25.08.2014

Und dann war die Schriesheimer Talstraße endgültig zu

Am Freitagabend wurden die Absperrgitter aufgestellt - Anwohner nahmen es mit Optimismus - Viele Autofahrer mussten umdrehen

Von Laura Geyer

Schriesheim. Noch herrscht reger Verkehr in der Talstraße. Es ist 17.45 Uhr. In 15 Minuten soll hier dicht gemacht werden. Der letzte Bus nutzt die freie Durchfahrt, bevor er für die nächsten zwei Wochen die Umleitung über Großsachsen nehmen muss. Bauleiter Ralph Eckerle kommt um die Ecke gebogen, die Uhr zeigt 17.55 Uhr. Noch immer fahren Autos am Hotel Scheid vorbei. In den nächsten zwei Wochen ist dann alles durchgetaktet, wird sieben Tage die Woche gearbeitet, damit die Straße so schnell wie möglich wieder geöffnet werden kann, sagt Eckerle.

"Morgen tragen wir die ganze Straße bis zum Campingplatz ab", erklärt er das weitere Vorgehen. Das Herausfräsen des Asphalts werde sicher laut, soll aber schon am heutigen Samstagabend beendet sein. Dann wird abgegraben. An der tiefsten Stelle - im Kreuzungsbereich, wo der Anschluss zum Branichtunnel entsteht - bis zu drei Meter tief. Und dann folgt sofort der neue Straßenaufbau, so Eckerle. Die Talstraße rückt an der Stelle etwas weiter nach rechts und wird ein Stück breiter, wegen der zusätzlichen Abbiegerspur.

"In zwei Wochen werden wir den Verkehr irgendwie wieder durchlassen", meint der Bauleiter. Irgendwie? "Naja, im besten Fall ist dann alles fertig, im schlechteren Fall öffnen wir erst mal nur einseitig", erklärt er. Das hänge vor allem von der Witterung ab. Es bleibe aber definitiv beim 7. September, fügt er noch hinzu. Dann ist es endlich soweit - um mittlerweile 17.25 Uhr: Eckerle packt selbst mit an, und innerhalb weniger Minuten sind alle fünf Absperrgitter aufgestellt. Die Talstraße ist zu.

Nein, da kommt noch einmal ein Auto von oben und muss rausgelassen werden, kurz darauf noch eins. Jetzt aber wirklich. Mit Genugtuung beobachtet Wilhelm Weidner den Moment. "Da geht mir das Herz auf", sagt der Vorsitzende der Bürgerinitiative zu Entlastung der Talstraße. Seit über 30 Jahren habe er darauf gewartet. Jetzt wird es bei ihm zu Hause erst mal ruhig: Weidner rechnet mit zwei, drei Prozent des Verkehrs, der sonst an seinem Heim am westlichen Ende der Talstraße vorbeikommt.

Auf die zumindest nächtliche Ruhe freut sich auch Gerlinde Koschorreck, die direkt im Kreuzungsbereich wohnt: "Jetzt können wir zwei Wochen mit offenem Fenster schlafen!" Die Anwohnerin zeigt viel Verständnis. "Man muss da einfach durch, irgendwann müssen sie es ja machen", meint Koschorreck. Die Arbeiter seien sehr freundlich, und für alle auftauchenden Probleme gebe es eine Lösung. So wie jetzt für ihre Tochter, Simone Large, die zur Arbeit nach Wilhelmsfeld muss - und ihr Auto einfach oben hinter der Sperrung geparkt hat. "Wir freuen uns, wenn's fertig ist", meint Koschorreck, "dann weiß man wahrscheinlich ganz schnell nicht mehr, wie es vorher aussah".

Optimismus zeichnet auch die Anwohner des Griethwegs aus: Unter Weinreben haben sie Tische und Bänke aufgestellt und liebevoll dekoriert. Es riecht nach Grillfleisch, eine lange Tafel wartet mit Salaten und Beilagen auf. "Wir machen ein Fest unter dem Motto 'Baustellen-Geschädigte'", erzählt Doris Miech. An die 20 Anwohner sind zusammen gekommen, jeder steuert etwas bei. "Letztes Jahr hat Ulrike Lienhard das zum ersten Mal organisiert", erklärt Miech, und fügt hinzu: "Viele Nachbarn habe ich bis dahin gar nicht gekannt, obwohl ich seit über 50 Jahren hier wohne."

Immer wieder fahren Autos an den Feiernden vorbei den Griethweg hoch, nur um kurz darauf zurückzukehren. Die meisten haben auswärtige Nummernschilder. Nicht so an der Absperrung in der Talstraße, hier sind es vor allem HD- oder MA-Kennzeichen. "Ob die mich noch kurz durchlassen", meint eine Fahrerin, "die Kinder schlafen ja schon fast ein". Keine Chance.

Besser sieht es da für einen älteren Herrn im Elektro-Rollstuhl aus, der sich abmüht, über den Schotterweg am Hotel Scheid vorbei wieder auf die Talstraße zu kommen. Für ihn macht der Bauarbeiter noch einmal die Absperrung auf. Und dann fährt der Mann gemütlich mitten auf der leeren Talstraße weiter.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung