26.02.2019

Künftige Weinhoheiten brachten ihre Vorstellung souverän hinter sich

Künftige Weinhoheiten brachten ihre Vorstellung souverän hinter sich

Auf Aufregung folgte Erleichterung - Nur drei Winzer stellten ihre Weine selbst vor

Noch elf Tage bis zur Amtsübergabe: Bürgermeister Hansjörg Höfer (l.) und Karlheinz Spieß (r.), Vorstandsvorsitzender der Winzergenossenschaft, dankten den Weinhoheiten (vorn, v.l.) Ivanka Crößmann, Sophie Koch und Sofia Hartmann und gratulierten ihren Nachfolgerinnen (hinten, v.l.) Ann-Kathrin Haas, Annalena Spieß und Nadja Grittmann. Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Noch einmal tief durchatmen, dann die letzten Schritte zum großen Moment in der guten Stube der Stadt antreten. Annalena Spieß und ihren Prinzessinnen Ann-Kathrin Haas und Nadja Grittmann ist die Aufregung anzusehen, als sie am Freitagabend um 20.28 Uhr den voll besetzten Zehntkeller zu den Klängen der Jagdhornbläser betreten. "Meine größte Angst war es, auf dem Weg zur Bühne zu stolpern", sagt Haas später.

Das hoheitliche Winken hat die künftige Weinkönigin Annalena, die vor zwei Jahren schon als Prinzessin den Schriesheimer Wein repräsentiert hat, ihren Mitstreiterinnen beigebracht. Der Weg auf die Bühne ist kein Problem, das Lächeln trotz Anspannung auch nicht. Karlheinz Spieß, seit Sommer 2018 Vorstandsvorsitzender der Winzergenossenschaft (WG) und Annalenas Vater, lobt die drei jungen Frauen als "wundervolle Hoheiten, die beste Voraussetzungen für das Amt mitbringen."

Dann ist es so weit: "Sehr geehrter Herr Bürgermeister", beginnt Annalena Spieß ihre Rede. "Letztes Jahr flossen hier bei der Verabschiedung viele Tränen", erinnert sich die 19-Jährige. Unendlich dankbar sei sie nun für das Vertrauen, dass man in sie und ihre Mitstreiterinnen setze. Knapp, aber fehlerfrei verläuft ihr erster Bühnenauftritt als künftige Königin. Auch das Schmuckatrium Dechant in Reilingen, das für die Hoheiten Rebenblätter und eine Traube als Kettenanhänger gefertigt, spricht sie problemlos aus - was Bürgermeister Hansjörg Höfer zuvor deutlich schwerer fällt.

Nur beim "Erheben Sie mit mir Ihre Gläser" ist ein wenig Hilfe nötig - denn die Gläser der künftigen Hoheiten stehen noch auf dem Tisch vor der Bühne. Einmal lachen und auf die Hilfe des WG-Vorsitzenden warten, dann ist auch diese Hürde genommen und der erste Foto-Termin mit Kelch steht an. "Mit Annalena habt ihr eine sehr, sehr tolle Königin an eure Seite gestellt bekommen", sagt die scheidende Königin, Annalenas ehemalige Mitprinzessin Sophie Koch, zu Grittmann und ihrer Cousine Ann-Kathrin Haas.

Mit den hoheitlichen Ketten um den Hals, etwas zu essen von Festzelt-Wirtin Ilona Böhm im Magen und jeweils einer Geschenke-Box gefüllt mit nützlichen Gegenständen für die Amtszeit als Geschenk ihrer Vorgängerinnen fällt bei den drei jungen Schriesheimerinnen die erste Anspannung ab. "Ich bin erleichtert, dass ich die erste Rede geschafft habe", sagt Spieß. "Jetzt geht’s mir gut." Prinzessin Grittmann muss sich während des Kuchenbuffets erst noch sammeln: "Das ist schon ziemlich überwältigend."

Mehr als drei Stunden dauert die Vorstellung samt Präsentation von sechs Weinen und einer Überraschungsgratulantin: Höfer bittet spontan die Hochdorfer Hopfenkönigin Lena Zwaller auf die Bühne - was offenbar nicht jedem im Keller gefällt. Die absolviert zwar gerade im Schwarzwald ihre Ausbildung zur Brauereimeisterin, kommt aber aus Altenbach und ist mit der künftigen Prinzessin Nadja Grittmann befreundet. "Vielleicht ergibt sich ja eine Zusammenarbeit von Wein und Bier", sagt Zwaller und wünscht ihren künftigen Kolleginnen alles Gute für deren Amtszeit.

Ansonsten steht der Abend im Zeichen des Schriesheimer Weins, auch wenn erstmals wegen Parallelterminen nur drei Vertreter der Winzerbetriebe auf der Bühne stehen. Wilhelm Müller stellt einen 2017er Schwarzriesling vor (siehe Splitter), Georg Bielig den 2018er Weißburgunder seines Kollegen Max Jäck und seine eigene Rosé Cuvée. Die hat er aus einer neuen pilzwiderstandsfähigen Sorte gewonnen. "Enkelfähig" soll dieser Anbau sein, sagt Bielig mit Blick auf den Klimawandel.

WG-Geschäftsführer Harald Weiss übernimmt gleich die Vorstellung von drei Weinen, einem 2017er Viognier von Christiane Majer sowie einem im Barrique gereiften Chardonnay und einer Fassprobe der 2018er Riesling-Spätlese der Genossenschaft. "Die wurde von Kellermeister Jörg Wiedemann in Breisach vor zwei Tagen zusammengestellt und per Expresslieferung zu uns geschickt", sagt Weiss. "Die anderen sollen bis zum Mathaisemarkt da sein." Der beginnt am Freitag, 8. März, im Festzelt - mit dem nächsten großen Auftritt der künftigen Hoheiten.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung