26.04.2004

Das KSV-Jubiläum ist nicht mit Geld zu bezahlen

Trotz eines Jahresdefizits steht Schriesheims größter Sportverein zu seinen aufwändigen Feierlichkeiten - Ehrennadel für Renate Krämer

Renate Krämer (Mitte), die gute Seele des KSV Schriesheim, im Kreis der weiteren Geehrten für 25-jährige und 50-jährige Mitgliedschaft. Foto: Dorn

Schriesheim. (ron) Dem KSV Schriesheim waren die aufwändigen und prunkvollen Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen im letzten Jahr ein Defizit in Höhe von 14 000 Euro in der Jahresbilanz wert. Bei der Jahreshauptversammlung am Samstagmittag zog der Vorstand trotzdem ein positives Fazit des Jubiläumsjahres.

"Als nicht nicht sehr dramatisch", bezeichnete Vorstand Klaus Grüber die Deckungslücke im Haushalt 2003. Mindestens genauso wichtig erschien ihm das Lob von allen Seiten, das sich der 100-jährige Kraftsportverein verdient hat. In ganz Baden seien die Verantaltungen als Vorbild genannt worden, wusste Grüber und zitierte den Präsidenten des Badischen Sportverbandes Heinz Janalik: "Es gibt sie noch, die Vereine, in denen ein unwahrscheinliches Miteinander gelebt wird", so hatte der Verbandschef ausgerufen, als er von Schriesheim berichtete.

Wie sein Wirtschaftschef Peter Schmitt, so war auch Grüber davon überzeugt, "dass man nicht alles unter dem finanziellen Aspekt sehen sollte". "Unterm Strich", so Schmitts Fazit, "war es ein tolles Jubiläum, das der KSV da hingezaubert hat, eine grandiose Leistung aller Beteiligten".

In die Zeit nach seinem historischen Jahr geht der KSV mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite floriert Schriesheims größter Sportverein: "Wir haben bei 1540 Mitgliedern noch immer eine steigende Tendenz", freute sich Grüber, "und immerhin rund 450 Jugendliche, das kann sich sehenlassen". Auch die Arbeit in den Abteilungen läuft sehr erfolgreich ab, wie zahlreiche Berichte bewiesen. Klar, dass die Ringer einmal mehr die sportlichen Aushängeschilder des Vereins waren. Aber auch die Judoka machen von sich reden und Werner Kranz ist im Moment dabei, eine Abteilung mit eigenen Schriesheimer Nachwuchsboxern aufzubauen. Sämtliche KSV-Abteilungen entwickeln sich nach oben, wie Herbert Graf (Ringen), Werner Kranz (Boxen), Holger Bauer (Judo), Rainer Frey (Fitness), Gaby Katz (Freizeit) und Dennis Beyrer (Fanfarenzug) berichten konnten. Übrigens hatten weit weniger als 100 Mitglieder den Weg zur Jahreshauptversammlung ihres Clubs gefunden, was gemeinhin als blamabel empfunden wurde. "Box-Papst" Kranz sparte nicht mit Kritik an der Stadt, die seiner Meinung nach daran schuld ist, dass der Weltklasse-Boxer Rustam Rahimov nicht mehr für Schriesheim starten will. Diese Kritik des Athleten könne er, Kranz, "sogar sehr gut nachvollziehen" (siehe nebenstehende Meldung).

Grüber kündigte auf der anderen Seite ebenso wie sein "kaufmännisches Gewissen", der Beiratsvorsitzende Bernd Doll, einen "rigiden Sparkurs" an. "Es wird immer schwieriger bei sinken Zuschüssen, unseren Verpflichtungen nachzukommen", klagte Grüber. Jetzt müsse man in den nächsten Jahren "bewusst sparen, ohne die Substanz des Vereins zu gefährden". Auch Doll rechtfertigte das Jubiläums-Defizit: "Es war ein gewolltes Fest auf gewollt hohem Niveau, das finanzielle Opfer betrachten wir als Geschenk an unsere Mitglieder und an die Schriesheimer Bevölkerung." Für das laufende Jahr hat Schatzmeister Albrecht Ehrke einen ausgeglichen Vereinsetat in Höhe von 260 000 Euro vorgelegt.

In seinem Jahresbericht der Ringerabteilung forderte Abteilungschef Graf übrigens erneut eine städtische Sportlerehrung. "In Zeiten, in denen sich der Gemeinderat um Sozialarbeiter halbtags oder ganztags streitet, müsste die Stadt auch einmal für die Sportvereine und besonders für die Jugendlichen, die tagtäglich das Training besuchen, ein Zeichen setzen."
Die erste Ehrennadel

Zum ersten Mal vergab der KSV Schriesheim eine Vereins-Ehrennadel: "An eine Frau, für die kein Weg zu weit und keine Arbeit zuviel ist, wenn es um den KSV geht", wie Grüber beschrieb. Gerade als Vorsitzender weiß er zu schätzen, was er an seiner emsigen Geschäftsführerin hat: denn diese Ehrennadel konnte Renate Krämer, die gute Seele des KSV, entgegennehmen. Noch weitere Ehrungen konnte der KSV vornehmen: für 25-jährige Mitgliedschaft und für 50-jährige. Zu den "Halben Jahrhundertern" gehörte Hans Speicher und der langjährige KSV-Vorstand Rolf Schuster, der schon von Kindesbeinen an in der Mitgliederkartei geführt wird.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung