04.12.2018

Neues Schriesheimer Jahrbuch wurde vorgestellt

Neues Schriesheimer Jahrbuch wurde vorgestelltSeit 1997 wird unter verschiedensten Aspekten die Geschichte der Stadt dokumentiert

Bürgermeister Hansjörg Höfer (stehend, ganz rechts) präsentierte mit einigen Autoren das neue Schriesheimer Jahrbuch. Foto: Dorn

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Als sich Kurfürst Friedrich V. im Herbst 1619 im Heidelberger Schloss per Handschlag von seinem Hofstaat und den Universitätsangehörigen verabschiedete, ahnte er da schon, dass er nicht zurückkehren würde? Dass er durch die Annahme der böhmischen Königswürde der Katastrophe Tür und Tor geöffnet hatte?

Was dieses schicksalhafte Großereignis mit Schriesheim zu tun hat und welche durchaus selbstgerechte Rolle der frühere Schriesheimer Vikar Abraham Scultetus in diesem Zusammenhang noch spielen sollte, kann man im jetzt erschienenen Schriesheimer Jahrbuch in einem spannenden Text von Gerhard Merkel nachlesen. Merkel, einer von insgesamt zehn Autoren, hat aus besagter Verabschiedung Querverweise auf Schriesheim herausgearbeitet.

Seit 1997 dokumentiert das Schriesheimer Jahrbuch unter verschiedensten Aspekten die Geschichte der Stadt. Eine zugleich informative und unterhaltsame Quelle, nun zum zehnten Mal unter der Leitung von Stadtarchivar Dirk Hecht erschienen, wofür sich Bürgermeister Hansjörg Höfer beim neuen Präsentationstermin am späten Samstagnachmittag herzlich bei Hecht bedankte - und ihm auch gleich zum Geburtstag gratulierte. Dank gebühre zudem Andrea und Clemens Bäuerle für technische und redaktionelle Arbeiten, sagte Höfer.

In kurzen Abrissen gab der Stadtarchivar im Rathaus dann den Inhalt des aktuellen Jahrbuchs preis. So erklärt der dänische Autor Jan Hyllestedt, wie aus Kurpfälzern "Kartoffeldeutsche" wurden. Nicht nur Schriesheimer folgten den teils falschen Versprechungen der dänischen Regierung, um ab 1759 die Heide Jütlands zu beackern und dabei von einer Armut in die nächste zu geraten. Autorin Stephanie Kuntermann widmet ihren Artikel dem 140-jährigen Bestehen der Schriesheimer Grundschule und dem seinerzeit zersplitterten Schulwesen der Stadt. Stadtarchivar Hecht ist mit zwei Texten vertreten: Mit einer kurzen Geschichte der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Schriesheim von den Römern bis heute sowie zum Ende des Ersten Weltkriegs am 11. November 1918. Hecht geht es dabei insbesondere um die Gedenkkultur in Deutschland, die so ganz anders ist, als in Frankreich oder England. "Wir dürfen diesen Tag nicht zur leeren Hülle verkommen lassen", schreibt Hecht.

Mit den Feuerwehrprotokollen aus den Jahren 1934 und 1935 gehen die Autoren Thomas Weber und Erika Haas inzwischen in die fünfte Runde. Ihr Artikel spiegelt unter anderem die aufkommenden Sorgen um den Brandschutz in Theorie und Praxis wider. Aus dem Alltagsleben des Schriesheimer Jahrgangs 1923 berichtet Georg Döringer - seine Erzählungen stehen in Ergänzung älterer Beiträge. Friedrich Menges schreibt über Erfolge und Probleme rund ums evangelische Waldheim in der Spatschlucht, das heute von den Pfadfindern betrieben wird. Ein spannender Bericht über eine starke Gemeinschaftsleistung. Einen "Ort des Vergessens" ruft Lukas Schmidt in Erinnerung: Der jüngste Autor der Runde widmet seinen Text dem heute verschwundenen Trimm-dich-Pfad. 1974 feierte die Stadt seine Einweihung noch mit großem Brimborium. In ihrem Beitrag wendet sich Monika Stärker-Weineck gegen das Vergessen nationalsozialistischer Gräuel. Sie erinnert an die Stolpersteinverlegung 2018 in Gedenken an ehemalige Schriesheimer Bürger jüdischen Glaubens. Ein intensiver Artikel über ein "würdiges Ereignis", wie Hecht anmerkte. Insbesondere hob er die Beteiligung der Schulen am Tag der Stolpersteinverlegung hervor.

Zum Preis von 16 Euro ist das neue Jahrbuch zu erwerben im örtlichen Schreib- und Buchwarenhandel sowie im Rathaus. Die Musikschüler Emily Dressel, Jennifer Brand, Tobias Schlechter und Christina Gein begleiteten die Präsentation des Jahrbuchs höchst eindrucksvoll. Auch ihnen sagte Höfer Danke.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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