05.07.2018

Waldbrände in der Region: Höchste Gefahrenstufe ist erreicht

Waldbrände in der Region: Höchste Gefahrenstufe ist erreichtTrockenes Wetter lässt Risiko steigen - Selbst weggeworfene Glasflaschen können Unterholz entzünden

Blockierende Wetterlagen können zu jeder Jahreszeit die Gefahr von Waldbränden steigen lassen. Die Auswirkungen erlebte die Feuerwehr Weinheim auch am 2. April 2002, als das Unterholz hinter der "Akademie Deutsches Bäckerhandwerk" großflächig brannte. Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Rhein-Neckar. Hohe Temperaturen, blauer Himmel, geringe Luftfeuchtigkeit: Das anhaltende Sommerwetter in der Region lässt nicht nur Freibad- und Eiscafé-Betreiber frohlocken, sondern auch die Gefahr von Waldbränden steigen. Derzeit bewegt sich das Risiko laut Deutschem Wetterdienst (DWD) zwischen den beiden höchsten Stufen vier und fünf - in Karten dargestellt durch die Farben Rot und Lila. Auch das Landratsamt warnt wegen der gestiegenen Gefahr.

"Die letzten Niederschläge in der Region, die tatsächlich auf dem Waldboden ankamen, liegen bereits über vier Wochen zurück. Besonders in den trockenen Kiefernwäldern auf sandigen Böden zwischen Mannheim und Altlußheim besteht ein extrem hohes Waldbrandrisiko", sagt Sebastian Eick, Leiter des Forstbezirks Rheintal-Bergstraße und des Forstamts Mannheim.

"Blockierende Wetterlagen" nennen Meteorologen wie Adrian Leyser vom DWD solche Phasen, in denen Hochdruckgebiete Tiefausläufern aus dem Westen den Weg nach Europa versperren. Während im April und Mai weite Teile des Südwestens noch von Schauern und zum Teil heftigen Gewittern bewässert wurden, sind diese im Juni immer seltener geworden.

Was Nachlässigkeit oder gar mutwillige Brandstiftung in einer solchen Wetterlage bedeuten können, hat Ralf Mittelbach, Kommandant der Weinheimer Feuerwehr, erlebt. Großflächig brannte zum Beispiel das Unterholz bei der "Akademie Deutsches Bäckerhandwerk" vor rund 16 Jahren. "Das war damals im April, auch durch anhaltende Hitze bedingt."

Meist sind es in den Mischwäldern der Region dann nicht Bäume, die in Flammen stehen, sondern Äste, Zweige und Blätter am Boden. Auch Schriesheim mit seinen rund 1800 Hektar Wald hat damit schon Erfahrungen sammeln müssen. Der Wald wird als Naherholungsgebiet zum Wandern und Mountainbiken genutzt.

Deshalb warnt auch dort die Freiwillige Feuerwehr nun vor den Gefahren eines Flächenbrands. "Das beginnt schon bei unachtsam weggeworfenen Glasflaschen", sagt Kommandant Oliver Scherer. "Auch durch den Brennglaseffekt kann sich trockenes Gras entzünden."

Die Stadt hat als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend verboten, Grünschnitt zu verbrennen. Landesweit gilt zudem von 1. März bis 31. Oktober ein grundsätzliches Rauchverbot im Wald, bei erhöhter Brandgefahr können auch Grillplätze geschlossen werden.

Zwar hatte Schriesheim seit Jahren keine größeren Probleme mehr mit Waldbränden, die aktuellen Warnungen nimmt Scherer aber trotzdem sehr ernst. "In bergigen Gegenden breiten sich solche Brände schnell hangaufwärts aus", sagt er. "Wir müssen das Feuer in solchen Fällen von der Seite angreifen und vor allem Wege finden, das Löschwasser zu transportieren. Im Wald haben wir nicht gerade viele Hydranten."

Am vergangenen Wochenende hat die Schriesheimer Wehr deshalb wieder eine Waldübung abgehalten. Dabei achten die Einsatzkräfte auch auf Falschparker: "Zum Glück hat sich das in den letzten Jahren sehr gebessert."

Sollten Spaziergänger einen Brand entdecken, rät Scherer zur Vorsicht. "Wenn es ein kleines Feuer ist, kann man es selbst löschen. Aber niemand sollte sich selbst in Gefahr begeben."

Wenn jemand selbst löschen will, sollten Flammen von der bereits abgebrannten Fläche angegangen werden: "Sonst kann es schnell passieren, dass man von Flammen eingeschlossen wird. Die bewegen sich bei Wind mehrere Kilometer pro Stunde schnell."

In jedem Fall sollte zur Nachkontrolle die Feuerwehr gerufen werden - gerade bei der aktuellen Wetterlage. Eine Entspannung ist laut DWD nicht in Sicht: "Auf Basis der aktuellen Berechnungen ist zu befürchten, dass sich auch mittelfristig nur wenig ändert", so Meteorologe Leyser.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung