22.08.2014

Bald beginnt die Lese: Es sieht gut aus in den Weinbergen

An der Bergstraße freut man sich auf eine frühe Ernte und einen guten Jahrgang - Kirschessigfliege könnte zur Bedrohung werden

Von Carsten Blaue

Schriesheim/Wiesloch. Die Weinbauern des Winzerkellers Wiesloch werden gegen Ende der ersten Septemberwoche mit der diesjährigen Weinernte beginnen. Das teilte der technische Betriebsleiter und Kellermeister der Genossenschaft, Jürgen Knopf, auf RNZ-Anfrage mit. Auch die Schriesheimer Winzergenossenschaft (WG) stellt sich auf einen frühen Lesestart ein. "Und wir wären froh, wenn wir einfach mal in den Keller bekommen, was in den Weinbergen hängt", sagte WG-Geschäftsführer Harald Weiss.

Andererseits will er sich nicht in einen frühen Lesestart hineindrängen lassen: "Von Lage zu Lage ist es ja unterschiedlich. Wir müssen beobachten und rechtzeitig reagieren. Falls es noch früher losgehen müsste, hätten wir eine Notmannschaft für unser Kelterhaus parat".

Im Moment sieht es aber noch gut aus, nach Knopf zu urteilen sogar besser als im Vorjahr. Und auch die Menge scheint laut Reinhard Vogel in diesem Herbst etwas höher auszufallen: "Aber jetzt bitte keinen Regen mehr", so der Weinbaureferent beim Regierungspräsidium Karlsruhe (RP). "Wasser hatten wir jetzt wirklich genug. Dabei hatten wir letztes Jahr noch Trockenschäden", sagte Knopf. Gegen die Launen des Wetters ist der Winzer eben machtlos. Auch dieses Jahr.

Geht es nach Knopf, dann bleibt es jetzt so kühl, auch tagsüber. Aber was ist mit dem Zuckergehalt, den die warme Sonne in die Höhe treibt? "Öchslegrade sind nicht alles", so Knopf: "Bei um die 20 Grad Celsius reifen die Trauben langsamer aus, die Aromenausprägung ist besser. Außerdem ist der Entwicklungsstand der Beeren auch so schon gut." Die Reife hat etwa zehn Tage Vorsprung im Vergleich zum langjährigen Mittelwert. Vogel ist ebenfalls zufrieden: Peronospora und Oidium, der falsche und der echte Mehltau, seien noch keine großen Probleme. Und würde es jetzt noch mal richtig heiß, dann würde auch Fäulnis zur größeren Gefahr. Ein anderes Risiko für die Winzer mag kühle Tage und Nächte dagegen gar nicht gerne, sondern bevorzugt es eher feucht, warm und dunkel. Dieses Risiko ist etwa zwei bis dreieinhalb Millimeter kurz, hat einen gelb-braunen Körper mit dunkleren Streifen auf dem Bauch und rote Augen. Und es kann, wenn es ganz schlecht kommt, zum Albtraum der Winzer werden: Drosophila Suzukii, die Kirschessigfliege. Das Weibchen bohrt reife Früchte an, legt ihre Eier darin ab und macht sie in kürzester Zeit ungenießbar. Zudem öffnet die Fliege durch die Schädigung der Traubenhäute anderen Schädlingen sowie Krankheiten Tür und Tor. Im Kraichgau und an der Bergstraße wurde die Fliege schon nachgewiesen.

Doch Vogel warnte vor übertriebenen Reaktionen, auch wenn die Landratsämter Karlsruhe und Rastatt gemeinsam mit dem RP in einem "Sonderhinweis" vom 18. August über den aktuellen Stand beim Befall mit der Fliege informieren und Maßnahmen zur Bekämpfung aufzeigen: "In Nordbaden ist Drosophila Suzukii längst nicht so stark aufgetreten wie etwa im Markgräflerland. Außerdem gibt es ja auch noch Wespen, Vögel und Mäuse, die Schäden verursachen." Oder Wildschweine, wenn die besten Qualitäten erntereif sind. Die Schriesheimer können ein Lied davon singen. Auch Knopf relativierte die Gefahr der Kirchessigfliege: "Klar, bei uns ist die Fliege recht neu, und die Sorge ist sicher berechtigt. Aber zur Panik besteht gar kein Anlass. Es ist eben immer so: Bei Dingen, die man nicht kennt, bekommt man erst mal Schnappatmung." In Schriesheim warnte jedoch der junge Winzer Maximilian Jäck davor, die Kirschessigfliege zu unterschätzen: "Denn wenn der Essig erst mal im Weinberg hängt, ist das Geschrei groß." Zumal sich der Schädling massiv vermehren kann.

Inzwischen haben die Behörden zwei Insektizide zur Bekämpfung des Schädlings zugelassen. Sogar Öko-Winzern ist es erlaubt, Gift zu verwenden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung