16.01.2019

Mauerfall macht KSV-Kinderfasching möglich

Mauerfall macht KSV-Kinderfasching möglich

MGV Liederkranz sagt Prunksitzung absagt - Der Fasching ist tot, es lebe der Fasching

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Freud und Leid liegen in der Vereinswelt der Weinstadt momentan nah beieinander: Noch am Freitag gab der Männergesangverein Liederkranz bei einem eilends einberufenen Pressegespräch bekannt, dass er seine traditionelle Prunksitzung abgesagt habe - wegen steigender Kosten durch Sicherheitsauflagen bei der Anmietung der Mehrzweckhalle. Am Dienstag verkündete dann Kämmerer Volker Arras in einer Pressemitteilung die Wiederauferstehung des Kinderfaschings am Sportzentrum. Den hatte der Kraftsportverein (KSV) 2018 noch aus ähnlichen Gründen wie jetzt der Liederkranz abgesagt.

"Ich bin sehr glücklich", sagte KSV-Vorsitzender Herbert Graf auf RNZ-Nachfrage. Er habe bereits nach seiner Wahl bei der Mitgliederversammlung im Oktober ein konstruktives Gespräch mit Bürgermeister Hansjörg Höfer geführt. Dabei ging es auch um die Mauer, mit der die Stadt den Durchgang zwischen KSV- und Mehrzweckhalle aus versicherungstechnischen Gründen geschlossen hatte - was wiederum den KSV veranlasst hatte, seinen Kinderfasching wegen des logistischen Mehraufwands abzusagen.

"Herr Höfer hat mir im Oktober das Signal gegeben, dass wir eine Lösung finden könnten", so Graf. Nach einer Vorstandssitzung in der vergangenen Woche folgte am Dienstag ein Gespräch mit Bürgermeister und Kämmerer, das Arras als "sehr freundschaftlich und konstruktiv geführt" beschrieb. "Man kam mir sofort sehr entgegen", bestätigte Graf.

Die Lösung: Der KSV entfernt die von der Stadt errichtete Mauer zwischen den beiden Hallen einfach selbst. Bisher hatte Kämmerer Arras darauf beharrt, dass diese notwendig sei, um eine sogenannte "Abgeschlossenheitsbescheinigung" vom Baurechtsamt des Rhein-Neckar-Kreises zu erhalten. Nur so könnten versicherungsrechtliche Probleme gelöst werden.

Inzwischen ist die Verwaltung von dieser Haltung vorerst abgerückt: "Das Landratsamt hat uns gesagt, dass wir das tun müssen", so Arras. Der Notar, der die Teilung der beiden Hallen beglaubigen soll, sei anderer Meinung: Die Stadt bräuchte die Mauer nicht. Solange diese Unklarheiten noch bestünden, sei eine vorübergehende Öffnung des Durchgangs möglich - damit die Feier wie geplant am Sonntag, 17. Februar, stattfinden kann.

Für Arras, zu dessen Zuständigkeit auch das Liegenschaftsamt gehört, ist diese Entscheidung auch ein Signal an die Vereine: "Man kann Dinge im Gespräch klären. Aber wenn man das auf dem kleinen Dienstweg regeln will, muss man diesen auch beschreiten."

Vereinsvertreter hatten die Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten immer wieder wegen mangelndem Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Ehrenamtlichen kritisiert, darunter auch der ehemalige KSV-Vorsitzende Sven Witteler. Strenge Sicherheitsauflagen bei der Anmietung städtischer Räume trieben zudem die Kosten für Veranstaltungen in die Höhe, weshalb der Gemeinderat die Verwaltung im Mai beauftragte, mit Vereinsvertretern ein Konzept zu erstellen.

Das wurde laut Arras inzwischen fertiggestellt - allerdings nicht, wie vom Gemeinderat vorgesehen, in Absprache mit Vereinsvertretern, nachdem die Stadt ein Gespräch wegen Terminüberschneidungen abgesagt hatte. "Wir wollen das jetzt am Freitag mit einem externen Sicherheitsbeauftragten besprechen", so Arras. Im Februar solle es dann den Vereinsvertretern vorgestellt werden. "Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es dadurch wesentliche Änderungen geben wird", sagt Arras, "auch wenn ich nicht bestreiten will, dass wir manche Dinge bisher vielleicht zu streng einschätzen".

An der Absage der Liederkranz- Prunksitzung ändert das nichts - auch wenn Arras Gesprächsbereitschaft signalisierte: "Wir bedauern das natürlich und wollen schauen, dass wir uns noch mal zusammensetzen." Die Stadt habe jedoch im Vergleich zum Vorjahr keine zusätzlichen Auflagen gemacht, die Mehrkosten entstünden hauptsächlich durch die Anmietung von Strahlern. "Da gab es 2018 noch eine Ausnahme", so Arras.

"Aber wir müssen diese Geräte zu marktüblichen Preisen vermieten, um Privatanbietern nicht das Geschäft kaputtzumachen." Dem Gemeinderat stehe es in solchen Fällen frei, Veranstaltungen zu bezuschussen, wenn er sie für wichtig erachte.

Wurde abgesagt: Wegen steigender Kosten und strenger Sicherheitsauflagen findet die Prunksitzung des MGV Liederkranz, hier ein Bild aus dem Jahr 2016, im Februar nicht statt. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung