14.08.2018

Grüne Lunge mit skurrilen Fundstücken

Grüne Lunge mit skurrilen FundstückenIn der Serie "Blühendes Schriesheim" stellt die RNZ besondere Gärten und ihre Besitzer vor - Heute: Oskar Frieß’ Deko-Sammelsurium

Ein Telefonmast, Isolatoren oder das Konglomerat einer Gletscherzunge: Es gibt kaum etwas, das Oskar Frieß nicht in seinem Garten als Deko-Element verwenden kann. Foto: Dorn

Von Carolina Paul

Schriesheim. Wirft man einen Blick in Oskar Frieß’ Garten, fallen einem zwei Materialien direkt ins Auge: Holz und Stein. Um genau zu sein: Arven- und Feuerholz sowie Sand- und Pflasterstein. Letztere hatte er vor rund 35 Jahren beim Abriss des alten Bahnhofs ergattern können: "Ich bin hingegangen und habe gefragt, was mit denen gemacht wird. Die Arbeiter meinten, dass ich sie mitnehmen könnte." Frieß zögerte nicht lange und lud die Steine auf seinen Anhänger. "Ich hab ihnen dann noch drei Kästen Bier vorbeigebracht", erinnert er sich. Seit Jahren schmücken die Pflastersteine nun schon den Bereich zwischen Haus und Garten und sind von dort gar nicht mehr wegzudenken.

BLÜHENDES SCHRIESHEIM

Die Steine sind aber nicht der einzige Schatz, den Frieß durch Nachfragen ergatterte. Auf der linken Seite seines Gartens prägt zum Beispiel ein skurriler Telefonmast das Gesamtbild. Daran hängen alte Isolatoren aus aller Herren Länder, die der Hobbygärtner über die Jahre gesammelt hat. "Ich weiß nicht genau, wann der Strom nach Schriesheim gekommen ist, aber die Isolatoren dort drüben müssten die allerersten vom alten Rathaus gewesen sein", vermutet der ehemalige Mitarbeiter eines Stromversorgers.

Einige davon hat er während seiner Urlaube gefunden und mit nach Hause genommen. Aber nicht nur bei den Isolatoren bewies Frieß den Blick für das Außergewöhnliche, sondern auch bei den anderen Deko-Elementen in seinem Garten. Einen gut erhaltenen alten Handwagen und Schlitten hat er auf einem Flohmarkt erstanden, jetzt schmücken sie als umfunktionierte Blumentopfständer die Wiese. Was zunächst nach einem einfachen Steinbrocken aussieht, entpuppt sich da schnell mal als Konglomerat einer Gletscherzunge, das schon Tausende von Jahren existiert.

In der grünen Lunge der Familie Frieß verschmelzen solche Kuriositäten einfach mit den umliegenden Beeten. Zwischen Bohnen, Zwiebeln und Pfingstrosen ist da auch mal ein Sandsteinblock von einem Hausumbau aus der Heidelberger Altstadt zu finden. Auch dieses prachtvolle Stück hätte die Baufirma vermutlich entsorgt, in Oskar Frieß’ Garten ist es da deutlich besser aufgehoben.

Das Sammeln von besonderen Steinen ist aber nur ein kleiner Teil seiner Passion, seine größte Leidenschaft gilt dem Holz. Aber nicht etwa seinem Brennholz, das sterweise in einer Ecke seines Gartens lagert, sondern dem Holz der Zirbelkiefer, die auch unter dem Namen Arve bekannt ist. Dessen ätherisches Öl soll das menschliche Wohlbefinden steigern und duftet angenehm.

Im Frieß’schen Garten findet man es vor allem als Dekorationselement wieder, in seiner Wohnung aber auch als Möbelstück. Auf seinem grünen Fleckchen Erde setzt er es zusammen mit Holzmobiles und Topfpflanzen in Szene. Ebenfalls etwas Besonderes ist die Araukarie aus Chile, die in einem großen Blumenkübel auf der Wiese wächst. Vor gut zehn Jahren habe sein Sohn ihm den Samen aus Südamerika mitgebracht, erzählt Frieß. Seitdem wachse das stachelige Gewächs, reiche aber gerade mal bis zum Knie hoch.

Während die Araukarie weniger Probleme mit der Hitze zu haben scheint, leiden die anderen Pflanzen, wie Schwertlilien, Oleander und Haselnussbaum ziemlich unter den Temperaturen. Damit diese auch nach der Hitzewelle noch einigermaßen passabel aussehen, holt Frieß mindestens einmal die Woche 400 bis 500 Liter Wasser aus dem Odenwald. "Man muss immer hinterher sein", sagt er. Seinen Rasen und einige andere Pflanzen habe er schon an die Hitze verloren.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung