortet und gelöscht werden, bevor sie sich an der frischen Luft neue Nahrung besorgen konnten. Es dauerte rund eine Stunde, bis das letzte Flämmchen im Griff war - eine Nachtwache blieb natürlich bis heute Morgen am Brandherd.

Das Häuschen am Wiesenweg steht zwar noch auf seinen Fundamenten, aber Feuerwehr und Polizei gingen gestern Abend von einem vollständigen Brandschaden aus. Vermutlich sind die Außenwände nicht mehr zu gebrauchen. Die Brandermittler gaben den Sachschaden nach ersten Schätzungen in einer Höhe zwischen 120 000 und 150 000 Euro an - das dürfte dem Wert des Hauses entsprechen. Der Sohn und die Enkeltochter der 78-jährigen Geschädigten waren vor Ort; sie werden sich um die Frau kümmern.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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