04.01.2019

Kimmel wünscht sich 2019 weniger "Rumgeeier"

Fraktionschef der Freien Wähler schaut in seinem letzten RNZ-Jahresgespräch optimistisch nach vorn - mit einer Ausnahme

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Heinz Kimmel hat im Gemeinderat schon Generationswechsel miterlebt, jetzt steht seinen Freien Wählern selbst einer bevor: Nach 35 Jahren tritt der gelernte Gärtnermeister 2019 nicht mehr bei der Kommunalwahl an. Im Interview spricht er über diese Zäsur, Wahlkampfthemen und einen letzten Wunsch.

Herr Kimmel, die Freien Wähler haben mehrheitlich gegen die KGS-Sanierung, die Erweiterung der Obdachlosenunterkunft im Wiesenweg und einen Bestattungswald gestimmt. Haben Sie keine Angst, als Verweigerer da zu stehen?
Nein. Wir wissen, was wir tun. Die Sanierung des Kurpfalz-Schulzentrums zum Beispiel wollten wir eigentlich fördern - aber, wie im November 2017 auf der Klausurtagung beschlossen, mit zwölf Millionen Euro für alle Schulen. Wir haben gegen den Weg der Verwaltung gestimmt, weil wir die Kosten von insgesamt 20 Millionen Euro für zu hoch halten. Bei der Unterkunft am Wiesenweg haben wir einen Alternativstandort am Ladenburger Fußweg vorgeschlagen, damit die Vereine am Wiesenweg erweitern können. Die beschlossene Frist von zwei Jahren für eine Standortsuche ist eine Hinhalte-Taktik, das war bei den Hollandhäusern vorher genau so.

Ihrem Kollegen Bernd Hegmann wurde vorgeworfen, in Bezug auf die KGS-Sanierung Unwahrheiten zu verbreiten. Fühlen Sie sich ausreichend über das Projekt informiert, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können?
Wir fühlen uns von der Verwaltung schon informiert. Aber wenn der Schulleiter des KGS sagt, dass vor allem Fenster, Türen, Dach und Heizung gemacht werden müssen, ist eine Generalsanierung unnötig. Dann müssen wir auch nicht so viele Millionen Euro in die Hand nehmen.

Glauben Sie denn nach den Erfahrungen mit dem Hortbau, dass die Stadt den Zeitplan bis Ende 2022 halten kann?
(lacht) Ich hoffe, dass sich das mit der Planung beauftragte Architekturbüro dieses Zeitdrucks bewusst ist und einen reibungslosen Ablauf sicherstellt.

Der Zeitdruck für die Verwaltung ist enorm. Macht es das für Sie im Gemeinderat schwieriger?
Nein. Wir haben uns gegen den bis zu vierstöckigen Übergangsbau an der Ecke Hirschberger und Max-Planck-Straße ausgesprochen, obwohl sich einiges dadurch um mehrere Wochen verzögert. Ich halte den Standort auf den Lehrerparkplätzen für besser. Meine Enkelin und ihre Schulkameraden hatten eine Mappe mit Bildern für den Bürgermeister gemalt, damit die Bäume stehen bleiben können. Den Grundschülern ist das wichtig.

Bei Freien Wählern und Grüner Liste gab es "Abweichler" bei den Entscheidungen zur KGS-Sanierung. Wie gehen Sie als Fraktionschef damit um?
Wir Freien Wähler sind wirklich frei. Natürlich versuchen wir immer, einen Konsens zu finden. Wenn wir merken, dass Einzelne eine andere Meinung vertreten, geben wir uns in den Fraktionssitzungen Mühe, die anderen von unseren Argumenten zu überzeugen. Ich akzeptiere aber, wenn jemand eine andere Meinung hat. Deshalb wird man bei uns nicht ausgeschlossen oder als Abweichler hingestellt.

Mit Wolfgang Metzger hat ein streitbares Mitglied den Gemeinderat verlassen. Wie läuft die Zusammenarbeit mit Nachrückerin Nadja Lamprecht?
Gut. Sie hat nach einigen Tagen Bedenkzeit zugesagt, das Mandat zu übernehmen, und kam dann auch gleich in die Fraktionssitzung. Sie hat sich sofort eingebracht, war auch bei der Anwohner-Information zum Übergangsstandort dabei. Und sie bringt als junge Frau ein bisschen Power in unsere Fraktion.

Sie haben schon mit ihrem Vater, Friedrich Ewald, im Gemeinderat gesessen. Ist das für Sie etwas Besonderes?
Ja, das ist für mich eine schöne Sache. Mit Friedrich Ewald habe ich immer ein gutes Verhältnis gehabt, wir sind ja schon zusammen zur Schule gegangen. Auch bei Nadja Lamprecht weiß ich: Wenn sie etwas anfängt, macht sie es auch richtig. Sie ist auch in unserem Team für den Kommunalwahlkampf.

Wollen Sie so auch 2019 einen Generationswechsel vollziehen?
Weil Nadja dabei ist, haben wir auf einmal sechs oder sieben junge Leute für unsere Liste dazubekommen. Das ist für uns sehr wichtig, wir haben ja keine Jugendorganisation. Ich bin damals auch erst im Alter von 32 Jahren zu den Freien Wählern gekommen, früher waren das vor allem Selbstständige. Jetzt schauen wir, dass jüngere Leute mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen dabei sind. Wenn ich diese Menschen sehe, glaube ich, dass der Generationswechsel klappt. Am Anfang war ich da noch besorgt, aber jetzt nicht mehr. Ich bin guter Dinge, dass wir unsere sechs Sitze halten können. Auf der Liste werden auch Überraschungen sein.

Sie werden 2019 nicht mehr für den Gemeinderat kandidieren. Überwiegt bei Ihnen Angst oder Vorfreude auf Ihre letzte Sitzung?
Angst habe ich keine, ich habe mich ja schon bei der letzten Wahl fürs Aufhören zu diesem Zeitpunkt entschieden. Nach 35 Jahren sollte auch mal Schluss sein. Ich bin dann 69 Jahre alt, und mit 70 will ich nicht mehr im Gemeinderat sitzen. Es ist nicht so, dass ich müde geworden wäre. Aber es hat sich viel verändert, und die Arbeit im Gremium ist eine andere. Allein bei den Brandschutzverordnungen komme ich schon nicht mehr mit. Bevor ich da anfange zu streiten, höre ich lieber auf.

Wen würden Sie sich denn als Nachfolger im Fraktionsvorsitz wünschen?
Das ist eine schwere Frage. Ich kann und will das noch nicht beantworten, sonst nehme ich vielleicht schon irgendwelche Entscheidungen vorweg. Da will ich mich nicht einmischen, ich weiß ja nicht, wer gewählt wird. Aber mit dem Listenpersonal bin ich zufrieden. Wir haben auch einige Frauen dabei. Sonst hatten wir da immer ein Problem.

Trotz kontroverser Bauprojekte haben sich die Freien Wähler auf die Themen Sauberkeit und Grünflächen als Thema für den Kommunalwahlkampf eingeschossen. Kann das wirklich ein Erfolgsrezept sein?
Das kann für einige Teile der Bevölkerung ein Erfolgsrezept sein. Ich werde nicht nur wegen meines Berufs öfter auf Sauberkeit und Grünflächen angesprochen. Dazu gehört auch, die Menschen dafür zu sensibilisieren, dass sie zum Beispiel die Hinterlassenschaften ihrer Hunde entfernen.

Wie kann man das konkret verbessern?
Beim Thema Verkehr haben wir schon eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das in Sachen Sauberkeit auch funktionieren könnte. Wir wollen außerdem den Grünpflege-Ausschuss wieder ins Leben rufen und regelmäßige Begehungen veranstalten.

Bei der Abstimmung über einen Bestattungswald haben Sie selbst gesagt, Sie seien wegen Ihrer Mitgliedschaft in der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner "ein Stück weit befangen". Warum haben Sie trotzdem abgestimmt?
Wir sind grundsätzlich gegen den Bestattungswald - nicht nur, weil ich bei der Genossenschaft Mitglied bin, sondern weil schon jetzt immer mehr Flächen auf den Friedhöfen leer bleiben. Ein weiterer Grund ist, dass ein Bestattungswald für ältere Angehörige nicht so gut zugänglich ist. Ich fühle mich zwar durch meine Mitgliedschaft befangen und versuche deshalb, mich bei diesem Thema mit Wortmeldungen im Rat zurückzuhalten. Ich bin es im juristischen Sinn aber nicht.

In Altenbach gibt es weiter Streit um den Standort eines neuen Feuerwehrhauses. Halten Sie den an der Hauptstraße für geeignet?
Wir haben in der Fraktion noch nicht ausführlich darüber gesprochen. Aber ich denke, dass zwei Garagen dort der Feuerwehr genug Platz gäben. Die Wäscherei Schmitt wäre zu groß und bezüglich An- und Abfahrt nicht optimal gewesen.

Was macht Ihnen noch Hoffnung, dass es in Schriesheim öffentliche E-Tankstellen geben wird?
Ich habe da gar keine Hoffnung mehr. Bei meiner letzten Haushaltsrede werde ich darauf auch noch mal eingehen. 2017 war das zum ersten Mal im Haushalt. Seitdem ist nichts geschehen, obwohl mögliche Betreiber gesagt haben, dass das kein größeres Problem wäre. Das geht gar nicht.

Was würden Sie 2019 im Gemeinderat durchsetzen, wenn Sie einen Wunsch frei hätten?
(lacht) Ich habe nur den Wunsch, dass die angefangenen Projekte besser in die Hand genommen werden. Dieses "Rumgeeier" sieht von außen gar nicht gut aus. Und ich wünsche mir, dass wir ein Neubaugebiet bekommen. Da werden wir gerade von den anderen Kommunen abgehängt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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