21.02.2019

Hanggelände soll zu Blütenwegfest in Form gebracht werden

Stadt legt zugewachsenes Gelände für Artenschutz und Biotopvernetzung frei - Dabei kommen Ziegen als "Rasenmäher" zum Einsatz

Patrick Schmidt (l.) von der Stadtverwaltung und Gärtner Fridolin Scharm wollen das Hanggelände im Mergel in eine Wiese voller Blumen verwandeln. Foto: Dorn

Schriesheim. (kaz) Eine "Savanne mit Baumbestand" bietet laut Fridolin Scharm für Tiere und Pflanzen im Grunde die besten Lebensbedingungen. Das wird aus dem "Mergel" zwar nicht, doch unter Regie seines Garten- und Landschaftsbaubetriebs wurde dort ein bisher völlig zugewachsenes Gelände in Hanglage kräftig ausgedünnt.

Jetzt geht es an die Aufräumarbeiten. Unter anderem müssen schwere Reifen entsorgt werden, die vermutlich von einem landwirtschaftlichen Nutzfahrzeug stammen und im Dickicht gelandet waren. "Bis zur Blütenwegwanderung am 14. April wollen wir mit allem fertig sein", kündigte Patrick Schmidt bei einer Ortsbegehung an. Er ist bei der Stadt für die Pflege der Grünflächen zuständig.

Bei der Umsetzung auf einer Fläche von rund 4500 Quadratmetern und mitten in einem Vogelschutzgebiet arbeitete die Verwaltung mit Thomas Jungbluth zusammen. Der Umweltreferent beim Verein der Naturfreunde gilt unter anderem als Schmetterlingsspezialist und räumte vor Ort mit der Annahme auf, Brennnesseln seien die beste Brutstätte für Falter. "Für die gängigsten Schmetterlingsarten mag das zutreffen, die Schlehenhecke da drüben bietet aber zum Beispiel Lebensraum für bis zu 120 Arten", sagte er. Die Sal- oder Katzenweide, die auf dem Gelände ebenfalls stehen blieb, lockt seinen Worten nach vor allem über 30 Arten von Wildbienen an.

"Wir mussten jede Menge Brombeerhecken entfernen, aber auch einige Bäume fällen lassen, die nicht mehr standsicher waren", so Patrick Schmidt. Scharm kennt sich als Fachmann am besten mit den Baumarten aus. Ein Stamm mit vielen Löchern wie bei einer Rubinie sei die ideale Behausung für Spechte, sagt er. Über einen zum Teil gefällten "Ahorn-Drilling" am Wegesrand sagt er: "Ein Stamm lag schon über dem Weg, als wir mit unseren Arbeiten begonnen haben." Diese Gefahrenquellen beseitigten die Fachleute.

Durch die Pflegemaßnahmen sind nun auch die alten, noch recht stabilen Trockenmauern wieder sichtbar. Ganz ohne Einsaat sollen zwischen Baumstämmen und Totholz bald Wiesenblumen sprießen. "Früher haben die Schriesheimer hier oben das Heu für ihre Tiere im Stall gemacht", weiß Scharm aus Erzählungen.

Bald wird er seine Ziegen aus dem Winterquartier holen, denen das Gelände als Weidefläche dienen soll und die wiederum zu vierbeinigen "Rasenmähern" werden. Die Tiere brauchen zu etwa einem Drittel Gras, Kräuter und Sträucher, um satt zu werden. Die Beweidung sei nur halb so teuer wie der Einsatz von Maschinen, sagt Scharm. Für ihn selbst war der "Mergel" als kleiner Junge Spielplatz im Wald.

Weil die Wanderstrecke beim Blütenfest dort entlangführt, wurden am Weg bereits vor einigen Jahren Stufen angelegt. "Vorher war das an der Stelle eine echte Rutschpartie", so Schmidt. Walnuss- und Kirschbäume, Ahorn und Haselnusssträucher und Hartriegel gehören zum Bewuchs. Birken mussten als sogenannte "Pioniergewächse", die sich auf freien Flächen als erstes ansiedeln, weichen.

Die Pflegemaßnahmen zeigen erste Erfolge: Jungbluth konnte bereits die "Felsbuschwald-Spannereule" nachweisen, einen eher unscheinbaren, aber seltenen Nachtfalter. Auch Feuersalamander wurden gesichtet. Die neu angebrachten Nistkästen müssen noch bezogen werden. Insgesamt herrschen nun beste Bedingungen für eine Biotopvernetzung.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung