20.08.2014

Ab Freitag ist in Schriesheim kein Durchkommen mehr

Ab Freitag ist in Schriesheim kein Durchkommen mehr

Von Carsten Blaue / Foto: Dorn

Schriesheim. Ab kommenden Freitag geht in der Schriesheimer Talstraße, der L 536, nichts mehr für den Durchgangsverkehr. Wer in den Odenwald will oder aus diesem heraus, muss dann zwei Wochen lang Umwege in Kauf nehmen. Der Anschluss der Talstraße an die Zufahrt zum Ostportal des Branichtunnels macht die Vollsperrung nötig. Die Anbindung an die Autobahn 5, die der Umleitungsstrecke am nächsten liegt, ist der Anschluss Hirschberg. Doch auch hier wird gebaut. Nämlich ein Kreisel für die Autobahnauffahrt in Richtung Frankfurt sowie für die -abfahrt aus Richtung Heidelberg. Auf beiden Baustellen hat das Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) das Sagen. Die Behörde muss sich damit abfinden, dass die Bürger nicht gerade begeistert sind. Weder von der Vollsperrung der Talstraße noch von den zusätzlichen Problemen durch den Kreiselbau in Hirschberg.

Hier reagiert man auf den permanenten Verkehrszuwachs an der Anschlussstelle. Auf der westlichen Seite der Anschlussstelle gibt es schon einen Kreisel. Der neue im Osten wird in zwei Phasen gebaut, erst der südliche Teil zusammen mit einem Neubau der Auf- und Abfahrt, dann der nördliche. Dessen Bau soll in etwa neun Wochen beginnen. Dann wird auch von der B 3 her der Autobahnzubringer, die L 541, voll gesperrt, um hier die Fahrbahndecke zu erneuern.

Dann müssen die Autofahrer auf jeden Fall auf die Anschlussstelle Schriesheim oder das Autobahnkreuz Weinheim ausweichen. Im Moment müssen sie das nur, wenn sie auf der A 5 gen Norden wollen. Doch auch das wird ab kommenden Freitag gerade für die Hirschberger und vor allem für den Teil des Verkehrs aus dem Odenwald, der sonst durch die Talstraße fließt, stressig genug. Durch die Vollsperrung in Schriesheim vom 22. August, 18 Uhr, bis 7. September, 24 Uhr, wird eine Umleitung in beiden Richtungen über die Hirschberger Ortsteile Leutershausen und Großsachsen und von dort aus über Rippenweier und Ursenbach. Tangiert sind vor allem Wilhelmsfeld, Schönau und Heiligkreuzsteinach.

Diese Umleitung müssen im Schriesheimer Tal auch Einrichtungen wie das Alten- und Pflegeheim "Stammberg" und das Waldschwimmbad auf sich nehmen. Denn sie sind ebenfalls vom direkten Weg in die Rheinebene abgeschnitten. Das sorgte bis zuletzt für Unmut. Das war zu erwarten. Vollsperrungen von viel befahrenen Straßen taugen grundsätzlich zum Aufreger.

In Schriesheim wird es so sein, dass Besucher des "Stammberg" nur über den Umweg zum Ziel kommen, das Freibad ist ausgerechnet während der Sommerferien für zwei Wochen nur für Fußgänger oder Fahrradfahrer direkt zu erreichen, die an der Baustelle vorbeikommen. Auch der Linienbus 628 nimmt die Umleitung. Zusätzlich werden Bedarfstaxis eingesetzt, die aus Schriesheim und Altenbach möglichst nah an die Baustelle heran fahren und die Talstraße, soweit es geht, bedienen.

Auch Sicherheitsbedenken gab es: Was ist, wenn der Krankenwagen ins "Stammberg" gerufen wird? Was ist, wenn es jenseits der Baustelle, etwa in einem der Schriesheimer Odenwaldortsteile, brennt und die Drehleiter zum Einsatz kommen muss, die in Schriesheim steht? Rotes Kreuz (DRK) und Feuerwehr gaben Entwarnung. Für den Rettungswagen, der eh aus Weinheim komme, sei die Umleitung kein Umweg. Zudem stellt das RP der Feuerwehr für die Zeit der Vollsperrung eine zweite Drehleiter zur Verfügung, die östlich der Baustelle geparkt wird und für die Kameraden über einen Waldweg zu erreichen ist.

Dass sich in Schriesheim die Vorfreude auf die Vollsperrung in Grenzen hält, lag im Vorfeld auch an der Kommunikation von RP und Stadt Schriesheim. Viele Bürger fühlten sich nicht früh genug und vor allem nicht ausreichend informiert. Daran änderte auch eine Bürgerversammlung nichts, in der sich der Unmut Luft machte.

Ralph Eckerle, der Bauleiter des Branichtunnels, dem mit 85 Millionen Euro zurzeit teuersten Projekt im Landesstraßenbau, erklärte seinerzeit, warum es ab 22. August nicht wenigstens einspurig an der Baustelle vorbeigehen kann. Zu eng sei es hier und zu tief. Die Talstraße muss bis zu drei Meter abgesenkt werden, um sie an den Tunnel anzubinden.

Eckerle sieht überdies keine großen Probleme darin, dass sich die Baustellen in Hirschberg und Schriesheim zeitlich überschneiden. Im Gegenteil. Es sei so gewollt: "Weil Sommerferien sind und wir maximal die Hälfte des Verkehrs haben. Was meinen Sie, warum im Moment an so vielen Straßen gearbeitet wird", sagte er gestern im RNZ-Gespräch. Außerdem würden sich die Baustellen gegenseitig nicht sonderlich beeinflussen. Dass der Weg zur Autobahn in Richtung Frankfurt über Weinheim oder die Anschlussstelle Schriesheim führt, sei nicht so tragisch. Über Schriesheim betrage der Umweg maximal fünf Kilometer, "und auf der B 3 wird auch kein Verkehrschaos ausbrechen. Da habe ich gar keine Sorgen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung