08.02.2019

Wenn das Autohaus zur Rettungswache wird

Autohaus Gärtner ist seit 1. Februar Standort eines 24-Stunden-Rettungswagens - ASB plant mittelfristig Neubau

Von Frederick Mersi

Schriesheim. "Das ist schon ein bisschen ,old school’", sagt Herwin Hadameck, als er den ehemaligen Verkaufsraum des VW-Autohauses Gärtner betritt. Dort stehen ein Sofa, zwei Sessel und eine Tischgruppe. Radiatoren beheizen den rustikalen Raum - obwohl dort schon seit Ende September keine Autos mehr verkauft werden. Am 1. Februar haben es sich neue Bewohner mehr oder weniger gemütlich gemacht: die Besatzungen eines 24-Stunden-Rettungswagens des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB).

Zwischen 15.000 und 20.000 Euro habe der ASB in den Umbau samt neuem Boden, Küche, Fernseher, Ruheraum mit zwei Betten und - für Nachtschichten besonders wichtig - eine Kaffeemaschine investiert, sagt Hadameck, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. "Die Kollegen müssen sich hier wohlfühlen, sonst macht die Arbeit keinen Spaß", sagt der ausgebildete Rettungssanitäter und fügt mit einem Lachen an: "Das ist außerdem der einzige Standort, den ich kenne, bei dem wir das Hallentor per Fernbedienung öffnen können."

Dennoch ist das neue Zuhause nur ein Provisorium - was nicht nur an der Garderobe aus einer ehemaligen Schreibtischplatte zu sehen ist. Autohaus-Besitzer Ernst Gärtner stand dem Rettungsdienst zwar kurzfristig zur Seite, wo es nur ging. "Aber das ist für eine Rettungswache nur eine Notlösung", sagt Joachim Schmid, Geschäftsführer des ASB-Regionalverbands Mannheim/Rhein-Neckar.

Das langfristige Ziel ist eine neue Rettungswache für den Rettungswagen und das Zwölf-Stunden-Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) im Norden Schriesheims: Neben dem Pendlerparkplatz zwischen Leimengrubweg und Bundesstraße B3 sieht der ASB einen optimalen Standort für die Versorgung der Bergstraße und des vorderen Odenwalds. "Das wäre verkehrstechnisch perfekt, lässt sich aber nicht so schnell realisieren", so Schmid.

Nach der Neuvermessung des Geländes während des Tunnelbaus müsse dort aber erst einmal geklärt werden, ob das Grundstück dem Land oder der Stadt gehört, sagt Beate Kreis vom Stadtbauamt. "Außerdem müssen wir einen Bebauungsplan aufstellen und den Flächennutzungsplan ändern lassen."

Der Nachbarschaftsverband, der für Letzteres zuständig ist, habe bereits seine Unterstützung signalisiert. "Wenn es gut läuft, wird es aber mindestens ein bis eineinhalb Jahre dauern, bis die rechtlichen Voraussetzungen für einen Neubau geschaffen sind", so Kreis. Dann kämen Kosten in Millionenhöhe auf den ASB zu, der aber mit hohen Zuschüssen vom Land rechnen könnte.

Bis dahin werden der Rettungswagen und möglicherweise auch das im DRK-Heim in der Ladenburger Straße stationierte NEF noch einmal umziehen müssen: Das ehemalige Autohaus an der B3 soll bald Reihenhäusern weichen, und das DRK-Heim ist trotz des guten Miteinanders zwischen den beiden Rettungsdiensten wegen seiner Lage und seinen Ausmaßen nur bedingt als Standort für den Notarztwagen und seine Besatzung geeignet, wie Schmid betont.

Der ASB hat deshalb bereits die Voraussetzungen für den Umbau eines Gebäudes im Hirschberger Gewerbegebiet in eine provisorische Rettungswache geschaffen. Mitte des Jahres könnten Rettungswagen und Besatzung frühestens dorthin umziehen. Ob das NEF folgt, sei noch nicht entschieden, sagt der ASB-Geschäftsführer: "Das muss noch genau geprüft werden." Ideal sei es aber grundsätzlich, beide Fahrzeuge an einem Standort unterzubringen.

Schriesheim bleibe ungeachtet dessen mittelfristig der Favorit als Standort, um die Versorgung des vorderen Odenwalds innerhalb der vorgegebenen Hilfsfristen sicherzustellen - auch wenn dort das Hallentor vielleicht nicht mehr so bequem zu öffnen ist, wie in der provisorischen Werkstatt-Unterkunft.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung