22.07.2018

Kranke Tiere haben jetzt ihr eigenes Haus

Kranke Tiere haben jetzt ihr eigenes HausWeinheimer Tierheim weihte seine Quarantäne-Station ein - Möglich gemacht hat dies der "Tierhilfe-Verein Marwin" aus Schriesheim

Von Günther Grosch

Weinheim/Schriesheim. Dank der finanziellen Unterstützung des in Schriesheim beheimateten "Tierhilfevereins Marwin" um seinen Vorsitzenden Karl F. Glenz verfügt das in der Tullastraße beheimatete Tierheim in Weinheim seit vergangener Woche nun auch über ein eigenes, knapp 50 Quadratmeter großes Quarantäne-Haus.

Es handelt sich um eine Isolierstation mit Boxen für zwölf Katzen und zwei Hunde. Darüber hinaus verfügt das Haus über einen Zwischen-Bereich sowie die erforderliche Hygiene- und Pflegeausstattung. Rund 124.000 Euro hat das auch aus hygienischen Gründen in Massivbauweise errichtete Häuschen gekostet, das zudem spezielle "Schlafecken" als Rückzugsgebiete aufweist.

Dies bedeute einen "Meilenstein" und einen "Glücksfall" für das Tierheim zugleich, so dessen Erster Vorsitzender Karl Stippinger, als ihm Glenz den symbolischen Scheck mit der Restsumme von 24.000 Euro überreichte. Hinter "Marwin" verbirgt sich das Ehepaar Margot und Erwin Pfeil, das seinen Nachlass dem Förderverein Tierhilfe vermacht hat.

Eine Zeit lang habe sogar die Zukunft des Tierheims auf dem Spiel gestanden, wie Stippinger offenbarte: "Weil das Veterinäramt in jedem Tierheim eine Kranken-Isolierstation vorschreibt, die eine artgerechte und professionelle Tierpflege garantiert." Aus eigener finanzieller Kraft hätte man die Vorgaben nicht erfüllen können, so Stippinger.

So verfügte das Tierheim bis zur Fertigstellung der Quarantäne-Station lediglich über eine "improvisierte Krankenstation", in der kranke oder ansteckende Tiere vereinzelt gehalten werden konnten. Marwin sei ein kleiner, aber schlagkräftiger Verein, der sich die finanzielle Unterstützung von ehrenamtlichen Tierschutzorganisationen zum Ziel gesetzt habe, erläuterte Glenz. Er und der Verein seien stolz darauf, ein solches Projekt fördern und unterstützen zu können. Gleichzeitig wolle man damit auch Kinder und Jugendliche für artgerechte Tierhaltung sensibilisieren.

Vonseiten des Tierheims war aus Kostengründen ursprünglich lediglich eine Containerlösung vorgesehen. Auflagen des Veterinäramts sowie Mehrkosten durch den notwendig werdenden Bodenaustausch des durch Holzabfälle vermüllten und zusätzlich sumpfigen Baugrunds verteuerten den Bau.

Lob und Dank für das vorbildhafte Zusammenwirken sowie das "Engagement in der Sache und bei den Finanzen" kam von Oberbürgermeister Heiner Bernhard. Aus einer ursprünglich labilen und schwierigen Situation vor Ort sei mit den Jahren eine stabile Einheit erwachsen. Was auch in der Person von Stippinger begründet liegt.

Dass aus dem ehemaligen "Stiefmütterchen" Tierheim mittlerweile eine "schöne Blume" erblüht ist, hängt auch mit der interkommunalen Solidarität der Gemeinden entlang der Bergstraße zusammen, die das Tierheim als Anlaufstation nutzen. Sie freue sich umso mehr, wenn derartige Projekte durch Stiftungen ermöglicht würden, bedankte sich die Tierberaterin beim Deutschen Tierschutzbund, Dr. Katharina Pasche, bei Glenz und der Zweiten Vorsitzenden des Tierhilfevereins, Frauke Rudloff-Martin. Für das Weinheimer Tierheim reißt die Arbeit dennoch nicht ab, wie dessen Leiterin Jutta Schweidler erklärte. An der Elektrik des in den 1980er-Jahren erstellten Gebäudekomplexes nagt der Zahn der Zeit.

Nächstes Projekt ist die Sanierung der Elektrotechnik

Die alten Kabel und Sicherungen genügen nicht mehr heutigen Anforderungen. Wurden doch damals "aus der Not und aus Sparsamkeitsgründen heraus" die elektrischen Leitungen in Eigenleistung vieler Ehrenamtlicher verlegt". Heute allerdings weiß niemand mehr, wo genau diese Leitungen verlaufen.

Auf "zwischen 30.000 und 50.000 Euro" schätzt die Vorstandschaft die Kosten der Neuelektrifizierung. Und macht sich deshalb auch keine Illusionen, dafür aber umso mehr Gedanken, wie diese Summe von dem kleinen Verein und seinen 350 Mitgliedern aufgebracht werden soll: "Wir sind auf Sponsoren und Spender angewiesen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung