11.07.2019

Pfarrer Wilfried Rupp nimmt nach 190 Gottesdiensten Abschied

Seit 2002 war er regelmäßig im Haus Stammberg zu Gast - Wenn "in Ruhe" eher "in Rufbereitschaft" bedeutet

Von Günther Grosch

Schriesheim. Am 1. Januar dieses Jahres wurde Pfarrer in Ruhe Wilfried Rupp 80 Jahre alt. Zuvor hatte er bereits das 50. Jubiläum seines Ordinariats gefeiert und mehr als drei Jahrzehnte seiner Amtsjahre als Pfarrer in Heiligkreuz-Oberflockenbach gewirkt. Dass das Kürzel "i. R." nach seiner Pensionierung im Jahr 2001 für ihn fortan dennoch nicht "in Ruhe", sondern "in Reichweite" und "in Rufbereitschaft" bedeuten sollte, zeigte sich einmal mehr in der vergangenen Woche. In all den folgenden Jahren sprang er immer dann helfend ein, wenn an einer kirchlichen Stelle seelsorgerische Entlastung nötig oder eine Vakanz auszufüllen war.

"17 Jahre und sieben Monate": Solange hatte Rupp seit dem 12. Januar 2002 regelmäßig auch im Schriesheimer Seniorenheim "Haus Stammberg" nach den dort lebenden Schäfchen gesehen und mit ihnen Gottesdienste gefeiert. "Ich habe Buch geführt", erklärte Rupp mit einem Schmunzeln. In exakt 190 Gottesdiensten - außer in den Sommerferien - habe er jeweils einmal im Monat zum Lob Gottes gepredigt, die Frohe Botschaft verkündet, den Heimbewohnern, wenn nötig, Trost gespendet, Zuversicht vermittelt und sie Halt finden lassen.

Alles aber gehe einmal zu Ende, alles habe seine Zeit: "Bleiben Sie behütet", verabschiedete sich Rupp jetzt nach seinem letzten Gottesdienst von den 80 Bewohnern des Hauses. Von Heimleiter Michael Meisel, Organist Martin Fitzer als treuem musikalischen Gottesdienstbegleiter, den "guten Geistern des Hauses", und - stellvertretend für alle anderen - von dem Kirchenältesten der Westpfarrei, Rolf Braun.

Das tat er aber nicht, ohne bei dieser Gelegenheit noch einmal die für ewige Zeiten geltende Einladung Gottes weiterzugeben, "immer wieder an dessen Fest teilzunehmen und seine Botschaft anzunehmen". Gottes Einladungen an die Menschen stellten keine Vorladungen dar, machte Rupp deutlich. Sondern ein Angebot, auf freiwilliger Basis daran teilzunehmen und aus den guten Gaben Gottes zu leben. "Bei Gottes Gastmahl sind noch viele Plätze frei".

Diese Chance sollte nicht ausgeschlagen werden. "U.a.w.g" - um Antwort wird gebeten, so der Geistliche. "Geben wir Gott eine positive Antwort auf seine Einladung." Jeder Mensch könne zu seinem Gastmahl gehen. Gottes Türen stünden allen offen.

Michael Meisel verabschiedete Rupp nicht ohne Wehmut. "Sie werden uns feh-len", sagte der Heimleiter. Als Abschiedsgeschenk überreichte er ein im benachbarten Talhof hergestelltes Modell der Strahlenburg. Die über Schriesheim thronende Burg symbolisiere Rupps Standhaftigkeit und Stabilität über Jahr-zehnte hinweg.

Pfarrer Rupp habe keinen normalen seelsorgerischen Dienst versehen, machte Rolf Braun deutlich. "Er hat auch sein Herzblut hineingelegt". Die regelmäßigen Besuche im Haus Stammberg hätten ihm stets Freude bereitet, bekannte Rupp: "Der Dienst hat auch mir gut getan".

Kein Beruf sei abwechslungsreicher und erfüllender als der des Pfarrers, so Rupp im Gespräch mit der RNZ. Dafür brauche es viele Fähigkeiten. Schließlich gehe es um die unterschiedlichsten Menschen und deren Charaktere, die Gott einem Seelsorger auf ihrem Lebensweg anvertraut.

In seinen mehr als 50 Jahren als Pfarrer habe er in nicht weniger als in sieben Gemeinden Bau- und Verwaltungsaufgaben übernommen, die Aufstellung von Haushaltsplänen und das Ausrechnen der Gehälter für die Erzieherinnen in den Kindergärten mitgetragen, getauft, Gottesdienst gehalten, Trauungen vorgenommen und Beerdigungen durchgeführt. Bei alldem stand ihm Ehefrau Sonja, mit der Rupp seit 48 Jahren verheiratet ist, als "meine beste Mitarbeiterin und persönliche Vikarin" stets hilfreich und entlastend zur Seite.

1958 hatte der am 1. Januar 1939 als Sohn eines Lehrers in Heidelberg geborene Wilfried Rupp sein Abitur in Sinsheim abgelegt. In der Stadt am Neckar studierte er Theologie und war nach dem Ersten Staatsexamen Lehrvikar in Freistedt. Das Zweite Staatsexamen legte er 1966 ab.

Stationen nach seiner Ordination in Zuzenhausen und als Vikar waren für ihn Mannheim-Neckarau, Wertheim, Villingen und Leimen. Am 18. Oktober 1970 trat Rupp seine erste Pfarrstelle als Seelsorger der Kirchengemeinden Heiligkreuz mit Rippenweier und Ursenbach sowie Oberflockenbach an.

Während seiner Amtszeit setzte der begeisterte Fußballer und bekennende Fan des Karlsruher SC in seinen Gemeinden nicht zuletzt zahlreiche "bauliche" Meilensteine. 1971 wurde der Kindergarten in Oberflockenbach vollendet, 1975 das Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindehaus gebaut. 1986 erhielt die Kirche in Oberflockenbach eine neue Orgel. Verdienste erwarb sich Rupp darüber hinaus um die Trägerschaft des neuen Kindergartens, der 1992 fertiggestellt wurde.

Schließlich wurde während seiner Amtszeit die unter Denkmalschutz stehende Evangelische Kirche in Heiligkreuz mehrfach renoviert und restauriert. Auch sie erhielt 1975 eine neue Orgel. Für die Kapelle in Ursenbach, die zu-gleich als Gottesdienstraum dient, schaffte er 1971 eine neue Glocke und 1993 eine neue Orgel an.

Nicht weniger bemerkenswert: 1971 führte Rupp gemeinsam mit seinem da-maligen katholischen Priesterkollegen Karl Urban die erste ökumenische Trauung in Oberflockenbach durch. Und in guter Erinnerung bleiben ihm auch die zahlreichen Begegnungen mit Menschen aus der ostdeutschen Partnergemeinde Flieth.

Dass ihr Ehemann, Vater und Großvater jetzt hoffentlich mehr Zeit für sie hat, darauf freuen sich neben Ehefrau Sonja die Söhne Christian, Johannes und Tochter Miriam sowie seine sechs Enkelkinder. Den ihm über die Jahrzehnte hinweg anvertrauten Schäfchen bleibt, ihrem Pfarrer Rupp ein von Herzen kommendes "Vergelt´s Gott" zuzurufen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung