25.05.2018

Vorentwurf für neuen Flächennutzungsplan abgesegnet

Ein Angebot, das sie schwer ablehnen können - 18 Hektar für mögliches Neubaugebiet südlich des Schlittwegs

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Eigentlich sind die Voraussetzungen gut: Das Areal ist flach, gut zu erschließen, die nächste Straßenbahnhaltestelle nur etwa 300 Meter entfernt, zwei Supermärkte liegen noch näher. Städtebaulich eignen sich die 18 Hektar südlich des Schlittwegs gut für ein Neubaugebiet, aus Sicht des Umweltschutzes sind sie laut Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim "weniger günstig". Der Gemeinderat hat sich vergangene Woche dennoch dafür ausgesprochen, die Fläche als mögliches Wohnbaugebiet ausweisen zu lassen.

Bis dort jemals Häuser entstehen, ist es aber noch ein langer Weg: Nach dem Beschluss des Flächennutzungsplans müsste der Gemeinderat zunächst einen entsprechenden Bebauungsplan aufstellen. Auch die Grundstückseigentümer müssen mit einbezogen werden, denn der Stadt selbst gehören in dem Gebiet laut Bürgermeister Hansjörg Höfer keine Flächen. Eine Klausurtagung zum Thema Neubaugebiet haben Verwaltung und Gemeinderat allerdings Anfang des Monats bereits abgehalten.

Konkrete Entscheidungen wurden dabei laut RNZ-Informationen noch nicht getroffen. Daran, dass es in der Stadtgroßen Bedarf für Wohnraum gibt, zweifelt im Gremium aber offenbar niemand. "Die Stadt ist als Wohnraum sehr gefragt", sagte CDU-Stadtrat Karl Reidinger in der jüngsten Sitzung. Sein Kollege Sebastian Cuny von der SPD bezeichnete die Schaffung von Wohnraum als "wichtigste städtebauliche Aufgabe".

Und eine Alternative zur Fläche südlich des Schlittwegs gibt es für ein Neubaugebiet derzeit nicht: In Richtung Norden wird die Bebauung von der L 536 begrenzt, im Osten von den Weinbergen, im Westen von möglichen Überschwemmungsgebieten bei Hochwasser sowie Lärmbelastung durch Autobahn und Zubringer. Im "Oberen Schlittweg", wie das Gebiet im Flächennutzungsplan genannt wird, sind Lärmquellen wie die B 3, A 5 und die Bahnen der RNV laut Gutachten bei einer entsprechenden Bebauung dagegen kein Problem. "Ich halte das Gebiet für geeignet", sagte deshalb Heinz Kimmel, Fraktionssprecher der Freien Wähler. "Die Fläche hat eine sehr gute Qualität", findet auch Martin Müller, Geschäftsführer des Nachbarschaftsverbands. Das Gebiet sei zudem landschaftlich "sehr interessant", gerade vor dem Hintergrund der Naherholung. Darin liegt aber auch der große Nachteil der Fläche: Bisher wird sie überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Der Boden ist laut Gutachten hochwertig und fruchtbar, auf dem Gebiet stehen Streuobstbäume und Feldgärten. Durch ein Neubaugebiet wäre ein Verlust von "zahlreichen hochwertigen Biotopstrukturen" zu erwarten, heißt es im Gutachten des Nachbarschaftsverbands.

Um diese Nachteile auszugleichen, werden viele Grünflächen und der Erhalt von Bäumen und Sträuchern empfohlen. Wo mögliche ökologische Ausgleichsflächen liegen könnten, ist in dieser Planungsphase noch unklar. "Wir müssen aufpassen, dass diese Region ihren zum Teil landwirtschaftlichen Charakter erhält", mahnte Robert Hasenkopf von der Grünen Liste. Doch auch deren Fraktion steht einem Neubaugebiet mehrheitlich nicht ablehnend gegenüber. Gleiches gilt bisher für die Schriesheimer, die sich bei der Bürgerbeteiligung zum Flächennutzungsplan einbrachten: Vier sprachen sich für eine Wohnbaufläche aus, nur einer dagegen.

Und so klingt eine Bebauung südlich des Schlittwegs trotz ökologischer Nachteile bisher nach einem Angebot, das der Gemeinderat künftig wohl nur schwer ablehnen kann.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung