10.09.2018

Für Michael Ritschel ist Minigolf pures Adrenalin

Für Michael Ritschel ist Minigolf pures AdrenalinMit der Herren-Mannschaft steht er jetzt kurz vor dem Aufstieg in die Zweite Liga

Volle Verantwortung: Beim Heimspieltag trat Michael Ritschel wieder als letzter Spieler für das Team des Miniaturgolf-Sportclubs an. "Er braucht das wohl", sagt seine Frau Nassim Alizadeh dazu. Foto: Dorn

Von Marco Partner

Schriesheim. Der erste Schlag ist gleich ein Ass. Bei der zweiten Bahn braucht Michael Ritschel immerhin zwei Versuche, bis der kleine Ball im Loch zappelt. Schon Grund, sich ein wenig zu ärgern. Bei einem normalen Freizeitspiel würde der Schriesheimer wohl locker auf dem 18-Bahnen-Parcours gewinnen. Denn der 34-Jährige ist professioneller Mini-Golfer. In der dritten Bundesliga peilt er mit dem MC Schriesheim den direkten Wiederaufstieg in Liga zwei an.

Michael Ritschel bekam sein Talent für Ball und Schläger quasi in die Wiege gelegt. Vater Reiner spielte in den 1970er Jahren mit den Schriesheimern in der Ersten Bundesliga und wurde nicht nur Deutscher Meister, sondern auch Europameister. Auch seine Mutter Erika mischte mit. Und so bekam der Sohnemann bereits mit fünf Jahren Ball und Schläger geschenkt und nahm im Alter von zehn für den MC an den Deutschen Jugendmeisterschaften teil. Heute ist er Vorsitzender des Vereins.

Der Reiz am Minigolf: "Man versucht das Beste für die Mannschaft einzubringen", erklärt Ritschel. Denn was zählt, ist weniger das individuelle Abscheiden, sondern stets die Team-Wertung. Hinzu kommen Anspannung und steigende Nervosität bei den Wettkämpfen, wenn plötzlich alle Augen gebannt auf den einen Schlag schauen. "Dann pumpt das Herz superschnell. Das ist pures Adrenalin."

Eine Situation, in die sich der 34-Jährige gerne begibt. Auch beim letzten Spieltag der Saison tritt der Schriesheimer als Letzter für sein Team an. Fehler darf er sich nicht erlauben. "Der letzte Spieler muss alles rausholen", sagt seine Frau Nassim Alizadeh. "Er braucht das wohl."

Anfangs habe sie ihren Mann schon ein wenig belächelt, als er ihr sagte, dass Minigolf seine große Leidenschaft ist. "Aber wenn man tiefer einsteigt und lernt, welche verschiedenen Techniken und Anspielpunkte es gibt, ist es ein Sport, bei dem man sich schnell weiterentwickeln und für den man sich faszinieren kann", findet sie. Vor allem auf eine entspannte Aura kommt es vorm Kugelschlag an. Volle Konzentration und Fokussierung sind gefragt. "Es ist ein Geduldspiel, bei dem es um jeden Millimeter gehen kann", weiß sie, dass der Sport an den Nerven zehrt. "Man muss absolut bei sich sein und abschalten können. Es ist wie ein Tunnelblick", fügt ihr Mann hinzu.

Wichtig beim Schlag seien ein stabiles Handgelenk und Körperspannung. "Ellenbogen, Handgelenk und Schläger müssen ein Dreieck bilden. Das ist für uns wie die Bibel", sagt er. Dass er eine Bahn dennoch mal total versemmelt, komme aber auch vor. Dann braucht Ritschel eben einmal vier Versuche. Dass er aber einen Otto schlägt, sprich auch der sechste Schlag nicht im Loch landet? "Nein, so schlimm war es noch nie", sagt er und lacht. Durchaus sei aber eine gewisse Grundfitness fürs professionelle Minigolfen nötig. Schließlich dauern die Spiele manchmal bis zu acht Stunden, man ist viel auf den Beinen. Finanziell leben könne man von dem Sport aber selbst als Bundesligaprofi nicht. "Es reicht bei uns gerade, um die Fahrtkosten zu decken. Es geht um Ruhm und Ehre."

Damit, ab und an die Freizeitsport-Schublade gesteckt zu werden, kann Ritschel leben. "25 Millionen Menschen spielen in Deutschland Minigolf. Natürlich gibt es das typische Bild mit Familien und Kindern, die einen Ausflug zur Anlage unternehmen, eine Runde spielen und am Ende ein Eis essen. Aber das ist doch auch schön", sagt er. Und bei genauem Hinsehen lebt auch die dritte Minigolf-Bundesliga mit Gegnern aus Heilbronn, Ohlsbach oder Tuttlingen nicht nur vom sportlichen, sondern von der sozialen Komponente.

Denn das Besondere geschieht häufig abseits der Bahnen, wenn locker und humorvoll mit den Gegenspielern geflachst wird. Ritschel: "Man lernt extrem viele Charaktere, von der Hausfrau bis zum Manager, von 16- bis über 70-Jährige, kennen. Ein bisschen spiegelt sich die Gesellschaft wieder, und alle Generation spielen gemeinsam in einer Liga." Beim Minigolf hat man also alles auf einen Schlag. Auch wenn man an manchen Bahnen mal zwei oder mehr Versuche braucht.

Info: Am 6. und 7. Oktober spielt der MSC Schriesheim in Weinheim um den Aufstieg in die zweite Bundesliga. Das Besondere: Bis in die zweite Liga wird in gemischten Gruppen gespielt, erst in der Bundesliga werden die Teams separat in Frauen- und Männerteams eingeteilt. Mehr Informationen zum Verein gibt es im Internet unter mcschriesheim.de.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung