06.11.2003

Die Agenda-Sonne lacht nur wenigen

Was nach fünf Jahren noch funktioniert, ist an den Fingern einer Hand abzuzählen

Agendaprojekt Bürgerstrom: Alfred Burkhardt und Christian Schwab. Foto: Dorn

Schriesheim. Wenn man es ganz genau nimmt, dann gibt es in Schriesheim nur ein einziges Agenda-Projekt, das die fünf Jahre seit der ersten Zukunftskonferenz überstanden hat: Das ist der Tauschring, eine Art Börse von Fertigkeiten und Dienstleistungen, Talente genannt. Als Projekt ist er gleich nach dem November 1998 entstanden. Monika Stärker-Weineck und Petra Waegner leiten den Tauschclub bis heute - und das recht erfolgreich. Die große Auphorie ist mittlerweile abgeklungen, berichtete Monika Stärker-Weineck der RNZ. Nichtsdestotrotz arbeitet der Tauschring konstant zum Wohle seiner Mitglieder.

Anfangs sind pro Woche schon mal fünf neue Mitglieder eingetreten, diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen hat sich die Mitgliederzahl etwa bei 50 Leuten eingependelt; das genügt , um einen vernünftigen Tauschhandel von Talenten aufrecht zu erhalten. 5826 Talente seit der Gründung des Vereins wurden seither getauscht - die Einheit wird 15-minutenweise gerechnet. Babysitten, Hilfe bei Festen und kleinere handwerkliche Tätigkeiten sind am meisten gefragt. Im Rathaus hat die Stadt dem Tauschring ein Büro zur Verfügung gestellt. "Die Stadt stellt uns organisatorische Hilfe zur verfügung", sagt Stärker-Weineck. Sie ist zufrieden, obwohl: "Ein bisschen mehr Dynamik würden wir uns schon wünschen."

Vor zwei Jahren gründete sich die zweite Agenda-Bewegung als Verein: der Kits e.V., der sich einmal in der Woche um die Nachmittagsbetreuung von Schulkindern kümmert. Annette Reimelt ist nach wie vor die Vorsitzende, sie hat den Verein auch ins Leben gerufen. Der "Kits-Club" ist nach wie vor sehr rege und organisiert regelmäßig Veranstaltungen für die Kinder, deren Eltern Mitglieder geworden sind. Der Kits e.V. schreibt seit zwei Jahren eine Erfolgsgeschichte und beweist gleichsam, wie erfolgreich der Agendaprozess münden kann: vor allem auch, wie er der Gemeinde Aufgaben abnehmen kann; das ist Bürgerengagement im besten Sinne. Aus den sieben Gründungsfamilien sind mittlerweile 40 geworden. "Zwar tun wir uns bei der Betreuung mit der Ehrenamtlichkeit etwas schwer", gesteht Kits-Gründerin Annette Reimelt zu, dafür ist die Zahl der Mitglieder inzwischen groß genug, um zwei Honorarkräfte zu bezahlen. 25 bis 30 Kinder werden einmal in der Woche betreut, so dass die Vorstände schon eine Warteliste erwägen. Auch schielt der Verein, der sich seit zwei Jahren mit dem DRK-Heim begnügt, schon nach größeren Räumen.

Und seit etwa einem Jahr scheint die Sonne über dem nächsten Agenda-Projekt, das wie der "Kits e.V." aus der zweiten Zukunftskonferenz des Jahres 2000 hervorgegangen ist: Die Bürgerstromanlage auf dem Dach des Schulzentrums. Dabei war es sicherlich am einfachsten, auf große Resonanz zu stoßen, weil hinter der Photovoltaik-Anlage natürlich eine professionelle Verwaltung steckt, in diesem Falle die Mannheimer Energiefirma MVV. Ins Leben gerufen wurde die Aktion von einer engagierten Truppe um Christian Schwab und den Altenbacher Ortsvorsteher und Architekten Alfred Burkhardt. Die Bürgerstromanlage produziert, gerade nach diesem heißen Sommer, reichlich Öko-Strom, dessen Gegenwert die beteiligten Bürger ausgezahlt bekommen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung