16.02.2019

Container für Obdachlose sollen Ende des Jahres bereitstehen

Ausschuss für Technik und Umwelt beschäftigt sich am Montag mit Unterkunft im Wiesenweg - Drei statt zwei Wohneinheiten pro Modul

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Selten hat sich der Gemeinderat mit einem Beschluss so schwergetan wie mit der Erweiterung der Flüchtlings- und Obdachlosenunterkunft am Wiesenweg: Erst wurde die Entscheidung vertagt, dann fand sich weder eine Mehrheit für vier weitere Container neben den Tennisplätzen noch für einen Alternativstandort an der Ladenburger Straße.

Erst im Oktober - im dritten Anlauf - gaben die Stadträte grünes Licht für eine Erweiterung der Anlage, deren Container-Einheiten zum Teil immer noch doppelt belegt sind - was wiederum zu Auseinandersetzungen unter den Bewohnern und häufigen Polizeieinsätzen geführt hatte. Doch bis die vier neuen Container-Module bezugsfertig sind, kann es noch einige Monate dauern.

Am Montag beschäftigt sich der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) in seiner Sitzung ab 18 Uhr mit der Erweiterung. Das ist trotz des Beschlusses im Gemeinderat nötig, weil der für das Gelände gültige Bebauungsplan "Sportzentrum" dort eigentlich nur eine sportliche Nutzung der Fläche erlaubt. Um einen Bauantrag für die vier Container zu stellen, muss das Gremium deshalb erst eine Ausnahme genehmigen.

Ohne die lange Verzögerung im Gemeinderat hätte die Stadt dies umgehen können, denn ursprünglich hatte sie bereits die Erlaubnis für den Bau von drei Container-Anlagen erhalten. Diese verliert aber nach drei Jahren ihre Gültigkeit, wenn diese in der Zwischenzeit nicht errichtet werden. Also geht ein Teil des Prozederes von vorn los, immerhin gilt aber die Zustimmung des ATU als sicher.

Doch bis die zweite Container-Anlage fertig ist, wird es noch einige Monate dauern: Bauamtsleiter Markus Schäfer erklärte auf RNZ-Nachfrage, die Module sollten spätestens Ende des Jahres bezugsfertig sein. Der Aufwand zur Errichtung der Einheiten ist zwar vergleichsweise gering, allerdings müssen zuvor noch der Boden hergerichtet und Leitungen für Wasser, Abwasser und Heizung der Container gelegt werden.

Schon im Haushaltsjahr 2018 hatte die Stadt 500.000 Euro für die Erweiterung bereitgestellt, 410.000 Euro stehen 2019 wieder als Haushaltsrest zur Verfügung. Schäfer rechnet mit Kosten von rund 250.000 Euro für die Container selbst, die Ausgaben für die Erschließung des Geländes sind darin aber nicht enthalten.

Die neue Anlage soll laut Bauamt zwar genau so groß wie die bestehende sein, wird aber anders aufgeteilt: Statt zwei Wohneinheiten soll jeder der vier neuen Container drei Wohnungen beinhalten - bei gleichem Platzangebot. 12 zusätzliche Zimmer würden dem Ordnungsamt damit nach der Erweiterung zur Verfügung stehen.

"Wir sind natürlich dankbar für jede Unterbringungsmöglichkeit", sagt Ordnungsamtsleiter Achim Weitz. Denn die Stadt ist gesetzlich verpflichtet, jedem Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu bieten. "Allerdings streben wir keine Vollbelegung an, sondern wollen nur eine Person in jedem Container unterbringen." Je mehr Privatsphäre man bieten könne, desto geringer sei die Gefahr von Auseinandersetzungen.

Für die Bewohner bedeutet die Erweiterung eine große Entlastung - auch wenn die Zahl der Polizeieinsätze wegen Auseinandersetzungen im Wiesenweg laut Weitz deutlich zurückgegangen ist. Doch auch die Erweiterung könnte nur vorübergehender Natur sein: Der Gemeinderat will bis 2020 nach einem Alternativstandort für die Unterkunft suchen - auch um dem benachbarten Tennisclub eine Erweiterung zu ermöglichen.

Info: Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt, Montag, 18. Februar, um 18 Uhr im kleinen Sitzungssaal, Rathaus.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung