02.10.2018

Altenbach stirbt aus: Nach dem Lebensmittelladen verschwindet jetzt auch das Bank-Personal

"Maschinen" lösen die Bankberater in der Volksbank vor Ort ab. Die Infrastruktur des Schriesheimer Ortsteil schwindet kontinuierlich. Sind die Altenbacher "selbst schuld" daran?

Von Anna Manceron

Schriesheim. Ein bisschen fühlt es sich für die Altenbacher an, wie im Frühjahr 2017. Damals schloss die Sparkasse Rhein Neckar Nord ihre Zweigstelle in der Hauptstraße ein für alle Mal. Viele Kunden wechselten daraufhin zur Volksbank Kurpfalz, die im Haus gegenüber eine Filiale hat. Sie werden nun erneut enttäuscht. Die Filiale in Altenbach wird die Volksbank zwar nicht komplett auflösen, aber das Personal nach Wilhelmsfeld verlegen.

Statt von Bankberatern werden die Kunden in Altenbach dann nur noch von Maschinen bedient. Dann müssen sie am Selbstbedienungsautomaten (SB) nicht mehr nur Geld abheben, sondern auch Überweisungen tätigen. Oder ganz anders: Sie erledigen alle Bankgeschäfte künftig per Online-Banking über die Internetseite ihrer Bank oder mit einer App fürs Smartphone.

Eine Entwicklung, mit der sich Alexander Pfeifer längst abgefunden hat. Der 39-jährige Altenbacher benutzt für seine Bankgeschäfte fast ausschließlich das Internet. Nur bei größeren Anliegen wendet er sich noch direkt an die Bankberater. Dass in der Zweigstelle in Altenbach bald kein Ansprechpartner mehr sein wird, findet er "traurig".

Gerade älteren Menschen wird es jedoch schwer fallen, ihre Geschäfte über das Online-Banking zu erledigen. Viele von ihnen haben noch nicht einmal einen Internet-Anschluss zu Hause, ganz zu schweigen von einem digitalen Bankkonto. Für die Beratung am Schalter werden sie ab Dezember in die Volksbank-Filialen nach Wilhelmsfeld oder Schriesheim fahren müssen.

"Es ist schon ein gewisser Verlust der Infrastruktur in Altenbach", erklärt Ortsvorsteher Herbert Kraus am Montag im Gespräch mit der RNZ. Diesen Verlust bekommt Petra Tison schon jetzt ganz unmittelbar zu spüren. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet die 57-Jährige den "Exklusiv-Shop" in der Hauptstraße. Dort bietet sie neben Zigaretten, Tabak, Zeitungen und Schreibwaren auch Süßigkeiten an.

Seit der Lebensmittelladen Pröll ein paar Meter weiter zugemacht hat, kommen nun noch weniger Kunden in ihr Geschäft. "Früher haben die Leute mit dem Auto angehalten, um Brötchen zu holen und haben danach noch schnell bei mir im Laden vorbeigeschaut", erzählt sie. Heute kämen nicht mehr viele. "Altenbach stirbt aus", sagt die Geschäftsfrau und zuckt resigniert mit den Schultern. Seit 20 Jahren führen Tison und ihr Mann den "Exklusiv-Shop". Die Zeiten, in denen sie von dem Geschäft gut leben konnten, sind jedoch längst vorbei. "Der Laden ist nur noch unser zweites Standbein", berichtet die Händlerin. Ihr Mann arbeitet inzwischen hauptberuflich beim Netzanbieter Unitymedia - nachdem er seine tägliche Frühschicht im Shop absolviert hat. "Morgens läuft das Geschäft auch noch ganz gut", sagt Tison. Den meisten Umsatz macht sie mit Lotto-Scheinen und dem Paketshop. "Die Leute bestellen ziemlich viel im Internet und holen es dann hier ab", erzählt sie.

Dass der Einzelhandel im Ort fast ausgestorben ist, hält der Ortsvorsteher übrigens für ein hausgemachtes Problem. "Da sollten sich die Leute mal an die eigene Nase fassen", meint Kraus. Auf der einen Seite beschwerten sich viele alte Menschen darüber, dass es kaum mehr Einkaufsmöglichkeiten in Altenbach gebe. Andererseits führen sie mit dem Bus nach Schriesheim und kauften bei Aldi oder Lidl ein, "nur weil es dort ein paar Euro günstiger ist".

Die Altenbacher seien daher "selbst schuld" daran, dass der Lebensmittelladen Pröll schließen musste. Trotzdem blickt Kraus auch zuversichtlich in die Zukunft: "Wir haben zwar viele Einzelhändler verloren, aber neue Angebote an Land gezogen", betont er. Zum Beispiel den kleinen Wochenmarkt, der seit Mitte August auf dem Marktplatz zu finden ist - mit Obst von der Baumschule Jäger, einem Stand vom Talhof sowie einem Hähnchenstand.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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